Sport Themen der Woche KW03 Sport Bilder des Tages TENNIS AUSTRALIAN OPEN, Destanee Aiava of Australia celebrates after

Ende 2026 ist Schluss: Destanee Aiava, 25, aus Australien wird Ende des Jahres ihre Karriere beenden. Bild: IMAGO

„Fuck You“ ans Tennis: Krasse Karrierebilanz einer Ex-Top 150-Spielerin

Die Australierin Destanee Aiava gibt im Alter von 25 Jahren ihr Karriereende via Social Media bekannt und rechnet heftig mit dem Tennissport ab.

Die australische Tennisspielerin Destanee Aiava hat angekündigt, ihre Profikarriere am Ende der Saison 2026 zu beenden. Die 25-Jährige machte ihre Entscheidung mit einem ausführlichen und ungewöhnlich offenen Statement auf Instagram öffentlich, in dem sie mit den Belastungen, Machtstrukturen und Schattenseiten des modernen Profitennis hart ins Gericht geht.

Aiava, geboren in Melbourne und mit samoanischen Wurzeln, galt früh als eines der größten Talente des australischen Tennis. Bereits 2017, im Alter von 16 Jahren, schrieb sie Geschichte, als sie als erste Spielerin des Jahrgangs 2000 im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers – den Australian Open, ihrem „Home-Slam“ – stand. Sie erhielt damals eine Wildcard von Tennis Australia und verlor in Runde eins gegen die Deutsche Mona Barthel, die danach bis ins Achtelfinale vorstieß.

Destanee Aiava stand auf Platz 147

Aiava hatte zuvor beim WTA-Turnier in Brisbane drei Qualirunden überstanden und danach Bethanie Mattek-Sands im Hauptfeld bezwungen. 2017 erreichte sie mit Weltranglistenplatz 147 ihr bislang höchstes Ranking und etablierte sich auf der ITF-Tour, wo sie zehn Einzel- und 16 Doppeltitel gewann.

Sportlich verlief ihre Karriere nicht so linear wie erhofft. Verletzungen, Formschwankungen und der ständige Druck, sich über Qualifikationen und kleinere Turniere finanzieren zu müssen, prägten große Teile ihres Weges. Der richtige Durchbruch blieb ihr stets verwehrt, auch wenn sie mit einzelnen Ergebnissen immer wieder für Aufsehen sorgte. 2019 etwa schlug sie die heutige Nummer eins der Welt, Aryna Sabalenka, auf Gras in der ersten Runde von ’s-Hertogenbosch.

In den vergangenen Jahren kämpfte sich Aiava mehrfach zurück, schaffte Comebacks auf der Tour und sorgte insbesondere durch erfolgreiche Qualifikationen bei Grand Slam-Turnieren erneut für Aufmerksamkeit. Gleichzeitig sprach sie offen über mentale Belastungen und Depressionen – Themen, die im Tennis lange tabuisiert waren.

 

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In ihrem Abschiedspost beschreibt Aiava, aktuell die Nummer 320 im WTA-Ranking, den Tennissport nun als eine „toxische Beziehung“. Tennis habe ihr Reisen, Freundschaften und eine öffentliche Stimme ermöglicht, ihr aber zugleich „Gesundheit, Selbstwertgefühl, familiäre Nähe und innere Ruhe“ genommen. „Fuck you an einen Sport, der sich hinter sogenannten vornehmen und gentlemanartigen Werten versteckt“, textete die 25-Jährige weiter. „Hinter den weißen Outfits und den Traditionen findet sich eine Kultur, die rassistisch, frauenfeindlich, homophob und feindselig gegenüber allen ist, die nicht in das Schema passen.“ Auch an Hater in den sozialen Medien, und all jene, die „mir das Gefühl gaben, weniger wert zu sein“, sendete Aiava ein „Fuck you“.

Destanee Aiava: Hassnachrichten und Todesdrohungen

Der Online-Missbrauch – insbesondere durch Wettende – ist ein zentraler Punkt ihrer Kritik. Aiava berichtete von jahrelangen Hassnachrichten und Todesdrohungen nach Niederlagen. Dieses Problem ist im Damentennis gut dokumentiert: Studien der WTA und des internationalen Tennisverbands zeigen, dass ein erheblicher Teil digitaler Gewalt gegen Spielerinnen – nämlich knapp 40 Prozent – aus dem Umfeld der Sportwetten stammt. Über private Direktnachrichten steigt der Anteil sogar auf fast 80 Prozent. Top-Spielerinnen wie Elina Svitolina, Jessica Pegula, die inzwischen zurückgetretene Caroline Garcia oder auch die Deutsche Eva Lys haben in der Vergangenheit öffentlich auf massive Anfeindungen durch Wettende hingewiesen.

Sie habe trotzdem weitergespielt, teilweise, um ihre Unterstützer nicht zu enttäuschen, teilweise, weil sie Angst vor einem Neustart hatte, teilte die Australierin weiter mit. „Ich wusste auch nicht, wer ich abseits des Tennis war und was meine wahre Passion war.“

Ende des Jahres wagt Aiava nun den Neustart. Nach ihrer Tennis-Karriere werde sie „von null anfangen“. „Aber das ist besser als ein fehlausgerichtetes Leben oder von dauerhaften Vergleichen und Selbstverlust umgeben zu sein“, schrieb Aiava. In den Kommentaren unterhalb ihres Posts bekam sie Zuspruch, zum Beispiel von ihren australischen Profikolleginnen Maddison Inglis und Daria Saville. Die frühere US-Open-Gewinnerin Sloane Stephens reagierte auf ihren Post mit drei roten Herzen.