Noah Rubin

Ligensystem im Tennis? Noah Rubin fordert Revolution im Tennis

Nach einer herausragenden Junioren-Karriere kämpft Noah Rubin (23) mit vielen Aufs und Abs um den Anschluss im Profitennis. In einem Interview mit SPOX spricht er nicht nur offen über viele Schattenseiten der Tour. Er stellt auch sein Modell für eine Revolution im Tennissport vor.

Im exklusiven Interview mit SPOX fordert Rubin drastische Veränderungen. Die Saison sei mit elf Monaten viel zu lang. „Das ist brutal für uns Spieler, dein Körper fühlt sich echt wie Müll an danach, und es ist auch brutal für die Fans, die jede Woche ein Turnier verfolgen sollen.“ Die Länge der Matches sei ebenfalls für die großen TV-Anstalten, die nicht wüssten, ob ein Match zwei oder fünf Stunden dauert, problematisch. Rubin ist sich zudem sicher: „Die Länge der Matches führt dazu, dass viel abgeschenkt wird. Aber nicht, weil die Spieler keinen Bock haben. Wir sind einfach müde. Deshalb schenken wir den vierten Satz auch mal her, wenn wir ein Break kassiert haben, um irgendwie für den fünften Satz bereit zu sein.“

Eine Folge daraus seien übermäßig viele Absagen. Zuletzt zogen acht Spieler vorzeitig in Wimbledon zurück. „So bringen wir Tennis nicht auf das nächste Level, so töten wir den Tennissport.“ Tennis sei ein antiquierter Sport geworden. „Wir müssen die Kids wieder begeistern, Festivals organisieren, interaktiver werden. Das schaffen wir so aber nicht“, ist sich Noah sicher.

Rubin: Zu wenig Zuschauer, zu lange Matches

Er habe Matches bei Grand Slams gespielt, da hätten 40 Leute zugeschaut. „Es gibt Bilder von Damen-Matches bei Grand Slams, da zähle ich zehn Zuschauer. Ich habe mal in Genf gegen Marcos Baghdatis gespielt, auch da waren vielleicht 40 Zuschauer da“, sagt Noah. Es sei ja gut, wenn die Grand Slams mehr Geld verdienen als je zuvor, aber das seien nur vier Turniere im Jahr. „An vielen Orten kommt niemand mehr zum Zuschauen, an vielen Orten stirbt Tennis aus. Ich hoffe, wir können den Sport zum Wohle der Fans und der Spieler verändern. Die Nummer 150 der Welt muss davon leben können, es ist absolut notwendig“, fordert der Amerikaner der als Junior Wimbledon gewann.

Rubin hat daher ein Modell erarbeitet. Es soll in erster Linie gewährleisten, dass mehr Spieler vom Tennis ohne Schwierigkeiten leben können und sich mehr Fans wieder für Tennis begeistern können und sich mit einer größeren Anzahl von Spielern identifizieren können. Es beinhaltet eine Saison, die neun Monate dauern würde und in einem vierteiligen Ligensystem mit Team-Atmosphäre ausgetragen werden würde. Aufgeteilt in die Kontinente Nordamerika, Südamerika, Europa und Asien/Australien.

Rubin: Ligensystem mit Teamatmosphäre soll für Weltrangliste zählen

Konkret stellt sich der US-Amerikaner das so vor: „Vier Ligen, in denen es dann verschiedene Divisionen gibt. Ich will eine Team-Atmosphäre schaffen auf der Tour. In diesen Team-Wettbewerben kannst du aber natürlich Punkte für die Weltrangliste sammeln und dich für die Grand Slams und die Masters-Turniere qualifizieren. Ich würde alle Grand Slams und sieben oder acht der Masters-Events behalten und drumherum diesen neuen Team-Wettbewerb erfinden.“

Rubin ist sich bewusst, dass seine Idee im traditionellen Tennis vielleicht nicht umsetzbar ist. Überzeugt ist die Nummer 195 von der Idee dennoch: „Es gibt sicher viele tolle kleinere Turniere auf der Tour, aber ganz ehrlich: Die meisten Leute haben keine Ahnung, wer diese Turniere gewonnen hat. Viele Leute wissen nicht mal, wer ein Masters-Turnier gewonnen hat. Das ist die Realität. Bei meinem Modell hätten wir elf große Turniere und für den Rest des Jahres steht eine Team-Championship im Vordergrund. Du hast als Spieler dein festes Gehalt und reist mit dem Team. Es mag verrückt klingen, aber so könnten wir sicherstellen, dass die Nummer 300 Geld verdienen kann und dass die Fans hoffentlich wieder mehr Lust auf Tennis entwickeln.“

Rubin: Best-of-five bei Grand Slams erst ab Viertelfinale

Der Amerikaner hat auch konkrete Beispiele parat: „Stellen Sie sich doch mal vor, ich spiele bei einem Grand Slam gegen Federer. Normalerweise kennt mich kein Mensch. Aber wenn ich vorher mit Roger zusammen im Team der Swiss Lasers gespielt habe, kennen sie mich plötzlich und haben dann auch beim Grand Slam eine ganz andere Connection zu mir.“

Die Grand Slams würde der Profi zunächst so beibehalten, aber den Modus bei den Herren verändern: „Best-of-five ist nicht die Zukunft. Zumindest nicht in dem Maße, wie es aktuell läuft. So wird Tennis nicht wachsen. Vielleicht könnten wir darüber nachdenken, ab dem Viertelfinale Best-of-five zu spielen, das könnte ich mir vorstellen.“

 

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Von einer Umsetzung oder zumindest einer Diskussion des Vorschlags ist Tennis noch weit entfernt. Rubin sagt: „Wir brauchen mehr Spieler, die die Probleme direkt ansprechen. Ich habe leider die Handynummer von Roger nicht. (lacht) Aber Venus Williams hat sich zum Beispiel geäußert und unterstützt uns, das ist sehr hilfreich. Ich werde meine verschiedenen Plattformen weiter nutzen und für meine Überzeugungen kämpfen.“

Rubin kämpft für einen offeneren Umgang mit Schwächen

Rubin war in letzter Zeit schon öfter in den Schlagzeilen. Seine Behind-the-Racquet-Serie, in der er Spielern die Möglichkeit zum Seelenstriptease gibt, kam gut an. Selbst die New York Times berichtete darüber. Rubin ist sicher, dass viel zu wenig über Schwäche geredet wird. Die Profitour sei hart, habe viele Schattenseiten. „Die Tour ist kein Ort der Glückseligkeit. Die Tour macht dich nicht glücklich.“

Mit der Serie hat er Spielern eine Plattform gegeben, um offen wie nie über ihre seelische Gesundheit zu sprechen. „Diese Erfahrungen haben mich unglaublich motiviert, weiterzumachen und eine Art Botschafter dafür zu werden, dass wir uns öffnen und über unsere psychischen Probleme sprechen. Viele Spieler saßen mir gegenüber und haben geweint. Sie haben mich danach in den Arm genommen und einfach nur danke gesagt, dass sie ihre Geschichte erzählen durften. Diese Momente werde ich nie vergessen. Deshalb werde ich dranbleiben, wir müssen diese Stille durchbrechen. Wir müssen füreinander da sein.“

Das gesamte Interview mit SPOX lesen Sie HIER.