Roger Federer

Rotterdam-Wildcard: Federers Nummer-eins-Plan ist richtig

Roger Federer hat eine Wildcard für das ATP-World-Tour-500-Turnier in Rotterdam angenommen. Das Signal: Er will kurzfristig die Nummer eins der Welt werden.

„Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“, sagte einst der Schriftsteller Mark Twain. Prognosen treten meist sowieso nicht ein. Es kommt komplett anders, als man denkt. Als ich beschrieben habe, wie Roger Federer wieder die Nummer eins der Welt werden könnte, gab ich der Teilnahme am Turnier in Rotterdam eine Wahrscheinlichkeit von nur einem Prozent. Pustekuchen!

Wie Turnierdirektor Richard Krajicek am Mittwochabend vermeldete, nimmt Federer eine Wildcard für das Hallen-Hartplatzturnier (ab 12. Februar) an. Mit dieser Entscheidung hat sicherlich kaum jemand gerechnet. Wenn man es genauer betrachtet, muss ich feststellen: wieder alles richtig gemacht, Roger! Denn: Die Nummer eins hat für mich genauso eine hohe Aussagekraft und Stellenwert wie ein großer Titel. Federer ist der beste Tennisspieler der letzten 13 Monate – acht Titel bei 13 Starts sprechen eine klare Sprache. Bloß die Rangliste gibt es noch nicht wieder. Warum? Weil er auf einige Turnierteilnahmen verzichtet hat.

Halbfinale in Rotterdam macht’s möglich

„Das Turnier ist speziell für mich. Ich erinnere mich, wie ich 1999 erstmals da gespielt habe. Es war eines der ersten Turniere, an dem ich die Möglichkeit hatte, auf höchsten Level zu spielen. Es fühlt sich gut an, bei den Feierlichkeiten der 45. Ausgabe dabei zu sein“, wird Federer auf der Turnierwebseite zitiert. Heißt im Klartext: Der 36-Jährige will unbedingt die Nummer eins der Welt werden, auch wenn er das nie so aggressiv kommunizieren würde. Sein Rückstand im ATP-Ranking auf Rafael Nadal beträgt derzeit 155 Punkte.

Warum Federer nun lieber in Rotterdam spielt anstatt bei seinem zweiten Heimturnier in Dubai (ab 26. Februar)? Weil die nackten Zahlen klar für eine Teilnahme in den Niederlanden sprechen. Das Turnier findet in der Halle statt, wo der Schweizer meist sein bestes Tennis zeigt. Zudem: Er braucht „nur“ drei Siege, also den Einzug ins Halbfinale, um Rafael Nadal als Weltranglistenersten abzulösen. Zum Vergleich: Bei einem Start in Dubai hätte er das Turnier gewinnen müssen, wenn Nadal parallel in Acapulco triumphieren würde. Federer zieht nun die logischen Schlüsse und geht den etwas einfacheren Weg.

Noch ein Stück unsterblicher

Mit 36 Jahren und sechs Monaten wäre der Schweizer mit großem Abstand die älteste Nummer eins im Herrentennis. Den Rekord hält immer noch Andre Agassi mit 33 Jahren und 131 Tagen. Natürlich ist es essentiell wichtig für den Tennissport, dass Federer so lange wie möglich spielt. Aber: Es geht im Tennis auch um Rekorde, auf die man rückblickend immer wieder gerne schaut. Das weiß auch der „Maestro“.

Mit weiteren Wochen als Nummer eins, und wenn es nur für ganz kurze Dauer wäre, würde er sich noch ein Stück unsterblicher machen, als er es ohnehin schon ist. Den Rekord als ältester Nummer-eins-Spieler – es wäre ein zusätzliches gewichtiges Argument in der Debatte um den besten Spieler aller Zeiten – sollte Federer sich nicht nehmen lassen. Und genau das versucht er nun in Rotterdam. Ein Selbstläufer wird es allerdings nicht werden. Das Feld ist gut besetzt, im Viertelfinale könnte unter anderem Tomas Berdych oder Lucas Pouille warten. Gewinnt er den Titel in Rotterdam, behält er die Führung in der Weltrangliste – selbst bei einem Acapulco-Turniersieg von Nadal – bis mindestens zum Turnier in Indian Wells.

Die Annahme der Wildcard in Rotterdam sendet mehrere Signale: Zum einen, dass die Übernahme der Weltranglistenführung, wenn auch nur kurzfristig, doch extrem wichtig ist für Federer. Zum anderen, dass er vermutlich erneut auf die Sandplatzsaison verzichten wird. Denn die noch größeren Chancen auf die Nummer eins hätte er zwischen April und Juni, wenn er Turniere auf Sand spielen würde, da er hier Punkte nur dazugewinnen kann. Aber mit Prognosen ist es bekanntlich so eine Sache…