Internazionali BNL d’Italia 2025, Master 1000, Tennis

Erfolgsverwöhnte Tennisnation: Tennis boomt in Italien ohne Ende. Nun kommt ein neues ATP-Rasenturnier hinzu. Bild: IMAGO

Italien bekommt ab 2028 ein neues ATP-Rasenturnier

Erstes ATP-Rasenturnier in Italien: Ab 2028 soll dort auf ungewohntem Untergrund gespielt werden – ein Meilenstein für den italienischen Tennis-Boom.

Es ist das Tennis-Paradies auf Erden, zumindest im Moment: Italien kann sich vor Tennis-Erfolgsmeldungen kaum retten. Es gewann den Davis Cup bei den Herren sowie den Billie Jean King Cup bei den Damen jeweils in den letzen beiden Jahren, Jannik Sinner stürmte jüngst zurück an die Spitze der Weltrangliste und der Präsident des italienischen Tennisverbandes FIPT, Angelo Binaghi, ließ es sich am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Rom nicht nehmen, weitere erstaunliche Details zum italienischen Tennis-Boom zu verkünden.

Gute drei Wochen vor dem Start des Großturniers von Rom, der Internazionali d’Italia, sprach er über den Umbau des Foro Italico (Spielstätte des kombinierten Damen- und Herren-Events), steigende Zahlen bei italienischen Tennisspielern und -spielerinnen und über ein neues ATP-Turnier, das ab 2028 auf Rasen stattfinden soll. Dazu kaufte der FIPT für einen mehrstelligen Millionenbetrag die Turnierlizenz des Turniers von Brüssel auf, die zuletzt der Agentur tennium gehörte.

Die Gerüchte zu dem neuen ATP-Rasenturnier in Italien poppten schon vor gut einem Monat auf, nun ist es also offiziell. Das 250er-Turnier auf Gras wird demnach direkt im Anschluss zu Roland Garros stattfinden – parallel zu beiden Rasenturnieren in Stuttgart und s´Hertogenbosch. 2028 wird der ATP-Turnierkalender mächtig durcheinandergewirbelt, weil es dann ein zehntes Masters-1000er-Event in Saudi-Arabien im Februar geben wird. Gleichzeitig streicht die ATP kleinere Turniere.

ATP-Rasenturnier in Norditalien

Wo genau das neue italienische ATP-Rasenturnier ausgetragen werden soll, steht noch nicht fest. Man prüfe derzeit mehrere Optionen, heißt es beim FIPT. Klar ist: Gesucht wird ein geeigneter Standort in Norditalien, Mailand gilt als heißer Kandidat. Ziel sei es, den Reiseaufwand für die Profis, die beim Grand Slam-Turnier in Paris ausscheiden, möglichst gering zu halten. Neben den Davis Cup-Finals in Bologna, den ATP-Finals in Turin und den Internazionali d’Italia in Rom ist das neue ATP-Rasenturnier das vierte große Tennisevent in Italien, hinzukommen noch etliche Challenger- und ITF-Turniere.

Rasenturnier

Kopf des italienischen Tennis: Angelo Binaghi, FIPT-Präsident.Bild: IMAGO

„Wir sind sehr stolz darauf, ein Turnier mit dieser Bedeutung nach Italien geholt zu haben“, betonte Angelo Binaghi. „Dies ist ein konkreter Schritt in der Entwicklung unserer Sportart und Ausdruck unseres Bestrebens, den Fans immer prestigeträchtigere und vielfältigere Veranstaltungen zu bieten. Rasen stellt eine faszinierende und äußerst lehrreiche Herausforderung dar, die den technischen Werdegang unserer Spieler bereichert und das italienische Angebot auf internationaler Ebene noch umfassender und wettbewerbsfähiger macht.“

Mehr als sechs Millionen Aktive in Italien

Die Turnier-News passte perfekt zu den beeindruckenden Zahlen, die Binaghi präsentierte. Für die Internazionali d’Italia 2026 sind bereits 220.098 Tickets verkauft. Das entspricht einem Plus von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt. Nach 393.000 Zuschauern 2025 peilen die Organisatoren erstmals die Marke von über 400.000 Besuchern insgesamt für 2026 an. Auch im italienischen TV wächst Tennis deutlich: Der frei empfangbare Sender SuperTennis verzeichnete zuletzt ein Zuschauerplus von 69 Prozent und erreicht täglich rund eine Million Haushalte. Der Boom zeigt sich auch an der Basis: Die Zahl der Aktiven liegt bei 6,2 Millionen (Stand Januar 2026) und nähert sich damit dem Fußball (6,5 Millionen) bis auf weniger als fünf Prozent an.

Rasenturnier ATP

Neue Fassade mit Panoramafenstern: So soll der Centre Court in Rom nach dem Umbau aussehen.

Gute Nachrichten gab es zum Abschluss noch zum Umbau des Foro Italico. Das Schmuckstück des italienischen Tennis wird massiv ausgebaut. Allein der Centre Court soll in den kommenden Jahren eine moderne Multifunktionsarena werden – inklusive Dach, Panoramafenstern und 12.400 Sitzplätzen. Tennis in Rom soll künftig unabhängig von Wetterbedingungen stattfinden können und die Anlage will man ganzjährig nutzen. Der Zeitplan ist ambitioniert: Die Bauarbeiten sollen direkt nach dem Turnier 2026 beginnen und bis Herbst 2027 abgeschlossen sein.

Rom träumt vom Grand Slam-Status

Auch das gesamte Gelände wächst weiter. Das Foro Italico wird auf 20 Hektar erweitert, mit Platz für bis zu 60.000 Besucher täglich. Geplant sind insgesamt 21 Plätze (10 Match- und 11 Trainingscourts), eine neue große Arena (künftig BNP Paribas Arena) mit rund 12.000 Sitzplätzen sowie einer festen Installierung der bislang nur temporär errichteten SuperTennis Arena (ca. 3.000 Plätze) direkt gegenüber vom Center Court. Die Kosten für den Umbau sind bislang nicht offiziell geworden. Allein die Dachkonstruktion soll aber mehr als zehn Millionen Euro kosten – insgesamt dürfte das Projekt jedoch ein Investitionsvolumen weit im zweistelligen Millionenbereich erreichen.

Die Umstrukturierung des Foro Italico ist damit weit mehr als nur ein Facelifting: Sie ist ein zentraler Baustein in der Strategie, die Internazionali d’Italia langfristig in eine neue Dimension zu führen. Und die heißt: Grand Slam-Status. Das klingt womöglich überheblich, aber Verbandspräsident Binaghi betonte schon mehrfach, dass er daran glaubt, in Rom eines Tages ein fünftes Grand Slam-Turnier zu veranstalten. „Ich lebe für diesen Traum“, sagte er zum Abschluss der Pressekonferenz. Im italienischen Tennis-Paradies scheint derzeit alles möglich zu sein.