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Zverev und Lendl – das US Open-Dreamteam

Vieles deutete darauf hin, dass Alexander Zverev in Zukunft mit Ivan Lendl zusammenarbeiten wird. Am Dienstag bestätigte Zverev es offziell über die sozialen Medien. Es ist ein Volltreffer und der richtige Schritt für den 21-jährigen Deutschen, im nächsten Jahr die Nummer eins zu werden.

Fragte man Patricio Apey, den umtriebigen Manager von Alexander Zverev, nach einer Zusammenarbeit seines Schützlings mit Ivan Lendl, dementierte der Chilene. Nein, nein, sagte er. Dass sei nichts Besonderes. Man habe schon öfter trainiert. Man verstehe sich gut. Aber ein dauerhaftes Engagement werde zurzeit nicht angestrebt. Zuletzt Ende Juli, als Zverev vier Tage mit Lendl im Tennis-Resort Saddlebrook arbeitete.

Immer schön tief pokern. Die Preise nicht verderben. Nicht zu viel verraten – das war schon immer Apeys Devise. Dabei musste man eigentlich nur eins und eins zusammenzählen, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass Lendl der nächste Coach von Zverev wird. Und es seit Dienstag wohl auch ist, Seite an Seite mit Vater Zverev senior. Diese Neuigkeit ließ Zverev über die sozialen Medien verbreiten, nachdem Lendl beim Training auf dem Centre  Court der US Open proaktiv mitgewirkt hatte.

Welcome to the team Ivan Lendl

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Fest steht: Zverev, der bei den Grand Slam-Turnieren bislang unter seinen Möglichkeiten blieb und bei seinem bislang besten Major-Auftritt in Paris (Viertelfinale) taktisch schlecht spielte, braucht dringend einen Input von außen.

Lendls hellseherische Fähigkeiten mit Zverev

Lendl war der erste Starcoach, der schon Ende 2015 bei der Orange Bowl in Plantation, Florida, einem deutschen Scout steckte: „Hey, ihr Deutschen braucht euch um die Zukunft keine Sorgen zu machen. Ihr bekommt bald eine Nummer eins.“ Gemeint war natürlich Zverev.

Der Draht des Zverev-Clans zum gebürtigen Tschechen besteht seit Jahren. Lendl, ein Kind des ehemaligen Ostblocks, kennt die russische Mentalität. Seine Mutter ging bei der Schleiferei mit dem Filius zu Jugendzeiten genauso wenig zimperlich um, wie Alexander senior mit dem erstgeborenen Sohn Mischa.

Noch ein Indiz: Lendl hat in seiner Zeit im Murray-Lager eng mit Fitness-Guru Jez Green zusammengearbeitet. Green, Engländer mit Wohnsitz Miami, steht seit 2015 bekanntlich beim Zverev-Clan unter Vertrag. Er schwärmt den Zverevs schon seit Jahren von Lendl vor. Und Zverev schwärmt von Lendl, pries ihn beim ATP-Turnier in München bereits als engen Vertrauten an. „Ich war schon öfter bei ihm zum Essen, dank meines Fitnesstrainers.“ In den letzten Monaten folgten immer mal wieder gemeinsame Trainingssessions.

Zverev und Lendl: Florida als gemeinsamer Nenner

Außerdem: Alle Beteiligten sind Wahl-Floridianer. Die Tenniswelt in und um Miami ist kleiner, als man denkt. Mag Zverev seinen Wohnsitz auch in Monte Carlo haben, am wohlsten beim Training fühlt er sich im Sunshine-State. Es entspricht seiner Mentalität: cool und easy. T-Shirt aus und sich die Sonne auf das Sixpack scheinen lassen. Lange bevor sein Stern aufging, war das Saddlebrook Resort in der Nähe von Tampa, Florida, Zverevs sportliche Heimat. Und Lendl? Er lebt schon seit Jahren im südlichsten US-Bundesstaat, betreibt dort eine Akademie.

Als Zverev in diesem Jahr beim Turnier in München gefragt wurde, wen er sich denn als Trainer vorstellen könne, hieß die Antwort: „Für mich kommen nur zwei in Frage – Boris Becker und Ivan Lendl.“ Der Eine (Becker) scheidet als Head of Men’s Tennis beim DTB und als Eurosport-Experte  aus. Es gab allerdings permanent Gespräche und entsprechend Gerüchte. Der Andere (Lendl) ist nun die Idealbesetzung. Es gibt kaum einen Trainer auf dem Planeten, der so eine Erfahrung vorzuweisen hat (8 Grand Slam-Siege, 19 Finals!) und so akribisch arbeitet. Vor allem: Lendl war frei! Keine Verpflichtungen, aber Tonnen von Erfahrung im Gepäck, die nur darauf warten, an den Youngster weitergegeben zu werden.

Vor dem Turnier in Washington Ende Juli trainierten beide zusammen in Florida. Bei der folgenden Titelverteidigung in der US-Hauptstadt fielen zwei Dinge auf: Zverev vollierte für seine Verhältnisse extrem stabil und er stand näher an der Linie. Was ihm Lendl eintrichtern wird: Vergeude nicht so viel Energie, in dem du weite Wege gehst! Schließe den Punkt schneller ab, gehe ans Netz! Vertraue auf deine Waffen, den Aufschlag und die extrem schnellen Grundlinienschläge!

Dank Lendl: Zverevs Botschaft an die Konkurrenz

Und zwar auf beiden Seiten. Dass Zverevs Rückhand besser ist als die Vorhand, ist bekannt. Aber Lendl wird Zverev klarmachen: Nur eine starke Vorhand gewinnt Titel.

Am Montag kursierte ein Video im Netz, das Zverev beim Training in New York zeigte. Arthur Ashe Stadium, 21.000 Plätze, die in der nächsten Woche, wenn das letzte Majorturnier des Jahres startet, gefüllt sein werden. An der Seite stand Lendl. Gab Tipps, warf Bälle zu. Es ist kein Zufall, dass die beiden auf der größten Bühne, die es im Welttennis gibt, übten. Die Botschaft auch an die Konkurrenz: Hey, Lendl ist an meiner Seite. Allein der Name bringt schon ein paar Prozente im Kampf um Trophäen. Am Dienstag dann machte es Zverev auch medial offiziell, wie im Jahr 2018 üblich: über einen social-media-post.

Ivan #Lendl ist das neueste Mitglied von Team #Zverev – in welchem Umfang und wie lange ist noch unklar. Bekannt sind jedoch dir Erfolge. Als Trainer führte „Ivan der Schreckliche“ @andymurray zu zwei #Wimbledon-Titeln (Foto eins nach dem zweiten Triumph; Foto zwei wenige Monte vor dem historischen Sieg 2013) und einem #USOpen Titel. Als Spieler (Bild drei) gewann er gleich acht Major-Titel, aber nie Wimbledon. Während seiner aktiven Karriere galt Lendl als fittester Spieler der Tour. Zverev erhofft sich wohl vermutlich einen mentalen Schub, sagte zuletzt in Cincinnati: „Er weiß, wie es ist, auf jedem Level unseres Sports Erfolg zu haben. Von daher ist er jemand, der auf jeden FALL helfen kann.“ #alexanderzverev #teamzverev #supercoach #coach #tenniscoach #tennis

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Kann Zverev die US Open gewinnen? Dass er in Toronto und Cincinnati schlecht spielte, spricht zumindest nicht dagegen. Im letzten Jahr gewann Zverev die Canadian Open und enttäuschte anschließend in New York, als das Feld offen schien wie die Tampa Bay, wo sich Zverev neulich noch aufhielt.

Zverev und Lendl: Was geht bei den US Open?

Diesmal sparte er im Vorfeld eine Menge Kraft. Wir in der Redaktion waren uns seit dem Training auf dem Centre Court sicher, dass Lendl in seiner Box sitzen wird. Und falls das Abenteuer Big Apple für beide positiv endet, glaube ich auch, dass Lendl Zverevs Motor und Anker für 2019 ist. Kompetenzkämpfe mit dem Vater sind nicht zu befürchten. Alexander Zverev senior hat schon alle Meriten gesammelt, in dem er es schaffte, zwei so unterschiedliche Spielertypen wie Mischa und Sascha Zverev zu kreieren. Zverev betonte zudem in Washington, dass beide großen Respekt füreinander hegen.

Für Lendl könnte das Kapitel Zverev ein weiterer Coup sein. Er machte Murray, der in großen Finals das Verlierer-Gen zu haben schien, zum mehrfachen Grand Slam-Champion. Warum sollte ihm das mit Zverev nicht gelingen?