2018 Australian Open – Day 6

Angelique Kerber: „Ich kann meinen Beinen vertrauen“

Melbourne – Top-Favoritin? Das wollte Angelique Kerber nicht so stehen lassen. „So weit wollen wir gar nicht schauen“, sagte sie nach der Demonstration ihrer wiedergewonnenen Stärke gegen die Russin Maria Sharapova und unterbrach damit den Fragesteller unsanft: „Mit den Erfahrungen der letzten zwei, drei Jahre weiß ich, wie ich solche Gedanken ausblenden und mich auf das konzentrieren kann, was wirklich wichtig ist.“

Wirklich wichtig ist für Kerber immer nur das nächste Match, und das findet in der Nacht von Sonntag auf Montag (nicht vor 3.00 Uhr MEZ) in Melbourne statt. Bei den Australian Open spielt die 30 Jahre alte Kielerin gegen die Weltranglisten-88. Hsieh Su-Wei um den Einzug ins Viertelfinale und um die Fortsetzung ihrer Siegesserie. Bislang hat Kerber alle zwölf Partien im Jahr 2018 für sich entschieden. Zuletzt in beeindruckender Deutlichkeit gegen eine allerdings erschreckend schwache Sharapova. 6:1, 6:3, 58 Punkte für Kerber, 33 für Sharapova, sieben unerzwungene Fehler für Kerber, 26 für Scharapowa, insgesamt 64 Minuten Spielzeit – die Einseitigkeit dieser Partie, von der nicht viele Experten der Szene vermutet hatten, es könnte ein hochdramatischer werden, spiegelte sich auch den Zahlen wieder.

Becker: „Kerber ist stabil in ihrem Spiel“

Nach dem glatten Sieg versuchte Kerber, die Euphorie zu bremsen. Es gelang ihr nur bedingt. „Kerber ist momentan zu stabil in ihrem Spiel und ihren Emotionen, als dass sie sich aus der Spur bringen lässt“, lobte Boris Becker in seiner Funktion als TV-Experte bei Eurosport: „In dieser Form ist Angie die Turnierfavoritin.“ Barbara Rittner, im Deutschen Tennis Bund (DTB) für den Bereich Frauen-Tennis verantwortlich, bestätigte Beckers Meinung und lobte vor allem Kerbers neue Stabilität beim Aufschlag.

Die ist seit Saisonbeginn die Grundlage für den Aufschwung nach dem Jahr 2017, das von Niederlagen und Selbstzweifeln geprägt war. Aufbauend auf den Aufschlag sollte Kerber auch gegen die zwei Jahre ältere Hsieh keine Probleme bekommen. Die Taiwanesin war bisher eher als Doppelspielerin in Erscheinung getreten, ihr bislang einziges Match in der Runde der besten 16 bei einem Grand Slam liegt bereits zehn Jahre zurück.

Hsieh nicht zu unterschätzen

Unterschätzen wird Kerber die Taiwanesin Hsieh dennoch nicht. Schon 2016 lautete ihr Erfolgsrezept, nicht zu weit vorauszublicken. Selbstvertrauen besitzt sie allerdings genug, um nicht in die Verzagtheit des vergangenen Jahres zurückzufallen. „Ich wusste immer, dass sie mit Selbstvertrauen besser spielt“, sagte Sharapova. Und Kerber unterstrich: „Ich weiß, dass ich meinen Beinen vertrauen und für immer laufen kann.“ Alleine damit kann sie in Australien weit kommen. Ob als Top-Favoritin oder nicht.

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