Ab 2028 in Mailand: Bekommt Italien ein ATP-Tennisturnier auf Rasen?
In Mailand soll es ab 2028 ein neues ATP-Rasenturnier geben. Italiens Tennisverband hat dafür angeblich tief in die Tasche gegriffen.
Im italienischen Tennis scheint derzeit alles möglich zu sein. Angelo Binaghi, der seit 2001 mächtiger Präsident des italienischen Tennisverbandes FITP ist, träumt sogar davon, dass Masters-1000er-Turnier in Rom bis zum Jahr 2035 zum Grand Slam-Turnier aufwerten zu lassen. Der 64-Jährige sprach im Mai 2025 auf der Abschlusspressekonferenz der Internazionali d’Italia bereits davon, das „Monopol“ von Australian Open, Roland Garros, Wimbledon und US Open „bekämpfen“ zu wollen. Binaghi stellt alles in Frage: „Warum sollte es nur vier und immer die gleichen geben? Warum sind die Punkte, die bei Grand Slams vergeben werden, doppelt so hoch wie bei einem Masters-1000er?“
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Große Pläne in Rom: Italien will ein fünftes Grand Slam-Turnier
Womöglich ist der Grand Slam-Traum des FITP selbst für italienische Verhältnisse größenwahnsinnig. Feststeht allerdings: Die altehrwürdige Anlage in Rom soll nach der Auflage 2026 für 60 Millionen Euro renoviert werden, der Center Court soll um 2000 Plätze erweitert werden und ein fahrbares Dach erhalten. Darüber hinaus gibt es auch Pläne für drei neue Courts und eine „Super Tennis Arena“ mit 6.500 Sitzplätzen im legendären Foro Italico.
Wachstumpläne für das Tennis in Italien
Im Vergleich dazu fällt die neueste Meldung zu den Wachstumsplänen des italienischen Tennis fast schon bescheiden aus, wenngleich sie durchaus spektakulär ist: Denn der Corriere della Sera berichtet, dass Mailand ab 2028 ein neues ATP-250er-Turnier bekommen soll – und zwar auf Rasen! Über den genauen Austragungsort sei noch nichts bekannt, auch der exakte Termin in der eh schon engen Rasensaison stehe noch nicht fest. Dennoch: Ein Rasenturnier in Norditalien – das wäre ein echter Coup. „Mailand wie Wimbledon“, titelte der Corriere della Sera.
Der Tenniskalender ab 2028 wird massiven Veränderungen ausgesetzt sein, weil es dann das zehnte Masters-1000er-Event in Saudi-Arabien geben wird. Es soll dem Vernehmen nach im Februar stattfinden und eine Woche lang dauern. Um dafür Platz im Kalender zu schaffen, sollen kleinere 250er-Turniere – vermutlich in Südamerika – gestrichen werden. Im Zuge dieser Neuausrichtung des ATP-Kalenders soll der FITP nun die Turnierlizenz des 250er-Turniers von Brüssel für 20 Millionen Euro erworben haben. Mit Hilfe dieser Lizenz soll das Rasenturnier in Mailand ausgerichtet werden.
Lizenz von Brüssel geht nach Mailand
Das Turnier in Brüssel, die BNP Paribas Fortis European Open, findet stets als Hallenturnier im europäischen Herbst statt und zog erst letztes Jahr von Antwerpen in die belgische Hauptstadt. Von 2016 bis einschließlich 2024 war es in Antwerpen beheimatet. Das Turnier wird von der Agentur Tennium organisiert, die auch für die Ausrichtung des Rothenbaum-Turniers in Hamburg verantwortlich ist.
FITP-Präsident Binaghi will sich nicht lange mit dem 250er-Status begnügen. Sein Ziel ist eine Aufwertung in die 500er-Kategorie, behauptet der Corriere della Sera. Inklusive des Mailänder Turniers wären in den drei Wochen vor Wimbledon dann insgesamt sieben ATP-Turniere ab 2028 unterzubringen – vorausgesetzt, dass alle anderen Events bis dahin erhalten bleiben. Aktuell liegen Stuttgart (250er) und ’s-Hertogenbosch (250er) in der Woche nach Roland Garros. Es folgen mit Halle und Queens zwei 500er-Events in der zweiten Rasenwoche. Die letzten ATP-Vorbereitungsturniere für Wimbledon auf Rasen sind Eastbourne (250er) und Mallorca (250er).
Rekordzahlen für das Tennis in Italien
Italiens Tennis erlebt aktuell den größten Boom seiner Geschichte. Durch den Turniersieg von Flavio Cobolli in Acapulco stehen derzeit drei italienische ATP-Profis in den Top 15 der Herren-Weltrangliste – das gab es noch nie. Jannik Sinner, Lorenzo Musetti und eben Cobolli sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Insgesamt sind acht Italiener in den Top 100 platziert. Neben dem Großturnier von Rom finden die ATP-Finals bis mindestens 2030 in Italien statt. Auch die Finalrunde des Davis Cups, den Italien zuletzt zweimal hintereinander gewann, wird noch bis mindestens 2027 in Bologna ausgerichtet. Die Ticketverkäufe bei diesen Events erreichen von Jahr zu Jahr neue Rekordzahlen.
Tennis, so stellt es der umtriebige FITP-Präsident Binaghi oft dar, ist in Italien eine „Wachstumsindustrie“. Neue Zahlen belegen diese steile These. Demnach gibt es in Italien 16,9 Millionen Tennisfans (was auch immer darunter zu verstehen ist) und 1,25 Millionen im FITP registrierte Spieler und Spielerinnen (so viele wie noch nie). Tennis und Padel sollen dem italienischen Staat 1,2 Milliarden Steuereinnahmen sowie 57.000 Arbeitsplätze beschert haben. Der FITP erwirtschaftete 2025 einen Gewinn von über 230 Millionen Euro.
Mit dem ATP-Rasenturnier in Mailand soll das Wachstum weiter befeuert werden. Langfristig plant der FITP dort sogar ein norditalienisches Trainingszentrum. Gespräche mit der Stadtverwaltung, um geeignete Flächen für moderne Anlagen und Tennisplätze zu finden, sollen bereits laufen.
