465467236

0:3 im Davis Cup gegen Frankreich: Deutschland gegen den Abstieg

465467402

Chancenlos im Doppel: Das Duo Becker/Begemann (r.).

Für die neuformierte deutsche Davis-Cup-Mannschaft mit Teamchef-Debütant Michael Kohlmann ist der Traum vom Viertelfinale geplatzt. Die Gastgeber verloren nach den zwei Einzeln zum Auftakt am Samstag auch das Doppel und liegen gegen Frankreich bereits vor dem abschließenden dritten Tag entscheidend mit 0:3 zurück. Die deutsche Auswahl muss nun vom 18. bis 20. September 2015 in die Play-offs um den Klassenerhalt in der Weltgruppe. Wer der Gegner sind wird, steht noch nicht fest.

Die Paarung Benjamin Becker/Andre Begemann (Orscholz/Lemgo) musste sich in Frankfurt dem Duo Julien Benneteau/Nicolas Mahut überraschend deutlich mit 4:6, 3:6, 2:6 geschlagen geben. Nach 1:49 Stunden verwandelten die Franzosen ihren ersten Matchball und dürfen im Jahr nach der Finalniederlage gegen die Schweiz weiter von ihrem insgesamt zehnten Davis-Cup-Triumph träumen.

Der neue Kapitän Kohlmann machte seine Ankündigung wahr und ließ den im hessischen Königstein wohnenden Lokalmatador Begemann zusammen mit Becker im Doppel spielen. Der zuletzt erkältete Philipp Kohlschreiber (Augsburg), der sein Match am Freitag gegen Gael Monfils verloren hatte (4:6, 5:7, 6:7), sollte für ein vermeintlich wichtiges Einzel am Sonntag geschont werden.

Doch vor allen Dingen Begemann, Nummer 42 der Doppel-Weltrangliste, erwies sich am Samstag vor rund 4000 Zuschauern als Schwachpunkt. Der 30-Jährige gab im ersten Satz ausgerechnet beim Stand von 4:5 sein Service ab – mit einem Doppelfehler beim zweiten Aufschlag.

Die 200 französischen Fans, die die Equipe Tricolore wie am Vortag lautstark unterstützten, feierten daraufhin Benneteau und Mahut mit Sprechchören frenetisch. Der neue deutsche Berater Niki Pilic versuchte derweil aus der Box, die geknickten Begemann und Becker wieder aufzubauen.

Zunächst aber ohne Erfolg. Erneut Begemann begünstigte mit seinem zweiten Aufschlagverlust die 5:3-Führung der Franzosen, die in Benneteau einen „Alleskönner“ haben. Der 33-Jährige steht im Doppel auf Position sieben – und im Einzel auf Platz 27.

Auch der dritte Durchgang begann für die Gastgeber denkbar schlecht. Routinier Becker, der in der dritten Runde der Australian Open als letzter deutscher Spieler ausgeschieden war, gab gleich zu Beginn sein Service ab. Der Davis Cup bleibt damit kein gutes Pflaster für den 33-Jährigen: Es war für Becker die sechste Niederlage im sechsten Einsatz für die Auswahl.

Vor allem Struff überzeugte

Trotz des Rückstandes und der Enttäuschung nach dem ersten Tag hatte Kohlmann an den Tagen von Frankfurt eine Aufbruchstimmung gespürt. „Jedem Match war etwas Positives abzugewinnen“, hatte der Arriens-Nachfolger bereits vor dem Doppel gesagt. Vor allen Dingen Debütant Jan-Lennard Struff (Warstein) hatte trotz der Fünfsatzniederlage gegen den Weltranglisten-14. Gilles Simon (6:7, 6:2, 7:6, 2:6, 8:10) überzeugen können.

Die beiden noch ausstehenden Einzel am Sonntag (13.00 Uhr/Sat.1 Gold/ran.de und tennis.de) haben nur noch statistischen Wert. Für das Spitzeneinzel waren ursprünglich Kohlschreiber und Simon vorgesehen. Danach sollte Struff gegen Monfils spielen. Allerdings können die Teamchefs ihre Aufstellung noch bis eine Stunde vor Spielbeginn ändern.


  1. tennisball

    Sie schreiben es selbst: „Der zuletzt erkältete Philipp Kohlschreiber (Augsburg), der sein Match am Freitag gegen Gael Monfils verloren hatte (4:6, 5:7, 6:7), sollte für ein vermeintlich wichtiges Einzel am Sonntag geschont werden.“

    Es war kaum zu übersehen, daß Kohlschreiber nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und seiner Konzentration war. Die Entscheidung, ihn dennoch einzusetzen gegen die absoluten Topspieler Monfils und auch Simon, ist daher kritisch zu hinterfragen.

    Vielleicht wäre es eine Möglichkeit gewesen, den zuletzt erfolgreichen, hoch motivierten und stark aufspielenden Benjamin Becker im Einzel aufzustellen, den Weltklasse-Doppelspieler Petzschner dafür dann im Doppel?

  2. Bernd Brentano

    Einen Kohlschreiber aufzustellen, der nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist, zeigt, wie gering der tatsächliche Spielraum für das Gespann Pilic/Kohlmann ist. Ihn nicht spielen zu lassen, hätte viel Souveränität und wahrscheinlich schon bald den Job gekostet. Ein kranker Kohlschreiber auf dem Platz richtet weniger Schaden an, als ein kranker Kohlschreiber auf der Bank – eine kranke Situation, die uns die Mini-Chance auf einen Sieg gekostet hat.


Schreibe einen neuen Kommentar