Alexander Zverev

Alexander Zverev: „Ich genieße solche Zeiten“

Alexander Zverev spricht im Interview mit der Sport Bild über die Auswirkungen der Coronakrise und Geisterspiele im Tennis.

Die Auswirkungen der Coronakrise trifft Alexander Zverev nicht so hart wie andere Sportler. In seiner Wahlheimat Florida kann der Weltranglistensiebte in der Saddlebrook-Akademie auf einem eigenen Platz und im Kraftraum trainieren, unter anderem mit seinem Bruder Mischa. Dennoch kommt die Pause für den 22-Jährigen zu keinem guten Zeitpunkt. Bei den Australian Open erreichte Zverev zu Jahresbeginn erstmals das Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier und fühlte sich topfit. „Beim Training in Indian Wells habe ich – bevor das Turnier abgesagt wurde – sogar noch besser gespielt als in Melbourne. Nun werde ich ausgebremst“, sagte Zverev im Interview mit der Sport Bild.

Seine Teammitglieder stehen ihm derzeit rund um die Uhr zur Verfügung, um an seinem Spiel und seiner Fitness zu arbeiten. „Meine Angestellten arbeiten gerade mehr als normalerweise. Also ist Kurzarbeit kein Thema“, erklärte Zverev. Deutschlands Nummer eins will die turnierfreie Zeit nutzen, um als einer der Gewinner nach dem Wiedereinstieg in den Touralltag hervorzugehen. „Jetzt ist die Zeit, auf die es ankommt. Wenn es wieder losgeht, wird man genau sehen, wer hart gearbeitet hat und wer nicht. Ich genieße solche Zeiten. Genau jetzt ist der Moment, in dem ich mich verbessern kann. Während der Saison kann man sich nicht steigern. Du reist von Stadt zu Stadt, spielst ein Match nach dem anderen. Jetzt kann man an bestimmten Dingen arbeiten. Ich habe drei Monate Zeit, mein Spiel komplett auseinanderzunehmen. Ich kann genau schauen, was ich brauche, um den nächsten Schritt zu machen“, sagte Zverev, der vor allem an seinem Netzspiel arbeiten möchte, der Sport Bild.

Alexander Zverev: „Distanz kann Menschen zusammenbringen”

Frühestens am 13. Juli mit dem ATP-Turnier in Hamburg würde es im Herrentennis wieder losgehen. Zverev kann sich mit Geisterspielen im Tennis anfreunden, wenn es die Situation erfordert. „Am Ende des Tages ist es Beste, wenn es wieder Live-Sport im Fernsehen gibt. Das ist besser als gar nichts. Deswegen würde ich es mir wünschen, dass notfalls ohne Zuschauer gespielt wird. Ich denke, bis zur US-Open-Zeit sind die Tennisfans so hungrig, dass es ihnen komplett egal ist, ob wir vor Zuschauern oder leeren Rängen spielen. Das einzige Problem bei uns ist das Herumreisen. Das ist in der Fußball-Bundesliga nicht so. Wir fliegen von einem Land ins andere.“

Sollte die ATP-Tour wieder starten, sieht Zverev die älteren Spieler aufgrund ihrer Routine zunächst im Vorteil. „Wir jungen müssen erst mal in Gang kommen. Die Pause ist also eher für die älteren ein Vorteil. Aber ich bin mir sicher: Danach kommt der Wachwechsel“, meint Zverev. Die Coronakrise hat auch Auswirkungen auf das Privatleben des ATP-Weltmeisters von 2018. Seit Ende Februar konnte er seine Freundin Brenda Patea, mit der er seit Oktober 2019 liiert ist, nicht mehr sehen. „Distanz kann Menschen zusammenbringen. Das merken jetzt hoffentlich viele. Man lernt jetzt, den Alltag zu genießen. Das war vorher nicht unbedingt der Fall. Rausgehen, Freunde treffen, Sport machen – nach der Corona-Zeit wird man diese kleinen Dinge viel mehr würdigen“, sagte Zverev.