Courts

Tennis mit einem einmaligen Ausblick: Der Monte-Carlo Country Club liegt mit seinen 23 Courts an der Côte d'Azur. Foto: Tennis Europe.

Tennis Europe Junior Masters in Monte-Carlo – die Analyse

Das Tennis Europe Junior Masters wurde dieses Jahr vom 13. bis 15. Oktober 2021 zum ersten Mal im Monte-Carlo Country Club in Monaco ausgetragen. Der Clou: Zwei deutsche Spieler erreichten das Finale. tennismagazin.de warf einen Blick hinter die Kulissen und sprach mit den zuständigen Organisatoren des Turniers.

„Was genau wissen Sie denn über Tennis Europe?” Mit diesen Worten beginnt das Gespräch zwischen Thomas Hammerl, dem CEO von Tennis Europe, und den anwesenden Journalisten im malerischen Monte Carlo Country Club. Es scheint, als habe er damit gerechnet, dass es nach dieser Frage zunächst ruhig bleibt. „Man kennt die ATP und WTA, auch die ITF. Doch Tennis Europe ist vielen nicht bekannt”, unterbricht der Österreicher das Schweigen. Tennis Europe wurde am 31. Mai 1975 in Rom gegründet, um die Interessen der nationalen Tennisverbände zu bündeln und zu vertreten. Mit den 50 Mitgliedsstaaten steht heute primär die gemeinsame Förderung und Entwicklung des europäischen Tennissports im Vordergrund.

Junior Tour

Als einer der sechs regionalen Verbände der ITF organisiert Tennis Europe auch seine eigenen Turniere: Die Tennis Europe Junior Tour hat sich seit ihrer Einführung im Jahr 1990 zu einem wichtigen Sprungbrett auf dem Weg zu einer erfolgreichen Profi-Karriere entwickelt. In diesem Sinne schaffen die ITF und Tennis Europe einen wichtigen Rahmen, in dem den Spielerinnen und Spielern der Sprung auf die Tour und somit in das professionelle Tennis gelingen soll. „Ich mache das alles für die Kinder. Sie verdienen es, diese Bühne zu haben“, begründet Hammerl seine Arbeit und das Bestreben des europäischen Verbandes.

Junior Masters

Jetzt erscheint auch Melanie-Antoinette de Massy, die Präsidentin des Monte-Carlo Country Clubs und monegassischen Tennisverbandes, zum Gespräch. Nachdem das Tennis Europe Junior Masters ins Zentrum des Gespräches rücken, ist es auch eindeutig, warum Hammerl dieses Event nach Monte-Carlo gebracht und ihn das Schweigen nach seiner einleitenden Frage nicht verwundert hat: Die mediale Präsenz und das Interesse der Öffentlichkeit ist nicht ausreichend.

„Wir möchten dem Masters einen anderen Stellenwert verleihen”, unterstreicht Hammerl diesen Gedanken. Dabei gibt es das Turnier schon seit 20 Jahren – ausgetragen wurde es bisher immer in Italien. Es ist ein Saisonabschluss-Event für die besten acht europäischen Spielerinnen und Spieler der Kategorien U14 und U16, die sich im „Race to Monte-Carlo”qualifizierten. In dieser gesonderten Rangliste werden die auf der Junior Tour gesammelten Punkte einer Saison aufgeführt. Dass das Junior Masters nun im Monte-Carlo Country Club ausgetragen wird, ist eine optimale Voraussetzung dafür, das Tennis der nachfolgenden Generationen größer und bekannter zu machen.

„Natürlich ist es dann auch sehr besonders, auf einem historischen Platz wie dem Court Rainier zu spielen”, ist sich de Massy sicher. Der gediegene Club soll das beste Set-up für Europas vielversprechendste Nachwuchstalente bieten.

Gute Zusammenarbeit: Melanie-Antoinette de Massy und Thomas Hammerl nach der Auslosung der Spiele für das Tennis Europe Junior Masters. Foto: Tennis Europe.

Gelungene Opening Ceremony

Einen Tag vor dem Beginn des Turniers stand eine Eröffnungsfeier auf dem Programm, in deren Rahmen die Spieler auf dem Court Rainier III vorgestellt wurden. Insgesamt haben alle Spieler auf der Junior Tour diese Saison 91 Titel und 983 Spiele gewonnen. Es ist somit das beste Line-up der Geschichte des Junior Masters – auch ohne Spieler aus Frankreich, Spanien, Italien oder England. Warum es keine Wildcards gegeben hat? „Ich möchte, dass hier nur die besten Spieler spielen”, sagt de Massy. Auch in dieser spielerischen Hinsicht soll sich das Junior Masters der absoluten Elite widmen.

Europas Talente: 32 Spieler aus 17 Nationen konnten das Ticket für das Junior Masters lösen. Foto: Tennis Europe.

Deutsche Dominanz

Aus deutscher Sicht war das Turnier ein voller Erfolg. Die beiden einzigen deutschen Spieler Justin Engel (NHTC Nürnberg) und Max Schönhaus (TC BW Soest) gingen in der U14-Konkurrenz an den Start. Die Überraschung: Beide erreichten nach souveränen Siegen in den ersten beiden Partien das Finale. Während sich Engel im Halbfinale gegen den Schweden Ludvig Hede durchsetzte, sorgte Schönhaus bereits in der ersten Runde für ein Ausscheiden des Topgesetzten Tschechen Maxim Mrva.
Im deutschen Finale zeigten beide Spieler, warum sie die besten Akteure des Turnieres waren. Das Duell, welches Schönhaus mit 7:5, 7:5 für sich entscheiden konnte, war von langen Ballwechseln und spektakulären Punkten geprägt. „Die Teilnahme beim Masters in Monte-Carlo war ein großes Ziel für dieses Jahr. Als ich nachgerückt bin, habe ich mir fest vorgenommen, die Chance zu nutzen und zu zeigen, dass ich auf dem Niveau mitspielen kann. Ich hätte aber niemals gedacht, dass ich gewinne. Im Finale auf einen Freund und Nationalmannschaftskollegen zu treffen, ist natürlich nie optimal. Justin hat auch super gespielt und es war ein sehr enger Kampf mit vielen Höhen und Tiefen auf beiden Seiten”, resümiert Schönhaus das Turnier.

Team Deutschland: Justin Engel und Max Schönhaus bei der Eröffnungsfeier. Foto: Tennis Europe.

Junior School

Die Tennis Europe Junior School ist ein neues Bildungskonzept für die Spieler, das von Tennis Europe in Absprache mit den einzelnen Verbänden entwickelt wurde und darauf ausgerichtet ist, die besten jungen Spieler des Sportes auf ein Leben als Tennisprofi vorzubereiten. In diesem Sinne werden Themen wie Ernährung, Fair-Play, Medien, Integrität, Social Media und mentale Gesundheit besprochen. Ein besonderes Highlight war der Besuch des Dänen Holger Rune (ATP Nr. 123), der einst das Finale bei den Junior Masters erreichte. „Es ist auch in der Hinsicht wichtig, dass Spieler wie Holger Rune vor Ort sind, da sie an der selben Stelle standen. Das vermittelt den Youngsters hier, dass sie es auch schaffen können”, freute sich Hammerl über die Anwesenheit der dänischen Hoffnung.

Rahmenprogramm

Neben der Junior School konnte das Turnier auch mit einem außergewöhnlichen Rahmenprogramm überzeugen, das die ohnehin einwandfreie Organisation optimal abrundete. Am Eröffnungstag wurde zu einem exklusiven Dinner an den Yachthafen von Monte-Carlo eingeladen. Die monegassische Gastfreundschaft zeigte sich auch in der Einladung von de Massy zu einer Players Party, auf der auch Trainer, Schiedsrichter und Medienvertreter gerne gesehen waren.

In gewisser Weise markierte das Junior Masters in Monte-Carlo eine Zäsur im europäischen Junior-Tennis: Es ist organisatorisch und spielerisch ein Top-Event gewesen, in dessen Planung de Massy ihre ganze Erfahrung hat einfließen lassen. Das Turnier hat Maßstäbe gesetzt – das wurde bei der ersten Auflage im Country Club, wo im April beim ATP-Masters-1000-Turnier wieder die „Großen” spielen, deutlich.