Paula Badosa in Berlin

Starker Auftritt: Badosa steht erstmals 2026 in einem Viertelfinale.Bild: Imago

Paula Badosa feiert sportliches und persönliches Comeback in Berlin

Paula Badosa nutzt ihre Wildcard und zieht in Berlin ins Viertelfinale ein. Die Spanierin gewinnt in Runde zwei gegen Coco Gauff mit 1:6, 6:3, 6:2. Ihre emotionalen Worte nach dem Match machen deutlich: Es handelt sich nicht nur um ein sportliches Comeback, sondern auch um einen persönlichen Erfolg für die ehemalige Nummer zwei der Welt.

Paula Badosa gelingt bei dem 500er-Turnier in Berlin der Schritt unter die letzten Acht. Die Spanierin steht im WTA-Ranking aktuell auf Rang 142. Für Berlin erhielt sie eine Wildcard. Diese nutze sie, indem sie sowohl in Runde eins (6:3, 6:2 gegen Suzan Lamens), als auch in Runde zwei gegen Coco Gauff eine solide Leistung auf dem Platz zeigte. Gauff startete stark ins Match. Den ersten Satz musste die Spanieren an die Amerikanerin mit 1:6 abgeben. Doch das Blatt wendete sich in Satz zwei und drei. Badosa besiegt die aktuell auf Rang sieben gelistete Gauff in drei Sätzen mit 1:6, 6:3 und 6:2.

Paula Badosa: „Aufgeben war nie eine Option“

Auf Instagram teilte die 28-jährige nach ihrem Sieg einige Fotos des Matches mit der Bildunterschrift: „Aufgeben war nie eine Option.“
Bereits nach ihrem Sieg im Steffi-Graf-Stadion in Berlin wird klar: Für die 1,80 Meter große Spanierin, die in ihrer Karriere durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurde, handelt es sich nicht nur um ein solides sportliches Ergebnis, sondern vielmehr um einen persönlichen Erfolg.

Im Interview nach dem Match gegen Gauff sagte Badosa auf dem Berliner Center Court: „Ich bin gerade sehr emotional. Es war eine harte Zeit. Vor einem Jahr habe ich mich hier verletzt und seitdem konnte ich nicht regelmäßig spielen.“ Sie habe sowohl in ihrer Tennis-Karriere, als auch privat viel durchgemacht. Die 28-Jährige erklärte ihre Freude nach dem gewonnenen Match folgendermaßen: „Jetzt wieder auf diesem Niveau zu spielen, bedeutet mir sehr viel. Ich weiß, es sind nur ein paar Matches, aber für mich zählt vor allem das Niveau, auf dem ich heute gegen Coco gespielt habe, denn sie ist unglaublich gut gestartet, aber ich habe nie den Glauben verloren. Ich glaube, heute habe ich mich endlich auf dem Platz wiedergefunden.“

Überraschung: Badosa schlug die favorisierte Coco Gauff in drei Sätzen.Bild: Imago

Paula Badosa: „Schwer, mein aktuelles Ranking zu sehen“

Im Tennis Insider Club-Podcast von Caroline Garcia (ehemalige französische Profispielerin) und ihrem Mann Borja Duran spricht Badosa im April über genau diese Herausforderungen und darüber, wie sich ihre Karriere aufgrund der wiederkehrenden Verletzungen entwickelt hatte.

Badosa, die in den vergangenen Jahren immer wieder mit Rücken- und Hüftproblemen zu kämpfen hatte, sagte im Podcast: „Mental gesehen ist es schwer, sich auf einem Ranking zu sehen, auf dem man nicht sein möchte oder auf einem Niveau, an das man nicht gewöhnt ist, weil man weiß, was man eigentlich kann.“ Aktuell befindet sich die Spanierin außerhalb der Top 100. Ihr bestes Ranking hatte sie im April 2022 erreicht (Nummer zwei der Welt).

Auch die verletzungsbedingte körperliche Umstellung sei nicht einfach. „Ich spiele gerne und baue den Punkt gerne ein bisschen auf und jetzt gehe ich ein bisschen schneller vor, um mich besser erholen zu können, sodass mein Körper in Ordnung bleibt“, erklärte die Spanierin. Es sei nicht einfach. In ein Match seien für sie viele Emotionen involviert. „Manchmal verliere ich meine Identität im Tennis ein wenig“, erzählte Badosa den beiden Podcast-Hosts und fügte hinzu: „Es ist schwer, die richtige Balance zu finden. Es gibt Momente, in denen ich das Gefühl habe, wieder so spielen zu können wie früher und mein Spiel etwas besser unter Kontrolle zu haben, aber dann bin ich aus dem Match raus und habe überall Schmerzen und denke: Vielleicht sollte ich die Punkte verkürzen – ich versuche die beste Lösung für mich zu finden.“

In Berlin scheint Badosa diese Balance in den ersten zwei Matches gefunden zu haben. In der deutschen Hauptstadt sagte die spanische Profispielerin: „Ich bin wirklich froh, dass ich mich wieder stark fühle und sehr positiv mir selbst gegenüber bin.“

Hat schwere Zeiten durchgemacht: Paula Badosa, früher die Nummer zwei der Welt, steht nur noch auf Platz 142.Bild: Imago

Fokus auf die mentale Gesundheit

Die 28 Jahre alte Spanierin habe ihre verletzungsbedingte Pause dazu genutzt, sich auf ihre mentale Gesundheit zu fokussieren. Sie sagte: „Das war das Gute daran, denn ich glaube, es war sozusagen das erste Mal, dass ich etwas für mich selbst getan habe.“ Das Thema mentale Gesundheit spricht Badosa immer wieder auf ihren Social Media-Kanälen an.
„Ich habe angefangen Dinge zu tun, die mich erfüllen und nicht nur vom Tennisspielen abhängen“, sagte sie im Tennis Insider Club-Podcast.

Der Abstand zum „Tour-Leben“ habe ihr mental gut getan. Sie sei auf die Tour mit einer neuen Perspektive zurückgekehrt.
Denn obwohl sie die Wettkämpfe liebe, sei die Intensität und „nervöse Energie“ eine Herausforderung für sie, weshalb sie sich etwas distanziere.

Zudem arbeite die 28-Jährige zunehmend daran, ihren Wert nicht von Ergebnissen abhängig zu machen. Sie sagte: „Manchmal hat man das Gefühl, dass der Wettkampf den Wert der eigenen Person festlegt.“ Ihre Verletzungen seien in dieser Hinsicht eine Herausforderung: Die Unsicherheit, ob es möglich ist zu spielen oder nicht. Doch mit dieser mentalen Falle sei sie, wie sich durch Gespräche mit anderen Spielern gelernt habe, nicht alleine. „Stell dir mal vor, wie viele Jahre ich schon daran arbeite, und trotzdem tappe ich immer wieder in dieselbe Falle“, sagte Badosa und fügte hinzu: „Es ist sehr schwer, eine gesunde Balance zu erreichen.“

Der Vorwurf der konstanten Verletzung

In den letzten Jahren habe Badosa immer wieder vorgehalten bekommen, wie oft sie verletzungsbedingt nicht spielen konnte. Den Vorwurf „Du bist immer verletzt“ immer wieder zu hören und zu lesen, habe Badosa nicht kalt gelassen, da dieses Thema bei ihr zu Unsicherheiten geführt habe. Badosa stellte im Podcast der ehemaligen französischen Profispielerin klar: „Ich bin die letzte die sich verletzen möchte oder bei einem Turnier zurückziehen möchte.“

„Ich hatte mental und mit Verletzungen zu kämpfen, und es gibt einen Spieler, den ich wirklich bewundere – er war schon seit meiner Kindheit mein Idol“, sagte die spanische Profispielerin und meinte den spanischen Tennis-Star Rafael Nadal, der kürzlich seine eigene Dokumentationsreihe veröffentlichte.

Badosa habe Nadal um Rat gefragt, da dieser ebenfalls mit vielen Verletzungen während seiner Profikarriere kämpfen musste: „Er hat viele Verletzungen durchgemacht, und mental ist er für mich der Beste in der Geschichte des Sports.“ Die beiden spanischen Tennis-Profis hatten etwa eine Stunde telefoniert. Badosa erzählte: „Er war wirklich offen und hat versucht, mir zu helfen. Danach habe ich mich richtig gut gefühlt und mir wurde vieles klar – in Bezug darauf, wie ich vielleicht mit der Situation umgehen sollte. Ich glaube, das war eines der wenigen Male in meiner Karriere, dass ich so etwas von jemandem gehört habe, den ich so sehr bewundere und respektiere.“

Garcia und Badosa sprachen zudem darüber, wie schwer es teilweise ist, als Profi um Rat zu fragen. Genau aus diesem Grund wolle Badosa etwas für die nächste Generation tun. Sie habe diesbezüglich bereits Gespräche mit der WTA geführt.

Badosas Leidenschaft für den Sport

Trotz aller physischen und mentalen Herausfordernden habe Badosa noch immer eine Passion für Tennis: „Es gibt Momente, in denen ich darüber nachdenke – vor allem darüber, wie sehr ich leide und wie sehr ich es mir manchmal wünsche, aber ich es nicht kann, weil ich körperliche Schmerzen habe“, sagte die die 28-jährige Spaniern und betonte gleichzeitig: „Aber dann habe ich darüber nachgedacht und festgestellt, dass ich es so sehr liebe und diese Leidenschaft habe.“

Die in Dubai lebende Spanierin sagte im Podcast: „Es macht mir Spaß. Ich genieße den Wettkampf. Ich genieße die Nervosität, das Adrenalin, das es einem gibt – selbst wenn der Moment kommt, in dem man sich fragt: Warum bin ich hier? Jetzt muss ich auf den Center Court. Wer hat mich dazu gebracht, diese Entscheidung zu treffen? Aber ich liebe diesen Moment.“

Diese Leidenschaft zeigte die ehemalige Nummer zwei auf dem Berliner Rasen. Im Viertelfinale wird die Spanierin auf die Tschechin Linda Noskova treffen, die aktuell auf Rang 13 der Weltrangliste steht.

Anna-Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.