Iva Jovic

Schafft sie die Titelverteidigung? Iva Jovic ist einer der Stars beim 500er-Turnier in GuadelajaraBild: Imago

Iva Jovic: „Ich möchte die Nummer eins der Welt werden“

Iva Jovic kehrt als Titelverteidigerin nach Guadalajara (läuft in dieser Woche) zurück. Spätestens in New York sorgte das amerikanische Nachwuchstalent für Aufmerksamkeit: Bei den US Open in New York erreichte die 18-Jährige erstmals als gesetzte Spielerin das Achtelfinale.

Iva Jovic gehört in Guadalajara, Mexiko, zu den Top-Spielerinnen des Starterfeldes. Im vergangenen Jahr konnte Jovic das WTA 500er-Turnier und somit ihren ersten WTA-Titel gewinnen.

Beginn einer großen Karriere? Iva Jovic, Siegerin von Guadelajara 2025.Bild: Imago

Insgesamt spielte Jovic eine erfolgreiche Saison. Zuletzt spielte sie sich in New York bei den US Open bis ins Achtelfinale, welches sie sie mit 1:6 und 4:6 gegen Coco Gauff verlor. Zuvor hatte sie die Durchstarterin und ihre gute Freundin Alexandra Eala in einem spektakulären Duell besiegt (7:5, 3:6 und 7:5). „Das Niveau war auf beiden Seiten absolut unglaublich, wir haben definitiv eine Show geliefert und es hat buchstäblich alles gekostet, um zu gewinnen“, sagte sie in New York.

Im Podcast „Welcome to the Party“ sprach Iva Jovic mit Abby Wambach, Julie Foudy und Billie Jean King im Vorfeld der US Open über ihre Ziele, ihre Mindset, Vorbild Novak Djokovic und Freundschaften auf der WTA-Tour.

Jovic: „Das ist meine größte Stärke“

Aktuell steht die US Amerikanische Tennishoffnung auf Rang 16 der Weltrangliste. Ihre beste Platzierung erreichte sie im August: Rang 14. Im Podcast erzählte Jovic, dass sie diese Erfolge in jungen Jahren vor allem ihrem Fokus zu verdanken habe. „Ich habe die Fähigkeit, mich extrem zu fokussieren. Wenn ich etwas mache, gebe ich 150 Prozent. Das hat mir im Tennis sehr geholfen“, sagte die 18-Jährige. Für Jovic gehe es vor allem um Konstanz und darum, „jeden einzelnen Tag das Beste zu geben“. „Das ist meine größte Stärke“, erklärte sie.

Die größte Unterstützung erhalte Jovic von ihrer Familie. Die Teenagerin selbst ist in den USA geboren, in Torrance, Kalifornien. Ihre Eltern wanderten in die USA ein. „Mir ist sehr bewusst, woher sie kommen und was sie alles aufgegeben haben, um überhaupt hier sein zu können“, erzählte Jovic über ihre Eltern. Ihre Mutter sei aus Kroatien in die Vereinigten Staaten eingewandert, ihr Vater aus Serbien.

„Mir ist klar, wie viel harte Arbeit sie investiert haben und wenn ich spiele und etwas erreiche, dann tue ich das in dem Wissen, was alles dafür gegeben wurde, damit ich hier sein kann. Ich habe das Gefühl, dass auch sie diese Chance verdient hätten, sie aber nicht bekommen haben. Ich versuche irgendwie, für uns alle zu spielen“, erzählte Jovic weiter. Sie fügte hinzu: „Meine Eltern geben mir sehr viel Kraft.“

Krachende Vorhand: die 18-jährige Iva Jovic spielt mit das schnellste Tennis auf der WTA-Tour.Bild: Imago

Thema im „Welcome to the Party“-Podcast war zudem der Beginn von Jovics Tenniskarriere. Die Nummer 16 der Welt erzählte, dass sie in jungen Jahren nicht nur Tennis, sondern auch seit ihrem siebten Lebensjahr leidenschaftlich Fußball spielte: „Es ist unglaublich gut für die Beinarbeit und ich sage bis heute, dass es der größte Spaß war, den ich je hatte.“

Mit 14 habe sie zu Corona-Zeiten ihren Fokus dann jedoch auf Tennis gelegt. Sie erzählte: „Covid hat für mich alles verändert und dann habe ich angefangen, mehr Tennis zu spielen. Sobald ich auf nationaler Ebene an Wettkämpfen teilnahm und reisen musste, bin ich einfach nicht mehr zum Fußball zurückgekehrt.“ Jovic habe in jungen Jahren viele Sportarten betreiben. „Ich bin auch geschwommen, sieben bis acht Jahre lang (…) und habe auch ein bisschen geturnt.“

Jovic: „Ich möchte die Nummer eins werden“

Ihr Fokus jetzt: Tennis. In New York ging sie in diesem Jahr erstmals als gesetzte Spielerin an den Start – auf Position 16.
Zu sehr fokussiere sie sich jedoch nicht auf das Ranking und die Resultate. Ihr Mindset: „Ich versuche mich nicht zu sehr auf die Setzliste oder die Ergebnisse zu konzentrieren. Bei jedem Turnier, an dem ich teilnehme, möchte ich gewinnen und mein Bestes geben und ich glaube, wenn ich mich jeden Tag um die wichtigen Dinge kümmere, werde ich letztendlich den besten Platz erreichen.“

Ein Spruch habe sie dabei besonders inspiriert: „Ich glaube, Rafa (Rafael Nadal) hat das gesagt, ich liebe dieses Zitat: „Es geht nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Es geht darum, ein Kämpfer zu sein.“ Für die US Amerikanerin bedeute das: „An manchen Tagen werde ich gewinnen, an anderen werde ich verlieren – so ist Tennis. Aber jeden Tag kämpfe ich, um mein Bestes zu geben. Das ist es, was ich mir erhoffe.“

Auf die Frage von Billie Jean King, welches Ranking Jovic anstrebe, gab die Teenagerin eine klare Antwort. Sie hat große Ziele: „Ich möchte die Nummer eins der Welt sein. Auf jeden Fall. Zu 100 Prozent.“

Will die Nummer eins werden: Iva Jovic.Bild: Imago

Ihr Plan, um die Spitze der Weltrangliste zu erklimmen: Nicht aufgeben! „Es geht auch darum, wenn man etwas nicht richtig macht oder scheitert, dann steht man wieder auf, versucht es erneut und sagt sich: Morgen werde ich besser sein. Heute ist es nicht gut gelaufen, aber morgen werde ich besser sein. Man treibt sich einfach immer dazu an, besser zu werden“, erklärte Jovic. Ihre Schlussfolgerung: „Wenn man hart arbeitet, wenn man alle Punkte abhakt und weiß, dass man 100 Prozent gibt – wenn man das jeden einzelnen Tag tut, wird man erfolgreich sein. Viel leichter gesagt als getan.“

„Wie ein Chihuahua umgeben von Schäferhunden“

Bisher scheint ihre Strategie aufzugehen. In New York erzielte sie mit dem Erreichen des Achtelfinals ihr bisher bestes Ergebnis bei den US Open. 2024 stand sie erstmals im Hauptfeld des amerikanischen Grand Slams. In den letzten beiden Jahren schaffte sie es jeweils bis in die zweite Runde.

Trotz jungem Alter hat Jovic schon einige Erfahrungen auf der Tour sammeln können. Ihre anfänglichen Erfahrungen beschrieb die Teenagerin wie folgt: „Alle sind älter, als man selbst, alle haben einen höheren Rang als man selbst – man fühlt sich wie ein winziger Chihuahua, umgeben von großen Deutschen Schäferhunden (…), aber das ist auch ein cooles Erlebnis.“ Und weiter: „Jetzt ist es ein bisschen angenehmer. Man ist selbstbewusster und hat das Gefühl, dorthin zu gehören, weil man von Menschen umgeben ist, die man kennt.“

Novak Djokovic als Vorbild

„Ich habe ein gutes Verhältnis zu Novak“, erzählte Jovic im Podcast. Novak Djokovic veröffentlichte im August seine Dokumentation „Der Wolf im Winter“. Die 18-Jährige zeigte sich von dieser begeistert: „Ich habe mir seine Dokumentation angesehen. Das ist unglaublich“ Über Djokovic sagte Jovic: „Er ist ein besonderer Typ und das sage ich völlig unabhängig von all den Erfolgen auf dem Tennisplatz, die wir alle kennen. Er ist jemand, der in meinen Augen bei allem, was er tut, als ganzer Mensch im Gleichgewicht ist und ich glaube, das ist ein wesentlicher Grund dafür, warum er auf dem Tennisplatz so konstant Leistung bringen und so beständig sein kann.“

Billie Jean King stimmte zu: „Ich finde, er ist ein großartiger Mensch. Er drückt sich so eloquent aus, spricht so viele verschiedene Sprachen und macht sich Gedanken über die Welt.“

Großes Vorbild: Novak Djokovic inspiriert Jovic. Seine Doku „Der Wolf im Winter“ war Motivation pur für sie.Bild: Imago

In seiner Dokumentation gab Djokovic Einblicke in sein Mindset. So offen wie nie verriet er die psychologische Struktur eines 24-fachen Grand-Slam-Champions.

Jovic: „Daraus schöpfe ich mein Selbstvertrauen“

Auch Jovic ist offen, was ihr Mindset im Tennis betrifft. „Manche Menschen haben einfach wirklich diese Überzeugung, dass sie buchstäblich alles schaffen können (…). Ich bin eher ein rationaler Mensch, nicht in dem Sinne, dass ich vernünftig bin, sondern dass ich viel analysiere. Ich bin ein großer Analytiker und möchte für alles einen Grund haben“, sagt sie.

So ziehe sie ihr Selbstvertrauen daraus, auf das zurückzublicken, was sie bereits geschafft habe. Sie wisse dann beispielsweise, dass sie in einer Hinsicht ihrer Gegnerin überlegen sei oder sie wisse, was sie alles zur Vorbereitung getan habe, um sich die Chance zu geben, das Match gewinnen zu können. „Und genau daraus schöpfe ich mein Selbstvertrauen“, sagte Jovic.

Freundschaften auf der WTA-Tour

Erst kürzlich in New York kam das Thema „Freundschaften auf der WTA-Tour“ auf, nachdem sich Iva Jovic und Alexandra Eala am Rande des Courts als gute Freundin  und auf dem Platz als hartnäckige Konkurrentinnen zeigten. Nach Jovics Sieg, kam Eala auf die andere Seite des Netzes und gratulierte fair.

„Ich habe ein paar enge Freundinnen. Da würde ich Alex nennen. Zeynep Sönmez ist ebenfalls eine meiner besten Freundinnen. Dann Victoria Mboko und Tereza Valentova, eine junge tschechische Spielerin. Viele dieser Spielerinnen kenne ich schon aus der Juniorenzeit“, berichtete die 18-Jährige.

Zwischen Freundschaft und Konkurrenz: Iva Jovic umarmt Alexandra Eala.Bild: Imago

Es sei jedoch nicht einfach, eine Balance zwischen Freundschaft und Konkurrenz zu finden. Jovic fasste zusammen: „Ich glaube, im Damentennis herrscht heute eine offenere und freundlichere Atmosphäre als noch vor zehn Jahren, wie ich gehört habe. Ich denke, die Spielerinnen sind heute offener dafür, Freundschaften zu schließen.“ Sie setzte fort: „Es ist eine Frage der Balance und nicht jeder kann oder will das und das ist in Ordnung. Letztendlich stehen wir im Wettbewerb, daher ist es schwierig, beides unter einen Hut zu bringen.“

Für sie selbst seien die Freundschaften jedoch hilfreich. „Man ist jede Woche in einer anderen Stadt, es wäre ziemlich einsam, wenn man nicht zumindest irgendeine Art von Beziehung oder Freundschaft zu den Spielerinnen auf der Tour hätte.“ Denn: „Wir sitzen alle im selben Boot“, stellte Jovic fest.

Am Mittwoch Abend (deutscher Zeit) steht die US Amerikanerin genau vor dieser Herausforderung zwischen Freundschaft und Konkurrenz. In Runde eins in Guadalajara, Mexiko, spielt Jovic gegen die Türkin Zeynep Sönmez (aktuell Rang 58) und startet ihre Titelverteidigung.

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.