2020 Kooyong Classic – Day 1

Maria Sharapova im verrauchten Melbourne: „Ich dachte, ich werde krank“

Bei der Qualifikation der Australian Open und beim Einladungsturnier in Kooyong beeinflusste der Rauch der australischen Buschbrände das Geschehen. Viele Spieler hatten gesundheitliche Probleme. Die Veranstalter beteuern, nur nach medizinischen Vorgaben gehandelt zu haben.

Die verheerenden Buschbrände in Australien haben am Dienstag durch ihre starke Rauchentwicklung die Tennisaktivitäten in Melbourne zum Teil lahm gelegt. Beim Einladungsturnier in Kooyong wurde das Showmatch zwischen Laura Siegemund und Maria Sharapova vorsichtshalber abgebrochen. „Beide Spielerinnen haben den Rauch gespürt, deswegen beenden wir das Match an diesem Punkt“, sagte der Schiedsrichter beim Stand von 7:6, 5:5 aus Siegemunds Sicht.

„Ich habe gemerkt, dass ein bisschen Husten hochkam am Ende des zweiten Satzes. Ich dachte, ich werde krank“, sagte Sharapova nach dem Match. „Es ist ein bisschen unglücklich“, meinte Siegemund: „Gerade im zweiten Satz war die Luft nicht mehr so gut. Das haben wir beide gespürt.“

Dalila Jakupovic: „Es war beängstigend“

Schlimmer erwischte es die Profis auf der Anlage im Melbourne Park, die derzeit in der Qualifikation der Australian Open um die letzten Startplätze für das Hauptfeld kämpfen. Auch wenn die Veranstalter aufgrund von Warnungen der australischen Behörden vor schlechter Luft den Start der Quali-Matches um anderthalb Stunden nach hinten verschoben, musste die Slowenin Dalila Jakupovic nach heftigen Hustenattacken aufgeben.

„Mein Husten war wirklich schlimm. So etwas hatte ich noch nie, es war beängstigend. Ich hatte Angst, bewusstlos zu werden“, beschrieb die 28-Jährige nach dem Match ihre unangenehme Lage. „Das ist nicht fair. Das ist nicht gesund für uns. Ich dachte, wir spielen heute nicht, aber wir haben eben keine Wahl“, ergänzte sie noch.

Eine Behandlungspause benötige auch Genie Bouchard, der aufgrund der dichten Rauchschwaden schwindelig wurde. „Ich hatte das Gefühl, dass sich die Bedingungen während des Matches verschlechtert haben”, sagte Bouchard. Aber sie überstand das Match gegen die Chinesin Xiaodi You nach zwei Stunden und 54 Minuten Spielzeit. Die Kanadierin holte dabei einen 4:6, 0:2-Rückstand auf und gewann am Ende 4:6, 7:6, 6:1.

Mit den äußeren Bedingungen zu kämpfen hatte auch der Australier Bernard Tomic, der bereits in der ersten Quali-Runde verlor und ebenfalls eine Behandlungspause einlegen musste. Tomic klagte über Atembeschwerden und plötzliche Müdigkeit. Das Match zwischen Balz Kavcic und Jay Clarke musste unterbrochen werden, weil ein Balljunge kollabiert war.

Liam Broady aus Großbritannien ging gegen den Weißrussen Ilya Ivashka 3:6, 0:6 unter und sagte anschließend: „Ich würde sagen, dass ich Moment eigentlich topfit bin, aber nach vier Games war ich komplett hinüber. Ich musste nach Luft schnappen und habe mich definitiv nicht gut gefühlt. Es war schlimm da draußen auf dem Platz.“

„Die Luftqualität war absolut grenzwertig“, sagte auch Yannick Hanfmann auf Anfrage von tennismagazin.de. Hanfmanns Match war am Ende des ersten Quali-Tags angesetzt, was ihm letztlich zu Gute kam. Allerdings hatte er sich auf größere Verzögerungen eingestellt, zu denen es dann aber doch nicht kam. Am Ende seiner Partie gegen den Spanier Carlos Taberner, die er 7:6, 6:1 gewann, bekam auch er leichte körperliche Probleme: „Ich habe dann kompromissloser gespielt, um das Match schnell zu Ende zu bringen.“

Luft in Melbourne weltweit die schlechteste

In der Tat war die Luftqualität über Melbourne zwischenzeitlich die schlechteste weltweit. Das sagte der zuständige Gesundheitsbehörden-Chef Brett Sutton internationalen Reportern. Die Datenbank „IQ Air“ kam zu dem Ergebnis, dass die Luft über Melbourne „sehr ungesund“ gewesen sei.

Warum trotzdem gespielt wurde, konnten einige Profis nicht nachvollziehen. Die Weltranglisten-Fünfte Elina Svitolina fragte via Twitter: „Warum müssen wir darauf warten, dass etwas Schlimmes passiert, um etwas zu unternehmen?“ Die Belgierin Kirsten Flipkens schrieb: „Tennis ist ein Spiel!! Gesundheit geht immer vor!! Warum um alles in der Welt würdet ihr Spieler/Schiedsrichter/Ballkinder/ .. unter diesen Bedingungen leiden lassen?“ Mandy Minella aus Luxemburg, Nummer 140 der Welt, textete: „Ich bin schockiert, dass die Qualifikation bei den Australian Open begonnen hat. Was ist mit der Gesundheit der Leute, die da draußen arbeiten müssen?“

Turnierchef Craig Tiley berief sich vor Reportern auf den Rat der Fachleute: „Diese Situation ist neu für uns alle. Wir befolgen die Ratschläge von medizinischen Experten und Umweltwissenschaftlern. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Spieler, der Fans und des Personals sind für unsere Entscheidungen ausschlaggebend.“ Deswegen hätte man auch das Training am Dienstagmorgen unterbrochen und die Quali-Matches später starten lassen.

Nicht nur Tiley sondern ganz Australien hofft nun auf den großen Regen, den Meteorologen und Wetterdienste für die kommenden Tage in Aussicht gestellt haben. In einigen Brandgebieten sind große Regenmengen zu erwarten, hieß es in den Prognosen. Allerdings könnten diese wiederum Sturzfluten und Erdrutsche auslösen. Der über Monate ausgetrocknete Boden kann die prognostizieren sintflutartigen Niederschläge gar nicht so schnell aufnehmen.

Da sich auch noch niedrige Temperaturen und andere Windrichtigen einstellen sollen, könnte sich die Lage für die Australian Open bis zum Beginn des Hauptfeldes am kommenden Montag verbessern. Klar ist aber auch: Australien wird noch weiter brennen! Die Buschfeuer-Saison geht in der Regel bis Ende Februar.


  1. rudi

    AO 2020 Lufqualität. Nun ist die Realität auch im Profi-Tennissport angekommen. Klimawandel auf dem Tennisplatz. Im Sommer 2019 wurde in Deutschland bei vielen Tennisclubs auf dem Aschenplatz wegen dem Wassermangel nur noch eingeschränkt gespielt und auch bei Hartplätzen geht nun der Sauerstoff auf den Topanlagen in Melbourne aus. Was Hitzerekorde in den letzten Jahren in Australien auslöste, waren geschlossene Hallendächer und Klimaanlage die alles ermöglichten. Es wird Zeit nach nachhaltigen Lösungen zu suchen. Auch der Wintersport wird in ein paar Jahren so nicht mehr bestehen.


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