Mutua Madrid Open – Day Two

Wettmanipulationen: Nicolas Kicker droht lebenslange Sperre

Paris – Dem argentinischen Profi Nicolas Kicker, Nummer 84 der ATP-Weltrangliste, droht wegen Spielmanipulationen eine lebenslange Sperre. Die von den Tennisverbänden gegründete Anti-Betrugs-Einheit (TIU) erklärte den 25-Jährigen am Donnerstag für schuldig, zwei Matches auf der zweitklassigen Challenger Tour verschoben zu haben.

Kicker ist der renommierteste Profi, der den TIU-Ermittlern bislang ins Netz ging. Zuletzt hieß es, dass von Wettmanipulationen im Tennissport vor allem unterklassige Turniere und Profis betroffen sind. Dies trifft letztlich auch auf Kicker zu, weil die verschobenen Partien schon drei Jahre zurückliegen und er zu diesem Zeitpunkt noch als Top 200-Profi auf der Challenger-Tour unterwegs war. Mittlerweile aber ist Kicker auch auf der großen Bühne angekommen. Das macht seinen Fall besonders prekär.

Nicolas Kicker wollte nicht kooperieren

Betroffen sind ein Spiel im italienischen Padua im Juni 2015 sowie eines drei Monate später im kolumbianischen Barranquilla. Kicker wurde zudem für schuldig befunden, einen Korruptionsversuch nicht gemeldet und bezüglich der Anschuldigungen gegen ihn nicht mit der TIU kooperiert zu haben. Das genaue Strafmaß muss noch verhandelt werden. Seine Anhörung fand am 20. März in Miami statt, aber er durfte in der Zwischenzeit weiterspielen; er nahm an sechs ATP-Turnieren teil und vertrat seine Heimat Argentinien im Davis Cup gegen Chile.

Das erste verschobene Match, das Kicker mit 1:6, 2:6 gegen den Koreaner Lee Duck-hee verlor, zog wenig oder gar keine öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die zweite Partie allerdings wurde wegen unregelmäßiger Wettmuster sofort verdächtig. Kicker, damals die Nummer 171 der Welt, verlor 6:2, 2:6, 5:7 gegen Giovanni Lapentti. Als Kicker die Kontrolle über das Spiel erlangte und den ersten Satz gewann, verschoben sich die Wettquoten stark gegen ihn, was darauf hindeutet, dass eine Person oder mehrere Personen, die auf das Spiel setzen, übermäßig zuversichtlich waren, dass er trotz seiner Führung verlieren würde.

Nicolas Kicker mit ungewöhnlichen Quotenbewegungen

Der Wettanalyst Ian Dorward untersuchte das verdächtige Match und analysierte die ungewöhnlichen Quotenbewegungen. Sein Fazit: „Es gibt praktisch keine Möglichkeit, die Bewegung der Wettquoten zu erklären, außer dass jemand das Ergebnis des Spiels kannte, bevor es passierte.“

Wenig später gab Kicker der argentinischen Tageszeitung La Nacion ein Interview. „Als ich das Match beendet hatte, schaltete ich mein Handy ein und erhielt viele üble Twitter-Nachrichten. Auch Freunde fragten mich, was passiert war“, sagte er. „Ich nahm es mit Humor. Gehässigkeiten werden uns Tennisprofis immer im Internet zugeschickt. Es ist schwierig, dann nicht sofort durchzudrehen. Aber ich versuche immer ruhig zu bleiben.“

Kicker kritisierte in dem Gespräch die angebliche Heuchelei der Sportverbände. „Die ATP kämpft gegen das Wetten, aber es gibt Turniere, die von Wettbüros gesponsert werden“, sagte er. „Aber damit müssen wir leben.“

Nicolas Kicker: „Ich muss weiter gewinnen“

In der Weltrangliste liegt Kicker derzeit auf dem 84. Rang, seine beste Platzierung hatte er im Juni 2017 mit Position 78 erreicht. Bei den Australian Open 2017 kam er in die dritte Runde – sein bislang bestes Resultat bei einem Grand Slam-Turnier.

La Nacion vertraute er im Anschluss an, mit dem Preisgeld einen Kredit bei seinen Eltern zu bezahlen. „Obwohl es meinen Eltern finanziell gut geht, will ich mich nicht mehr auf meine Eltern verlassen. Ich muss weiter gewinnen, ich muss mich nicht damit zufrieden geben“, sagte Kicker, der bereits im Alter von 19 Jahren selbst Vater eines Sohnes wurde.

Als am Donnerstagabend die vorläufige Sanktion der TIU bekannt wurde, befand sich Kicker auf der Anlage von Roland Garros. Er wollte trainieren und sich auf die French Open vorbereiten. Die TIU ließ Kicker vor der Auslosung in Paris von der Teilnehmerliste entfernen. Der Argentinier darf zunächst keine Turniere mehr bestreiten, bis das endgültige Strafmaß verkündet wird.

(SID, red)