Edmonton mit dem Australian Open-Pokal.

Bild: Imago

Mark Edmondson: Vor 50 Jahren Sieger in Melbourne

1976 gewann der Australier Mark Edmondson als letzter einheimischer Spieler die Australian Open. Das Jubiläum passt gut ins Bild. Auch tennis MAGAZIN feiert einen Meilenstein. Wir sind jetzt 50 Jahre alt.

Am Sonntag stand Mark Edmondson, 71 Jahre alt, in der Rod Laver Arena. Der Mann mit dem gewaltigen Schnurrbart warf die Münze beim ersten Match in Melbournes berühmter Tennisschüssel. Dazu kamen noch ein paar Ehrungen von Tennis Australia.

Edmondson? Genau, er war der letzte Sieger der Australian Open. 1976 war’s, vor 50 Jahren. Kein heimischer Spieler schaffte es seitdem, den Titel zu holen. Es gibt eine Parallele zu tennis MAGAZIN. 1976 ist das Jahr, in dem wir gegründet wurden.

Mein erster Gedanke, als ich erfuhr, dass er in Melbourne ist. Den müssen wir treffen! Unser Fotograf Jürgen Hasenkopf, der damals – kaum zu glauben – dabei war, als Edmondson, die Nummer 212 der Welt, im Finale den hohen Favoriten John Newcombe besiegte, stellte den Kontakt her. Ich chattete mit „Edo“, so sein Spitzname, über WhatsApp. „Lass uns nachmittags treffen“, textete er. Ich schrieb während des Zverev-Matches gegen Diallo: „Jetzt?“ Edmondsons Antwort: „Sorry, ich bin schon auf dem Weg ins Hotel, fliege morgen zurück nach Sydney.“

Ein Telefonat mit „Edu“

Wir hatten uns leider verpasst. Aber: Wir verabredeten uns ein paar Tage später für ein Telefonat. Pünktlich ging er an sein Handy. Wir plauderten etwa eine halbe Stunde lang – eine Zeitreise.

Sieger Mark Edmondson mit dem Pokal, Australian Open 1976, Siegerehrung, Kooyong Lawn Tennis Club. Copyright: Hasenkopf

Gespielt wurde in Kooyong, eine halbe Autostunde von Melbourne entfernt. Auf Gras. Beginn des Turniers: der 26. Dezember 1975. Das Finale stieg am 4. Januar 1976. Vor rund 5.000 Zuschauern. Es war ein windiger Tag. Edmondson zog sein Serve-and-Volley-Spiel durch. „Ich hatte nichts zu verlieren.“ Am Ende stand es 6:7, 6:3, 7:6, 6:1. Aber an die Qualität im Halbfinale gegen Ken Rosewall habe das Match nicht herangereicht.

Außenseiter gegen Favorit

„Ich war in jedem Match der Außenseiter“, tönt Edmondsons sonore Stimme im Handy. Sein Vorteil: Er war unbekannt, spielte kleinere Turniere. Die Matches von Newcombe & Co., den Stars der Szene, konnte er dagegen studieren. Der große Rod Laver war übrigens damals nicht dabei.

Das Fernsehen übertrug. Aber Bilder vom Finale gibt es kaum zu sehen. Der Grund: Marlboro war damals Sponsor. Als es im TV keine Zigarettenwerbung mehr geben durfte, wurde auch das Finale nicht mehr gezeigt.

8.156 Dollar für den Titel

Edmondson wohnte damals bei einer Gastfamilie. Der Vater fuhr ihn jeden Tag zum Tennis, rund 45 Minuten. Am Ende gab es einen Scheck. „8.156 Dollar“, antwortet Edmondson wie aus der Pistole auf die Frage nach der Höhe der Gage. Gesamtpreisgeld: 60.000 Dollar.

Vom Tennis leben konnte er damals nicht. „Ich nahm jede Menge Jobs an, um mir die Reisen zu finanzieren.“ Ein Flug von Australien nach Europa hatte 15 Stopps, kostete 720 Dollar, wenn man mindestens 45 und höchstens 180 Tage blieb. In Europa reiste er mit dem Zug oder mit einem Van, in dem er und seine Tourkollegen gelegentlich auch schliefen, um Geld für das Hotel zu sparen.

Mark Edmonson, 71, im Bayview Golf Club Sydney. Copyright: Imago

Und was macht er heute? Nach einer Coaching-Karriere baute er Tennisplätze. Vor ein paar Jahren verkaufte er die Firma, ist noch Berater – und wartet weiter darauf, dass ein Landsmann seinen Rekord bricht.