SteffiGraf

WTA B-Finals in Zhuhai: Mein Treffen mit Steffi Graf

Steffi Graf eröffnete am Dienstag im chinesischen Zhuhai als offizielle Turnierbotschafterin die WTA B-Finals. Zuvor hatten ausgewählte Journalisten die Chance, sie persönlich zu treffen. tM-Mitarbeiterin Franziska Brülls war eine von ihnen.

„Jeder darf nur eine Frage stellen. Sie werden vorab von Grafs Management geprüft“, lautete die Anforderung an die acht ausgewählten Journalisten, die Steffi Graf für rund 15 Minuten persönlich treffen durften. Erst nach Freigabe des Managements wurden die Fragen zugelassen. Anschließend wurde eine Reihenfolge festgelegt, wer wann welche Frage stellen darf.

Zum Vergleich: Am Montag gaben alle zwölf Spielerinnen der WTA Elite Trophy Pressekonferenzen vorab. Knapp 15 bis 20 Minuten waren zur Beantwortung der Fragen vorgesehen. Im Raum saßen zwischen zehn und 20 Journalisten, die frei entscheiden konnten, wann sie kommen und gehen und welche Fragen sie stellen möchten. Über eine kurze Notiz konnte man den Organisatoren mitteilen, mit welcher der Spielerinnen man anschließend ein One-on-One-Interview wünscht. Theoretisch wäre es möglich gewesen, mit allen Teilnehmerinnen einzeln zu sprechen. Und das auf unbegrenzte Zeit.

Bei Steffi Graf ist alles anders

Es ist also alles längst nicht so restriktiv in China, wie man es vielleicht annehmen könnte. Aber wenn Steffi Graf, die offizielle Turnierbotschafterin der B-WM, persönlich vorbeischaut, ändert sich das. Strikte Regeln, straffer Zeitplan, keine Ausnahmen. Graf gilt als „medienscheu“, exklusive Interviews mit ihr sind eine absolute Ausnahme. Sie gibt sie höchstens im Zusammenhang mit ihrer Stiftung „Children for Tomorrow“ oder bei Sponsorenterminen.

Zur festgelegten Uhrzeit verlassen schließlich die ausgewählten Journalisten das Mediencenter. Der Presseraum ist klein und schlicht dekoriert. Auf den aneinandergereihten Sesseln nehmen die Medienvertreter platz. Vorab wird nochmals abgeklärt, wer wann welche Frage stellt. Vorgabe der Veranstalter: Niemand soll merken, dass die Fragen abgesprochen waren – obwohl sie eh allen schon bekannt sind. Eine gewisse Anspannung liegt in der Luft, kurz bevor „die Gräfin“ kommt.

Plötzlich ruft jemand laut in den Raum hinein: „Sie kommt, sie kommt!“ Anschließend ist es mucksmäuschenstill und alle starren gespannt in Richtung Tür. Beim Betreten des Raumes wirkt Graf fast überfordert mit der Stille und den zahlreichen Blicken, die auf sie gerichtet sind. Lediglich das Klicken der zahlreichen Kameras ist zu hören. Etwas schüchtern setzt sie sich vor allen Journalisten auf ein Sofa.

„Wir beginnen nun mit der Frage-Antwort-Runde. Wer eine Frage hat, bitte aufzeigen“, weist die Organisatorin an. Nach Absprache hebt sich die erste Hand. Graf scheint mindestens so aufgeregt wie die anwesenden Journalisten zu sein, aber sie beantwortet alle Fragen aufgeschlossen und ausführlich.

Steffi Graf: „Das Turnier etabliert sich“

Über ihre Rolle bei der WTA Elite Trophy sagt sie: „Während meiner aktiven Karriere hatte ich nie die Möglichkeit, in China zu spielen. Deshalb freut es mich, regelmäßig seit vier Jahren Zhuhai zu besuchen und auch die Entwicklung der Stadt zu beobachten. Ich mache jedes Jahr ein Foto aus meinem Hotelzimmer und staune darüber, wie sich die Skyline der Stadt wieder verändert hat. Es ist schön, dass sich das Turnier über die Jahre fest etablieren konnte. Überhaupt wächst die Popularität von Tennis hier in China, mittlerweile gibt es in Zhuhai ja auch ein ATP-Turnier.“

Auch zu dem neuen Damen-Rasenturnier in Berlin äußert sich Graf positiv: „Ich habe vor einigen Wochen davon gehört. Es war eines der Turniere, das besondere Erinnerungen zurückbringt. Spiele, die für meine komplette Karriere ausschlaggebend waren. Ich komme häufig nach Deutschland, für meine Stiftung in Hamburg. Also wäre es nicht abwegig, auch das Turnier in Berlin zu besuchen. Aber nur, um dort beim Tennis zuzuschauen. Das Turnier wird nun auf Gras gespielt. Es wird sehr interessant sein, diese Veränderung zu beobachten. Dass dieses Turnier wieder im Tour-Kalender steht, ist sehr besonders für mich.“

Steffi Graf: „Cori Gauff ist ein Rohdiamant“

Dank ihrer aufgeschlossenen und zuvorkommenden Art, legt sich die Anspannung nach einigen Minuten. Nicht nur die Journalisten, auch Graf ist nun deutlich entspannter. Auf die Frage, welche Tipps sie dem „Wunderkind“ Cori Gauff geben würde, reagiert sie mit einem Grinsen: „Ich habe sie noch nie persönlich getroffen, aber ich glaube nicht, dass man ihr noch Tipps geben muss. Sie spielt bereits jetzt so erfahren und ist eine unglaubliche Persönlichkeit. Sie ist ein wahrer Rohdiamant. Ich glaube, sie ist sehr gut beraten. “

Ein Schmunzeln kann sie sich auch nicht verkneifen, als sie nach der Fragerunde gebeten wird, ein Foto gemeinsam mit allen Journalisten zu machen. „Mit den Journalisten?“, fragt sie verwundert. Trotzdem stimmt sie zu und bringt sich für die vier wartenden Fotografen in Position. Nach knapp 15 Minuten verabschiedet sie sich und verlässt unter Begleitung der Security den Raum.

Steffi Graf

STEFFI GRAF INMITTEN DER JOURNALISTENRUNDE: Direkt rechts neben ihr steht tM-Mitarbeiterin Franziska Brülls.

Aber dann bleibt sie doch noch einmal kurz stehen – direkt vor mir. „Und Sie kommen also aus Deutschland?“, fragt sie mich. Ich bin ziemlich baff und antworte nur: „Ja, genau.“ Graf hakt nach: „Was führt Sie hier her?“ Ich bin auf das Interesse an meiner Person so gar nicht vorbereitet und will auch nicht den detailliert geplanten Ablauf der Termins durcheinanderbringen und antworte schnell: „Das Tennis-Magazin.“ Graf lächelt und sagt zum Abschied: „Schön, dann werden wir uns ja sicher noch einmal sehen.“ Dann verschwindet sie endgültig.

Mich hat ihr Auftritt nachhaltig beeindruckt. Der ganze Hype um diesen Termin mit Steffi Graf ist komplett übertrieben. Es ist ihr immer noch etwas unangenehm im Zentrum des kompletten Interesses zu stehen. Daran hat sich seit ihrer außerordentlichen Profikarriere nichts geändert. Schon damals waren ihr Presserunden und Gespräche mit Journalisten nicht ganz geheuer. Am Ende aber steht fest: Steffi Graf hat genauso viel Respekt vor den Medien wie die Journalisten vor ihr.