Erste Niederlage in 2019: Angelique Kerber

Angelique Kerber: „Ich verfolge ein Ziel“

Eigentlich hätte Kerber in dieser Woche beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart aufgeschlagen. Doch wegen der Corona-Pandemie verbringt sie nun die Zeit mit ihrer Familie in Polen. In einem Interview mit Porsche spricht sie darüber, wie sie ihre Zeit nutzt, welche Lehren sie aus der Krise zieht und wie sie sich auf ihre Rückkehr auf die Tour vorbereitet.

Neben Ashleigh Barty, Sofia Kenin und Julia Görges hätte auch Angelique Kerber 2020 um den Titel sowie ein neues Siegerfahrzeug beim Porsche Tennis Grand Prix gekämpft. Nachdem Kerber Anfang März bereits verkündet hatte, dass sie wegen einer Verletzung weder in Indian Wells noch in Miami spielen werde, war ihr Comeback für das WTA-Turnier in Stuttgart geplant.

Aktuell verbringt die Deutsche Zeit bei ihrer Familie in Polen: „Es ist wirklich schade, dass der Porsche Tennis Grand Prix wegen der Corona-Krise nicht stattfinden kann. Nach meinen Verletzungssorgen vom Saisonauftakt bin ich jetzt wieder fit und habe mich sehr darauf gefreut, auf die Tour zurückzukehren.”

Stattdessen musste Kerber sich komplett neu orientieren und ihre weitere Saison umplanen. Anstelle von hartem Training auf dem Court und kurzer Vorbereitungszeit auf ihre Matches ist sie nun auf Fitnesstraining umgestiegen. Da die Tennisplätze aktuell noch gesperrt sind, hält sie sich mit täglichen Home-Workouts fit. „Die Umstellung auf diesen ganz anderen Tagesrhythmus ist mir anfangs nicht leichtgefallen. Doch ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Niemand kann verlässlich sagen, wann das sein wird und wie die Zukunft aussieht. Das macht es so schwierig, für diesen Tag zu planen”, sagt die gegenüber Porsche.

Ich weiß, warum ich das mache

Für Training ohne Coach und Schläger ist allerdings auch Disziplin und Motivation gefragt. Denn nicht jedermann kann sich dazu ermutigen, regelmäßige Einheiten in den neuen Tagesablauf zu integrieren. Mit einem Ziel im Blick hat Kerber damit allerdings keinerlei Schwierigkeiten: „Die Motivation, sein Training so gut es geht durchzuziehen, ist bei einem Spitzensportler natürlich immer da. Ich verfolge ja ein Ziel und weiß, warum ich das mache. Es fällt mir deshalb auch nicht schwer, diese Motivation hochzuhalten.”

Angelique Kerber hält auf und neben ihr Ziel fest im Blick.

Auf die Frage hin, was die deutsche Spitzenspielerin, abgesehen von Tennis, am meisten vermisse, antwortete sie: „Es sind Kleinigkeiten, die ich vermisse. Dinge, die vor kurzem noch selbstverständlich waren, jetzt aber nicht mehr möglich sind. Ich vermisse meinen normalen Alltag, würde gerne mal wieder mit Freunden einen Kaffee trinken gehen. Doch mein einziger Ausflug an die frische Luft in diesen Tagen ist der zum Einkaufen in den Supermarkt, mit Gesichtsmaske und Gummihandschuhen.”

Kerber: Diese Zeit lehrt Dankbarkeit

Dennoch zieht Kerber auch positive Erkenntnisse aus der Krise. Nicht nur, dass sie nun endlich Zeit hat, kulinarisch Kochen zu lernen und mit ihrer Familie allerlei Gerichte zu testen. Denn auch ihr Körper profitiert von der freien Zeit: „Ich genieße die Tage zu Hause. Ich versuche, einfach mal durchzuatmen, meinem Körper die Ruhe zu geben, die er braucht, abzuschalten und den Kopf freizubekommen.”

Außerdem ist sie der Meinung, dass uns die Zeit lehrt, dankbarer zu sein. „Wenn diese Pandemie irgendwann einmal vorbei ist, wird man sicherlich dankbar sein für viele Dinge, die man bisher gar nicht so geschätzt hat, und sei es nur, sich wieder frei bewegen zu können. Ich wünsche mir, dass ich mir auch danach trotz aller Hektik immer wieder Zeit für mich selber nehmen und mich auch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen kann.” Ebenso betont sie ihren Wunsch nach Zusammenhalt untereinander: „Ich wünsche mir auch, dass sich in dieser Krise die Erkenntnis durchsetzt, dass wir zusammen stärker sind als jeder für sich alleine und wir in Zukunft auch danach handeln.”

Wie schon in einem Video der Porsche-Markenbotschafter an ihre Fans, erinnerte Kerber erneut daran, sich an die Anweisungen der Behörden zu halten, positiv zu denken und die Zeit gemeinsam durchzustehen: „Wir müssen in dieser schwierigen Zeit so gut es geht zusammenhalten, über Grenzen hinweg, müssen nach vorne schauen und versuchen, diese Situation gemeinsam durchzustehen. Das ist im Moment wichtiger als alles andere, auch wichtiger als Tennis.”