Pete Sampras

50 Jahre „Pistol Pete“: 10 prägende Momente mit Pete Sampras

Am heutigen Donnerstag, den 12. August 2021, feiert eine wahre Größe des internationalen Tennissportes seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Grund haben wir uns zu seinem besonderen Ehrentag in die Vergangenheit begeben und die zehn denkwürdigsten Momente mit Pete Sampras herausgesucht.

Text: Jan Heydenreich, Joel Walter

1. US Open 1990 – Der jüngste Sieger in New York

Im Jahr 1990 brachte Pete Sampras einen mächtigen Schwung auf die ATP-Tour. Mit gerade einmal 19 Jahren konnte er sich im Finale der US Open gegen Andre Agassi durchsetzen und seinen ersten Grand Slam-Titel einfahren. Er ist der bis heute jüngste Gewinner des Grand-Slam-Turniers in Flushing Meadows.

2. Australian Open 1995 – Tränenausbruch in Melbourne

Es war eines der emotionalsten und gefühlsbetontesten Matches von Pete Sampras. Im Spiel gegen seinen Landsmann Jim Courier im Viertelfinale bei den Australian Open 1995 brach der US-Amerikaner in Sorge um seinen im Laufe des Turniers zusammengebrochenen und später ins Krankenhaus eingelieferten Trainer Tim Gullikson in Tränen aus. Während des ersten Seitenwechsels des entscheidenden fünften Satzes begann die Psyche, die Kontrolle über Sampras zu gewinnen. „Ich dachte an Tim im Krankenhaus und daran, wie verletzlich und traurig er war. Einen Moment später brach ich auseinander“, resümiert der spätere Finalist des Turniers die Geschehnisse in seiner Biografie „A Champions’s Mind“.

Im Anschluss an das Spiel wurde angenommen, dass ein Ruf eines Zuschauers für den emotionalen Gemütszustand gesorgt hatte, doch das dementiert Sampras bis heute. Allerdings konnte er seine Tränen an diesem Abend nicht kontrollieren. Beim Stand von 1:1 und 30:0 mischte sich schließlich auch Courier ein: „Alles in Ordnung, Pete? Wir können das Spiel auch morgen beenden.“ Nach einem wahren 4-Stunden-Marathon konnte Sampras den ersten Matchball verwandeln. „Es war eines der besten Matches“, sagte er in der folgenden Pressekonferenz.

3. US Open 1995 – Der Monster-Ballwechsel

Im Finale der US Open 1995 kam es durch das Duell zwischen Pete Sampras und Andre Agassi auch zu einem 22 Schläge andauernden Ballwechsel. Dieser Schlagabtausch galt als einer der spektakulärsten seiner Zeit, sodass die Aufnahmen sogar einem Werbespot dienten.

4. Davis Cup 1995 

Am ersten Tag der finalen Davis-Cup-Begegnung zwischen Russland und den USA in Moskau kam es zum Duell zwischen Pete Sampras und Andrei Chesnokov. Mit dem verwandelten Matchball kollabierte der US-Amerikaner und musste vom Platz getragen werden. „Es hat sich angefühlt, als hätte man mir in den Kopf geschossen“, schrieb Sampras in seinem Buch. Sampras gewann einen Tag später im Doppel und am Schlusstag auch sein zweites Einzel gegen Yevgeny Kafelnikov, sodass er die USA im Alleingang zum Davis-Cup-Titel führte.

5. US Open 1996 – Erbrechen auf dem Court

Eines der bemerkenswertesten US-Open-Matches fand erstaunlicherweise lange vor Federers Zeiten in Flushing Meadows statt. Die Rede ist von dem Duell zwischen Pete Sampras und Alex Corretja am 5. September 1996. Der junge Spanier konnte dem US-amerikanischen Topgesetzten alles abverlangen und das Spiel in einen entscheidenden fünften Satz lenken – doch wollte dieser kein Ende finden. Es ist somit eine logische Konsequenz, dass das Match in einem Tiebreak entschieden werden musste, in dem der Spanier den geschwächten Sampras im wahrsten Sinne des Wortes ins „Wanken“ brachte: Beim Stand von 1:1 beugte sich der völlig dehydrierte Sampras über seinen Tennisschläger und erbrach auf dem Court.

Beim Stand von 6:7 gelingt Sampras einer der unglaublichsten Schläge der Tennisgeschichte, indem er mit einer kompletten Körperstreckung und einem Volley die drohende Niederlage abwehrt. Danach schlägt der Mann aus Washington völlig aus dem Nichts ein Ass mit dem 2. Aufschlag und hat Matchball. Passend beendet Corretja das Match mit einem Doppelfehler.

„Es gibt nicht genügend Wörter in der englischen Sprache, um diesen Moment einzufangen“, statieren die Kommentatoren. Sampras wurde später vom Platz getragen – fünf Tage später konnte er das Turnier gewinnen.

6. Wimbledon 2002 – Abschied auf dem Friedhof der Stars

Der 26. Juni 2002 war ein Tag, der Pete Sampras und vielen Tennis-Fans in Erinnerung geblieben ist – endete an diesem Mittwoch doch die große Wimbledon-Karriere des US-Amerikaners in der zweiten Runde gegen einen Lucky Loser.

Sampras wurde in seinem Match gegen den Schweizer George Bastl nur auf dem Court 2 angesetzt. Doch wurde ausgerechnet dieser Court wegen des enormen Favoritensterbens der letzten Jahre als „Graveyard of Champions“ (Friedhof der Stars) bekannt. Auch im Jahr 2002 wurde er seinem Namen ein weiteres Mal gerecht: Sampras musste sich in dem Spiel, das über die volle Distanz ging, mit 3:6, 2:6, 6:4, 6:3, 4:6 geschlagen geben. Der siebenmalige Wimbledon-Champion reihte sich somit in eine Riege mit Andre Agassi, Michael Stich und Pat Cash ein, die ebenfalls als Wimbledonsieger auf dem Friedhof der Stars verloren haben. Für Sampras war es das letzte Match auf dem „Heiligen Rasen“ von Wimbledon, auch wenn er ankündigte, seine Karriere in Wimbledon so nicht beenden zu wollen.

7. US Open 2002 – Karriereende mit einem Grand-Slam-Titel

Das Finale der US Open 2002 zwischen Andre Agassi und Pete Sampras konnte der unter den beiden Spitznamen „Pistol Pete“ und „The Swing“ bekannte Sampras in vier Sätzen für sich entscheiden und somit nach 1990, 1993, 1995 und 1996 seinen fünften Triumph in Flushing Meadows feiern. Mit diesem 14. und letzten Grand-Slam-Titel baute er seinen Grand-Slam-Rekord, den erst Roger Federer 2009 einstellen und übertreffen konnte, weiter aus. Was damals noch keiner ahnte: Es wurde das letzte Match in der Karriere von Sampras. Karriereende mit einem Grand-Slam-Titel. Sampras verließ die Tennisbühne mit einem großen Knall.

8. Abschiedszeremonie bei den US Open 2003

Am 25. August 2003 verabschiedete sich die Tennis-Welt mit einer typisch amerikanischen Zeremonie, vielen bekannten Gesichtern und einer Menge Emotionen von einem wahren Champion. Auf dem Center Court von Flushing Meadows, dem Arthur Ashe Stadium, wurde Pete Sampras unter den Augen seiner einstigen Kontrahenten Boris Becker, John McEnroe und Andre Agassi feierlich in den Tennis-Ruhestand „entlassen“. Unter Tränen beendete der US-Amerikaner seine Karriere: „Ich habe mir nichts mehr zu beweisen.“

9. Wechsel zur einhändigen Rückhand

Mit 14 Jahren entschied Sampras in Absprache mit seinem damaligen Trainer, einen Wechsel von der beidhändigen zur einhändigen Rückhand zu vollziehen. Rückblickend haben sich in der Szene mehrere Meinungen zu dieser Umstellung etabliert.

Einerseits wird behauptet, die einhändige Rückhand ginge nicht mit demselben Druck einher und die ursprüngliche Schlagvariante hätte Sampras wohl zum Sieg in Paris bei den French Open verholfen. Andererseits sehen viele Experten den Wechsel als einen Akt des Mutes und der Cleverness: Die erweiterte Reichweite und Variabilität hätte das Serve-and-Volley-Spiel des US-Amerikaners unterstützt. Dass diese Abwandlung die richtige Entscheidung war, zeigt die beeindruckende Karriere des 14-maligen Grand Slam-Champions.

10. Erster der Rangliste zum Jahresende

Von 1993 bis 1998 konnte Pete Sampras die Saison sechsmal in Folge auf Position eins der Weltrangliste beenden. Das ist eine Einmaligkeit im Profitennis – bei Damen und Herren. Insgesamt stand er 286 Wochen an der Spitze der Weltrangliste.