Previews – Barclays ATP World Tour Finals

Thiem: Bresnik auch nicht mehr Manager

Vor einigen Wochen hatte der eigentlich als unterstützender Tour Coach angeheuerte Nocolas Massu das komplette Traineramt für Dominic Thiem von Günter Bresnik übernommen. Nun ist Bresnik auch nicht mehr Manager der Nummer vier der Welt.

Günter Bresnik selbst verschickte am Donnerstag eine Pressemitteilung an ausgewählte Medien. Die österreichische Nachrichtenagentur APA zitiert den 58-Jährigen: „Ich bin stolz und dankbar, dass ich Dominic auf einem wesentlichen Stück seines Weges begleiten durfte.“ Bresnik schrieb in der Aussendung weiter zum Thema neues Management: „Ich freue mich, dass wir dafür mit Herwig Straka einen international renommierten, erfahrenen, integren Fachmann gewinnen konnten. Herwig verfügt insbesondere auch über die Kapazitäten und Möglichkeiten, Dominic kontinuierlich auf der Tour zu begleiten. Das wurde angesichts der Vielfalt der laufenden Aufgaben erforderlich, die Dominics großartiger Erfolg mit sich bringt.“

Damit hat sich Bresnik von seiner Rolle als Manager zurückgezogen. So ist zumindest die offizielle Lesart des Statements. Straka selbst ist Turnierveranstalter in Wien und sitzt gut vernetzt im ATP-Board. „Man kann noch an ein paar Stellschrauben drehen, um ihn besser als Marke zu positionieren“, zitiert die APA Straka. Für Thiem ist das sicher eine gute Lösung. Die endgültige geschäftliche Auflösung der Zusammenarbeit zwischen Thiem und Bresnik überrascht dennoch so kurz vor dem für Thiem wohl wichtigsten Grand Slam-Turnier des Jahres.

Klartext Kiefer

Nicolas Massu, hier bei der Davis Cup-Auslosung in Madrid, ist seit einigen Wochen alleiniger Trainer von Dominic Thiem.

Zwischen Thiem und Bresnik hatte es Anfang des Jahres gekracht. Eine weitere Zusammenarbeit, wie sie die Beiden seit jeher pflegten, schien in der Folge nicht mehr möglich. Vorbildlich war jedoch die öffentlich weitestgehend geräuschlose Trennung, ohne böse Worte von einer der Parteien. Klar: So eine Beziehung, Bresnik betreute Thiem seit dieser ein Kind war, löst man nicht einfach so auf. Der Chilene Nicolas Massu, Olympiasieger im Einzel und Doppel 2004 in Athen, übernahm fortan die Gesamtverantwortung als Trainer. Bresnik, so hieß es nach einem klärenden Gespräch im Anschluss an das ATP-Turnier in Madrid, bleibe weiterhin der Manager.

Bresnik sollte eigentlich Manager bleiben

Das ist zumindest der Eindruck, den alle Parteien erwecken wollten. Zuletzt hatte die offizielle Kommunikation noch gelautet: Bresnik und Thiem haben ihr Spieler-Trainer-Verhältnis beendet. Massu verfügt über die nötigen zeitlichen Kapazitäten, um Thiem dauerhaft zu begleiten. Bresnik bleibe aber Manager. Nach dem Gespräch in Madrid sagte Bresnik dem österreichischem Standard. „Das war ein Gespräch, über dessen Inhalt von meiner Seite nichts gesagt wird. Wer da alles fragt – so wichtig ist das jetzt einmal nicht.“ Ob er nach dem Dialog mit Thiem klüger geworden sei, so schrieb der Standard damals, habe Bresnik schlagfertig beantwortet: „Ich war vorher schon so klug, dass eine Steigerung schwer möglich ist. So können wir das belassen.“

Ende Mai, wenige Wochen später, scheint das Vertrauensverhältnis zwischen Thiem und Bresnik auch für eine geschäftliche Ebene nicht mehr ausreichend zu sein. Seine freundschaftliche Verbindung bleibe von der Änderung des professionellen Verhältnisses unberührt, schrieb Bresnik am Donnerstag. „Ich stehe ihm und seinem Team auch in beratender Tätigkeit weiterhin zur Verfügung.“

Thiem selbst hat sich zu der Veränderung noch nicht geäußert. Das wird der 25-Jährige sicherlich am Medientag bei den French Open am Wochenende nachholen müssen. Nach seinem Aus im Halbfinale von Madrid, kurz vor dem Gespräch mit Bresnik, hatte Thiem kühl zu Protokoll gegeben: „Massu ist jetzt mein Trainer, Günter nicht mehr.“ Auf die Nachfrage, ob man noch befreundet sei, antwortete Thiem: „Keine Freunde, aber es ist okay zwischen uns. Wir waren nie befreundet.“ Thiem lachte bei der Beantwortung. Dennoch hängt an dem nun auch geschäftlichen Ende der Beziehung viel Elementares.

Thiem sagte bereits nach Madrid, er wolle weiter im von Bresnik geleiteten Trainingszentrum in der Wiener Südstadt trainieren. „Das ist die Stätte, in der ich aufgewachsen bin, da fühle ich mich wohl, es ist nicht weit weg von zu Hause. Ich würde schon gerne da weitertrainieren“, meinte der 13-fache Turniersieger im ORF-Interview. Bresnik bestätigte damals, dass das kein Problem für ihn sei. Damals war er aber auch noch Manager. Die Art und Weise der medialen Kommunikation Bresniks lässt aber darauf schließen, dass das Training in der Zukunft kein Problem sein dürfte. Klar ist auch: Die Wiener Südstadt ist  die Wirkungsstätte von Thiems Vater Wolfgang, der sich in den vergangenen Wochen als Vermittler zwischen Thiem und Bresnik probiert hatte.