Roger Federer – Uniqlo

Roger Federer: Kein Normaler Hemdenwechsel

Roger Federer spielt nicht mehr in Nike-Outfits – und das Web dreht durch. Die Sandplatzgötter ­verstehen das nicht so ganz. 

Roger Federer darf eigentlich alles. Gerade seit seinem „Comeback“ als Sieger von Grand Slam-Turnieren 2017 besteht die Reaktion seiner Fans auf jede seiner Handlungen mehr oder weniger nur aus den vier Buchstaben „GOAT“ – was in dem Falle für „Greatest of all Times“ steht. Kritik? Bitte nicht am Meister! Wunsch-Ansetzungen am laufenden Band bei allen Events der Welt? Völlig verdient. Nadal mit einer Teilnahme in Rotterdam „austricksen“ und die Nummer eins zurückholen? Kluger Schachzug. Einen weiteren, auch nicht wirklich sinnvollen Exhibition-Wettbewerb in den übervollen Kalender pressen anstatt beim Davis Cup anzutreten? Geile Idee. Und – last but not least – einfach die komplette Sandplatzsaison auslassen, um sich dort dem Duell mit Rafa nicht zu stellen? Taktisch richtig. Wie gesagt, Roger darfALLES. Dachten wir.

Hat Roger das nötig?

Jetzt wissen wir es besser. Roger darf nicht: das Hemd wechseln. Oder die Hose. Also jetzt nicht im Sinne von „ein Leben lang dieselbe Unterhose an“. Nein, er darf sich nicht einfach vertraglich an einen anderen Hersteller seiner Outfits binden. Als erste Gerüchte über eine Veränderung in diesem Bereich in den Wochen vor Wimbledon die Runde machten, haben wir einen entsprechenden Beitrag eigentlich nur auf Facebook verlinkt, weil an dem Tag sonst nicht viel los war. Dann explodierte die Kommentarspalte. Erwachsene Menschen markierten sich gegenseitig. Und sprachen sich Mut zu. „Das kann er doch nicht machen!“ – „Das wird nie passieren!“ Es passierte aber doch – am ersten Tag von Wimbledon.

Der Schweizer machte wahr, was jeder normale Mensch in Erwägung ziehen würde. Nämlich auf das Angebot einzugehen, für einen dreistelligen Millionen­betrag in anderen Klamotten zur Arbeit zu erscheinen. Doch die Web-Gemeinde sah das komplett anders: Wie verrückt kann man denn sein? Das hat der Roger doch alles gar nicht nötig! 

Schockstarre bei vielen Fans. „Wo warst du, als Roger in Uniqulo-Klamotten den Centre Court betreten hat?“, steht jetzt auf einer Stufe mit entsprechenden Fragen zum Kennedy-Attentat und zur Mondlandung. Genau genommen gab es gerade im weißen Wimbledon nur einen Unterschied zwischen einem Polo von Nike und einem des japanischen Herstellers: die eher kleine Logo-Fläche. Das ficht viele Enttäuschte aber nicht an. Zumal die neuen Textilien „Plastik-Shirts“ sind, wie uns diverse User versichern. Offensichtlich nach TV-Augenschein, denn die Zahl derer, die in Deutschland tatsächlich ein Uniqulo-Tennishemd höchst selbst getragen haben, dürfte ungefähr der entsprechen, die einen Satz gegen Federer gewonnen haben.

Was passiert mit dem RF-Logo?

Aber es geht ums Prinzip. Und ums RF-Logo. „Wie sieht es damit rechtlich aus?“, fragen uns Leute, deren sonstiger Kommentarstil nie ein erhöhtes Interesse an juristischen Feinheiten vermutet ließ. Ja, das wäre schon ein Weltuntergang, wenn Roger dieses vor Originalität sprühende Markenzeichen nicht mehr verwenden dürfte: Ein „R“ und ein F“, an denen ein wenig rumradiert wurde. Wow! Nike hat das Monogramm erfunden. Sowas ähnliches würden sie in Tokio nie hinbekommen. Welch ein Glück, dass sich der amerikanische Sportartikel-Riese offensichtlich kompromissbereit zeigt. 

Das letzte Trostpflaster für desillusionierte Federer-Fetischisten, die geglaubt haben, dass der Bund zwischen Nike und Roger dem heiligen Sakrament der Ehe entsprechen würde: Für sein Schuhwerk besteht in dieser Richtung noch Hoffnung. Weiterhin läuft er in einer Variante seines angestammten Modells auf. Und wir haben extra nachgeschaut: Echte Tennisschuhe haben die Japaner tatsächlich auch gar nicht im Angebot. Falls also Rogers nächstes Projekt nicht sein sollte, in Hausschuhen oder Flip Flops die zweite Woche von Wimbledon zu erreichen, könnte der Maestro sich wenigstens an den Füßen als treuer Partner bis zum Karriereende entpuppen.