2017 Wuhan Open – Quarter Final

Mail aus Wuhan: Hysterie um Na Li

tennis MAGAZIN ist in dieser Woche bei den Wuhan Open vor Ort und berichtet vom Damenevent in der chinesischen Metropole, das im Rahmen des „Asia Swings“ ausgetragen wird.

Dieser Donnerstag war der Tag, der bislang am meisten Aufregung verursachte. Das hatte einen Grund: Na Li, der absolute Tennisstar. So muss sich also Kei Nishikori fühlen, wenn er nach eigener Auskunft nicht mehr unverkleidet durch Tokio gehen kann, ohne von Menschenmassen umlagert zu werden.

Heute war hautnah mizuerleben, was es heißt, in Asien ein Superstar zu sein. Wenn Na Li im Anmarsch ist, gilt das gleiche wie für Nishikori in Japan –  es gibt kein Halten mehr. Nicht nur die Fans waren aus dem Häuschen. Auch in der Presseabteilung des Turniers liefen die Planungen bereits Tage vor dem angedachten Termin mit der Tennisheldin auf Hochtouren.

Terminwirrwarr um Na Li-Presserunde

Anfang der Woche heißt die Ansage seitens des gut organisierten Presseteams, Na Li würde am Mittwoch eine Medienrunde im kleinen Kreis abhalten. Okay, das klang interessant. Am Mittwochvormittag wird die Verlegung um einen Tag publik. Kein Problem. Donnerstag, um 15:30 Uhr soll es nun soweit sein. Erst soll der Superstar 20 Minuten für die einheimische Presse, dann 20 Minuten für die Internationalen Berichterstatter zur Verfüfung stehen. Das ist zumindest die Planung bis Mittwochabend. Bevor das nächste Update ins elektronische Postfach flattert: Termin eine Stunde früher – und nun doch erst die auswärtige, dann die chinesische Presse. Man fragte sich: Ja was denn nun? Die gute Nachricht: Es hat dann tatsächlich geklappt.

Poster und Smartphone: Das waren die Utensilien, die bei den meisten jugendlichen Fans bei Na Li Kids-Trainingsstunde am Donnerstag zu sehen waren.

Anderthalb Stunden vor besagter Presserunde – wenn Sie genau mitgerechnet haben, kommen Sie auf 13 Uhr – tritt Na Li an diesem Tag erstmals in Erscheinung. Auf Court A, dem drittgrößten der Anlage, gibt sie eine kurze Show-Trainingseinheit mit einer Hand voll Jugendlichen. Die bekommen von ihrem Idol ein paar Bälle zugespielt, dürfen anschließend ein kurzes Doppel spielen– mit Li als Beobachterin am Platzrand –  und ihr zwischendurch ein paar Fragen stellen. Alles mit Mikrofon, leider ausschließlich auf chinesisch. Worum es dabei also genau ging, wie originell die Fragen der Kids und die Antworten Na Lis waren – ich kann es Ihnen leider nicht sagen. Auf jeden Fall wird viel gelacht, applaudiert und „Ahs“ und „Ohs“ sind als Reaktionen zu vernehmen. Die Ränge sind üppig gefüllt. So üppig wie noch bei keinem Turniermatch. Und das an einem Donnerstag um 13 Uhr mittags. Jugendliche – Jungs wie Mädchen – recken Li-Poster nach oben, kreischen, rennen auf den Tribünen hin und her, um den besten Blick zu ergattern. Hat Tennis im Reich der Mitte also doch ein solch großes Potential? Oder handelt es sich eher um einen mitunter ausufernden Personenkult?

Wie auch immer – das eine kann dem anderen jedenfalls nur behilflich sein. Und das tut es ja bereits. Na Li glaubt nach eigener Aussage, dass Tennis momentan die am meisten wachsende Sportart im Lande ist. Daran dürfte ihr Anteil nicht gerade gering sein.

Es ist erstaunlich, was die zweifache Grand Slam-Siegerin, die inzwischen ebenso oft Mutter ist, weiterhin für eine Strahlkraft besitzt. Ein Kollege der Turnierorganisation erzählte bereits vor drei Tagen, er habe vor allem auch wegen Li einen Job ergreifen wollen, der mit Tennis zu tun hat.

Überflüssig zu erwähnen, dass Sie sich nur flankiert mit einer Horde Sicherheits- und PR-Leuten über die Anlage bewegen kann. Nishikori lässt grüßen.

Gefragt: Na Li (Mi.) stand den internationalen Pressevertretern für Fragen für genau 20 Minuten zu Verfügung. Dann waren die einheimischen Medien dran.

Na Li selbst nimmt die Ausmaße ihrer Popularität übrigens mit gemischten Gefühlen wahr. „Manchmal denke ich schon: ‚Oh, das ist doch wirklich etwas übertrieben'“, erzählt sie mit gedämpfter Stimme.

„Als Mutter auf Tour? Ausgeschlossen!“

Über ihren Einfluss ist sie sich gleichwohl bewusst. Angesprochen auf den geringen Zuschauerzuspruch bei den Matches, sagt die Turnierbotschafterin: „Das zu verbessern, ist ein Grund, warum ich hier bin.“ Eines ist klar: Wenn sie es nicht schafft, wer dann? Das Reszept wäre simpel. Sie müsste einfach selbst wieder auf dem Platz stehen. Doch das ist ausgeschlossen: „Ich könnte das nicht. Mit so jungen Kindern? Die könnte ich nicht ständig allein lassen.“ Bei so viel Hysterie ein erfrischend bodenständiges Statement.

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