Kevin Krawietz, Andreas Mies

Reunion von „Kramies”

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2022 gibt es für unseren Kolumnisten Andreas Mies die Reunion mit Kevin Krawietz – „weil wir wissen, was wir aneinander haben“. 

Es gibt eine Szene, an die ich in letzter Zeit häufiger denken musste. Es war in Australien. Vorbereitung auf das erste Grand Slam-Turnier des Jahres 2021. Nach der dritten Trainingseinheit saß ich mit Kevin und unserem Tourcoach Julian Knowle auf der Bank und teilte den beiden mit: „Es geht nicht mehr.“ Die Schmerzen im Knie waren zu stark. Es folgten OP, Reha, Wiedereinstieg auf der Tour. Über all das habe ich an dieser Stelle schon geschrieben. Was aber bei dem Moment vor rund elf Monaten in Melbourne so speziell war: Es war uns allen klar, sobald ich wieder fit bin, wird es auch „Kramies“ wieder geben. Die Reunion, die, wenn es nach Plan läuft, in Melbourne 2022 steigt, war damals schon beschlossene Sache.

Unser Team war immer existent

Man kann es auch so formulieren: Unser Team, Kevin und ich, war immer existent. Auch in der Zeit, als wir nicht zusammen auf dem Platz standen. Und das war immerhin eine ganze Saison. Wir hatten damals in Melbourne auch gemeinsam überlegt, mit wem Kevin antreten könnte. Schon da fiel der Name Horia Tecau, mit dem sich Kevin sogar für die ATP Finals in Turin qualifizierte.

Ich weiß noch, wie Kevin mich nach Wimbledon fragte, ob es okay wäre, wenn er mit Horia in der laufenden Saison weiterspielen würde. Immerhin waren sie die Nummer 5 im Race nach Turin. Es war keine Frage, dass ich einwilligte. Es war sogar ein gutes Timing. Ich musste mich noch eingrooven nach den vielen tennislosen Monaten und für ihn tat sich ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere auf. Bei den Noventi Open in Halle auf dem Weg zu ihrem Titelgewinn habe ich die beiden angefeuert. Bei einer Gelegenheit grinste mich Horia an und meinte: „Ich halte dir deinen Partner warm, solange du nicht da bist.“ Also: Ich bin froh, dass Kevin und Horia so eine tolle Saison gespielt haben und freue mich, künftig wieder mit Kevin zusammen auf der Tour anzugreifen.  

Wir sind kein Ehepaar

Sind Kevin und ich wie ein Ehepaar, wie manche scherzen? Nein. Wir lassen uns viel Freiheiten, haben vielleicht ein-, zweimal die Woche Kontakt. Manchmal auch länger nicht. Es ist nur so: Wir wissen, was wir aneinander haben. Uns ist klar, wie grandios die drei Jahre zuvor liefen, in denen wir erst bei kleineren Turnieren siegten und dann als Krönung Roland Garros zweimal in Folge gewinnen konnten. Vertrauen im Doppel ist elementar. Bevor meine Verletzung auftrat, hatten wir das Gefühl: Es geht gerade erst los. Die Zielsetzung für 2022 ist die gleiche, die wir davor hatten: große Titel holen, sich für das Saisonfinale qualifizieren, Deutschland beim Davis Cup repräsentieren.

Aktuell kommt noch dazu: Wir wollen konstanter werden. Gefühlt haben wir in den letzten Jahren zu viele frühe Niederlagen kassiert. Damit uns das nicht passiert, müssen wir unsere Aufschlagspiele noch dominanter durchziehen. Wir müssen aggressiver returnieren, um mehr Breakchancen zu generieren. Der Netzspieler muss dabei noch mehr in Bewegung sein. Helfen soll dabei wieder Julian Knowle. Den Auftakt wird eine Trainingswoche bei mir in Köln oder bei Kevin in Oberhaching bilden.

Mehr Qualität statt Quantität

Was meine eigene Form angeht: Ich bin fast wieder bei alter Stärke. In den letzten Wochen auf der Tour – in Wien, Paris und Stockholm – habe ich mich richtig wohl gefühlt. Aber ich weiß auch: Auf mein rechtes Knie muss ich immer achten. Zweimal bin ich an der Stelle schon operiert worden. Ein Stück vom Meniskus fehlt und der Knorpel ist neu.

Ich muss ständig Übungen machen, damit die Muskulatur geschmeidig bleibt und nicht zu viel Spannung auf dem Knie lastet. Also rauf auf die Wackelplatte – meine Leidensgenossen kennen das. All das hat auch dafür gesorgt, dass ich meinen Trainingsumfang geändert habe: mehr Qualität als Quantität. Zwei Einheiten am Tag trainiere ich nicht mehr so häufig, lieber eine längere. Wenn das Knie kalt und wieder warm wird, ist es am Abend gereizt. Ach ja, das größte Ziel für mich und Kevin im nächsten Jahr nach all den genannten: die Saison gesund durchzuspielen!