Wimbledon – Pokale

Traum aller Tennisspieler: Die beiden Siegertrophäen in ­Wimbledon, die „Venus Rosewater Dish“ (li.) und der Herrenpokal, ­gehören zu den ältesten, schönsten und begehrtesten in der Sportwelt. Die jeweiligen Sieger bekommen im Anschluss ein kleineres Replikat. Bild: Getty Images

Trophäenjagd: Die Pokale der Tennis-Tour

Sie sind für die Profis manchmal ­wichtiger als Preisgeld und Punkte für die ­Rangliste.  Sie sind oft der Lohn für alle Strapazen: die Pokale für den Turniersieg. Wir stellen die Trophäen der Grand Slam-Turniere, der Mannschaftswettbewerbe und skurrile Siegerpokale näher vor. 

Grand-Slam-Pokale

Australian Open

Der 28 Zentimeter große Pokal für den Australian Open-Sieger heißt Norman Brookes Challenge Cup und wurde nach einem ehemaligen australischen Sieger bei den Australian Open benannt. Norman Brookes siegte 1911 bei seinem Heimturnier und war 1907 der erste Nicht-Brite, der die Herrenkonkurrenz in Wimbledon gewann. Seit 1934 wird die Trophäe, bei der man sich an einer acht Tonnen schweren Marmorvase aus dem 2. Jahrhundert orientierte, verliehen. Die Trophäe hat einen Durchmesser von 25,7 Zentimeter und steht auf einem 15,5 Zentimeter großen Sockel.

Die Namen der Turniersieger sind auf dem Pokal eingraviert. Der aktuelle Champion bekommt ein Replikat für die heimische Vitrine. 800 Arbeitsstunden stecken drin. Auch die Australian Open-Trophäe der Damen, der Daphne Akhurst Memorial Cup, wird seit 1934 vergeben und ist nach der fünfmaligen Turniersiegerin Daphne Akhurst benannt. Die Australierin starb 1933 bereits im Alter von 29 Jahren an den Folgen einer Bauchhöhlenschwangerschaft. Um an Akhurst zu erinnern, wurde der Pokal ein Jahr später erschaffen und wird bis heute an die Siegerin in Melbourne vergeben. Am Sockel und am Deckel des Pokals sind gekreuzte Schläger zu sehen. Beim Daphne Akhurst Memorial Cup sind ebenfalls die Namen der Turniersiegerinnen verewigt.

Australian Open - Pokale

Happy Slam: Der Norman Brookes Challenge Cup (re.) und der Daphne Akhurst Memorial Cup werden bei der Auslosung zu den Australian Open von den Titelverteidigern mitgebracht.

French Open

Seit 1981 wird bei den Herren „La Coupe des Mosquetaires“ an den Sieger verliehen. Die Trophäe ehrt das französische Quartett um Jean Borota, Jacques Brugnon, Henri Cochet und René Lacoste, das in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren das Herrentennis dominierte. Das Quartett ist bekannt als „die vier Musketiere“ und gewann sechsmal in Folge den Davis Cup. Die Silbertrophäe, die mit Weinblättern an der Spitze verziert ist und schwanenförmige Henkel hat, ist 21 Zentimeter groß, 19 Zentimeter breit und wiegt 14 Kilogramm. Auf dem Marmorboden sind die Sieger seit 1891 eingraviert. Nur einmal im Jahr, am Tag des Herrenfinals, wird die Trophäe bewegt. Die übrige Zeit ist sie im Büro des französischen Verbandspräsidenten beheimatet. 

Die Damentrophäe „La Coupe Suzanne Lenglen“ erinnert an Frankreichs erfolgreichste Spielerin der Geschichte. Suzanne Lenglen, genannt „die Göttliche“, war der Superstar des Sports in den 1910er- und 1920er-Jahren und galt als fast unschlagbar. Lenglen starb wie Daphne Akhurst, die Namensgeberin für den Australian Open-Pokal, ebenfalls früh – mit 39 Jahren an den Folgen von Leukämie. Seit 1979 wird die Trophäe an die Siegerin vergeben und ist im Nationalen Sportmuseum ausgestellt. Allerdings lief bei der Gravur der Siegernamen etwas schief. So entdeckte die britische Fotografin Ella Ling durch ein von ihr gemachtes Foto im Jahr 2019, dass die Britin Sue Barker, die 1976 den Titel gewann, als Australierin angegeben wird. Auch im folgenden Jahr unterlief dem Graveur ein Missgeschick, als die Slowenin Mima Jausovec, Siegerin von 1977, mit „Jausevec“ eingraviert wurde. 

French Open - Pokale

Roland Garros: Der „La Coupe des Mosquetaires“ (re.) und der „La Coupe Suzanne Lenglen“ werden in Erinnerung an große französische Tennishelden vergeben.Bild: Getty Images

Wimbledon

Der Wimbledonpokal der Herren ist eine der berühmtesten und attraktivsten Sporttrophäen. Nachdem William Renshaw 1886 zum sechsten Mal in Folge Wimbledon gewann, durfte er bereits zum zweiten Mal die aktuelle Trophäe, die damals Field Cup und Challenge Cup hießen, behalten. Der All England Club musste erneut für Ersatz sorgen und beschloss, dass in Zukunft der Pokal im Club bleiben würde, auch wenn ein Spieler den Titel dreimal gewinnt. 1887 wurde die aktuelle Wimbledontrophäe, die 47 Zentimeter groß ist und einen Durchmesser von 19 Zentimetern hat, erstmals verliehen. Die Inschrift des Pokals lautet: „The All England Lawn Tennis Club Single Handed Champion of the World”. Aus Platzgründen werden die Siegernamen seit 2009 auf dem Sockel eingraviert.

Bleibt noch zu klären, warum eine Ananas auf dem Pokal prangt. Warum ausgerechnet diese Frucht zu sehen ist, ließ sich nie zweifelsfrei klären. Eine Theorie besagt, dass die Ananas früher eine kostbare Rarität und ein Zeichen für einen hohen sozialen Status war. Eine andere Theorie besagt, dass es mit einer Tradition der britischen Flottenkapitäne zu tun hat, die eine Ananas auf ihre Torpfosten steckten, wenn sie von der Reise nach Hause zurückkehrten. Die Siegerschale bei den Damen, ein Sterlingsilber-Tablett mit einem Durchmesser von 48 Zentimetern, trägt den Namen „Venus Rosewater Dish“ und wurde im Jahr 1864 erstellt – für 50 Guineas (heute umgerechnet 61 Euro) bei einem Silberschmied in Birmingham. Ein Rosewater Dish ist eine flache Schale, die dafür benutzt wurde, sich nach dem Essen mit Rosenwasser die Hände zu waschen. Die Trophäe, basierend auf einem Zinnteller aus dem Louvre in Paris, wurde einer Wimbledonsiegerin erstmals im Jahr 1886 überreicht. Die Schale ist mit Figuren aus der Mythologie verziert. In der Mitte ist die römische Göttin Venus zu sehen. Die Namen der Siegerinnen von 1884 bis 1957 sind im Inneren der Schale eingraviert. Die Namen der Wimbledon-Champions seit 1958 befinden sich außen. Für die Gravuren aller Wimbledontrophäen war 35 Jahre lang der Pole Roman Zoltowski zuständig, der 18 Stunden mit dem Auto von seiner Heimatstadt Posen nach London fuhr, weil er sein Werkzeug nicht mit in das Flugzeug nehmen durfte. Die ­Gravur für die neuen Siegernamen dauert etwa 18 Minuten. 

Wimbledon - Pokale

Traum aller Tennisspieler: Die beiden Siegertrophäen in ­Wimbledon, die „Venus Rosewater Dish“ (li.) und der Herrenpokal, ­gehören zu den ältesten, schönsten und begehrtesten in der Sportwelt. Die jeweiligen Sieger bekommen im Anschluss ein kleineres Replikat.Bild: Getty Images

US Open 

Im Jahr 1987 kreierte der New Yorker Juwelier Tiffany & Co. die Siegertrophäen bei den US Open, die keinen besonderen Namen haben. Die handgemachten Pokale sind mit uralten Techniken komplett aus Sterlingsilber gefertigt. Die Herrentrophäe ist 50 Zentimeter groß, 43 Zentimeter breit und wiegt 3,2 Kilogramm. 

Die Damentrophäe ist nahezu identisch, nur etwas kleiner als die der Herren: 30 Zentimeter groß, 37 Zentimeter breit und 2,25 Kilogramm schwer. Die Siegernamen werden bei beiden Trophäen von Tiffany & Co. auf dem Pokalrücken eingraviert. Abseits der US Open sind beide Pokale in der International Tennis Hall of Fame in Newport im US-Bundesstaat Rhode Island ausgestellt.

US Open - Pokale

Nahezu identisch: Die Siegerpokale bei den US Open unterscheiden sich nur in der Größe.

Mannschaftspokale

Davis Cup

Wenn man sich den Davis Cup prüfend anschaut, wird man auf der Sterlingsilber-Schüssel folgende Gravur lesen: International Lawn Tennis Challenge Trophy. Der Pokal ist mittlerweile allgemein bekannt als Davis Cup oder auch als „hässlichste Salatschüssel der Welt“. Stifter der Trophäe war der 20-jährige Harvard-Student und Millionenerbe Dwight Filley Davis. Dieser hatte mit drei anderen Studenten die Idee von einem Vergleichswettkampf zwischen den USA und Großbritannien. Um die Briten über den Atlantik zu locken, investierte Davis am 9. Februar 1900 1.000 US-Dollar in eine Trophäe – den Geldbetrag, den er gerade bei sich trug. In der Bostoner Silberschmiede Shreve, Crump & Lowe ließ er die sechs Kilogramm schwere Silberschüssel herstellen. Heutzutage würde ein Duplikat der Trophäe mehrere Zehntausende US-Dollar kosten.

Vom 8. bis 10. August 1900 wurde in Boston der erste Davis Cup gespielt. Der Pokalstifter Dwight Filley Davis gehörte auch zum amerikanischen Siegerteam bei der Premierenausgabe sowie im Jahr 1902. 1903 wurde der Davis Cup schließlich für die ganze Welt geöffnet. Inoffiziell hieß die Trophäe und der Wettbewerb bereits lange Zeit Davis Cup, doch erst mit dem Tod von Dwight Filley Davis im Jahr 1945 wurden Wettbewerb und Trophäe offiziell in Davis Cup umbenannt. Um Platz für weitere Gravuren der Siegernationen zu schaffen, wurde die Schüssel in den 1920er-Jahren auf einen Silberteller gestellt. Auch dies reichte schnell nicht mehr aus, sodass ein Holzsockel mit Silberstreifen hinzukam. Mittlerweile wiegt der ganze Pokal inklusive Holzsockel etwa 105 Kilogramm und ist stolze 110 Zentimeter groß.

Davis Cup - Pokal

„Die hässlichste Salatschüssel der Welt“: Der Davis Cup, der älteste jährlich ausgetragene Wettbewerb im Sport, wurde im Jahr 2019 grundlegend reformiert.

Fed Cup (seit 2021 Billie Jean King Cup)

Im Jahr 1963 wurde der Fed Cup, der bis 1995 Federation Cup hieß und das Pendant zum Davis Cup ist, anlässlich des 50. Geburtstages des Tennis-Weltverbandes ITF ins Leben gerufen. Die Idee zu einem Wettkampf zwischen Damenmannschaften entstand bereits 1919. Ab 1923 wurde der Wightman Cup, ein jährlicher Länderwettkampf zwischen den USA und Großbritannien, ausgetragen. Im Jahr 1962 wurde die Trophäe in London aus Silber handgefertigt.
Die offizielle Bezeichnung für den Fed Cup-Pokal ist „The Rose Bowl“. Auf dem oberen schüsselförmigen Teil mit den beiden Henkeln an den Seiten ist eine Aufschrift auf Französisch eingraviert, die darauf hinweist, dass der internationale Teamwettbewerb bei den Damen zum 50. Geburtstag der ITF erschaffen wurde. Deutschland konnte den Fed Cup zweimal gewinnen, 1987 und 1992. Rekordsieger ist die USA mit 18 Titeln. Seit 2021 wurde der Wettbewerb in Billie Jean King Cup umbenannt. 

Fed Cup - Pokal

„The Rose Bowl“: Im Billie Jean King Cup wird im Gegensatz zum Davis Cup das Doppel zum Abschluss gespielt.

Laver Cup

Seit 2017 spielen Team Europe und Team World um den Laver Cup. Roger Federer schuf diesen Wettbewerb, um dem für ihn besten Spieler der Geschichte ein Denkmal zu setzen: Rod Laver. Die handgefertigte Trophäe besteht aus geschmolzenem Metall aus einer der ersten Trophäen in der Profikarriere des Australiers. Die 200 Kerben am Rand der Trophäe symbolisieren die Karrieretitel von Laver. Die doppelten vier Ringe am Fuß des Pokals stehen für die beiden Kalender-Grand-Slams von Laver in den Jahren 1962 und 1969. „Wenn ich auf den Laver Cup schaue, bin ich so stolz, dass mein Name draufsteht. Jeder Sieg hatte eine Bedeutung in meiner Karriere. All diese Titel kollektiv so wunderschön repräsentiert zu sehen, ist sehr besonders“, sagt Laver über seine nach ihm benannte Trophäe, die er bei den bisherigen drei Ausgaben immer Team Europe um Wettbewerbsgründer Federer überreichte. 

Laver Cup - Pokal

Zu Ehren von „The Rocket“: Team Europe gewann den Laver Cup 2017 (Prag), 2018
(Chicago) und 2019 (Genf).Bild: gettyimages

ATP Cup

Der neueste Mannschaftswettbewerb der Herren, der ATP Cup in Australien, feierte 2020 seine Premiere. Der 50 Zentimeter große Pokal wurde hergestellt aus mehr als sechs Kilogramm australischem Sterlingsilber. Das Design soll ein Tribut an die vergangene Tenniszeit sein sowie einen Ausblick auf die Zukunft des Tennissports symbolisieren. Die traditionelle Form des Pokals steht für die Historie des Tennissports, die zeitgemäßen Scherben für das innovative Format des Wettbewerbs. An der Spitze des Pokals befindet sich eine handgeblasene Silberkugel, die gleichzeitig die Hemisphäre und einen Tennisball abbilden soll. Insgesamt beinhaltet die Trophäe 24 Scherben für die 24 Teilnehmerländer am ATP Cup. Die Trophäe wurde von der gleichen Firma produziert, ABC Bullion, die auch die Herrentrophäe der Australian Open kreiert hat.

ATP Cup - Pokal

Der neueste Cup: Serbien gewann die Premierenausgabe des ATP Cups im Januar 2020. Russland siegte 2021.

Skurrile Pokale

Hamburg

Der Pokal bei den Hamburg European Open erzählt eine besondere Geschichte. Das Logo und die Trophäe des Turniers repräsentierten den gespielten Siegermatchball aus dem Vorjahr. Nikoloz Basilashvili, Sieger in den Jahren 2018 und 2019, stemmte 2019 also die Verzierung seines Matchballs von 2018 in die Höhe.

Hamburg European Open - Pokal

Innovativ: Das Logo und die Siegertrophäe der Hamburg European Open soll sich jedes Jahr ändern.

Acapulco

Der Sieger beim ATP-Turnier in Acapulco, wie hier Rafael Nadal in diesem Jahr, wird nicht nur passend zu Mexiko mit einem Sombrero ausgestattet. Er erhält als Pokal eine große silberne Birne mit einem goldenen Tennisball im Innern, aufgestellt auf einem schwarzen Sockel. 

Acapulco - Pokal

Fiesta Mexicana: Seit 2001 wird die „Birne“ in Acapulco plus Sombrero vergeben.

Gstaad

Mit 1.050 Metern über dem Meeresspiegel liegt kein ATP-Turnierort höher als Gstaad. Um die Trophäe zu stemmen, braucht es reichlich Kraft. Der große Felsbrocken mit dem Tennisball im Innern symbolisiert die Schweizer Alpen. Auf den Siegerplanketten stehen bekannte Namen wie die von Roger Federer und Stefan Edberg. 

Gstaad - Pokal

Gewaltig: Das ATP-Turnier in Gstaad nennt sich selbst „das Wimbledon der Alpen“.

Paris-Bercy

Wer das ATP-Masters-1000-Turnier in Paris-Bercy gewinnt, muss mit einer gewöhnungsbedürftigen Trophäe vorliebnehmen: einem brennenden Busch. Die Namen der Sieger liest man auf den einzelnen Ästen. 

Paris-Bercy - Pokal

Baum ohne Blätter: David Ferrer war 2012 der erste Titelträger in Paris-Bercy, der den brennenden Busch in Empfang nehmen durfte.

Orleans 

Beim ATP-Challenger-Turnier in Orleans gibt es für den Sieger eine einfallsreiche Siegertrophäe. Jedes Jahr gibt es ein Leinwandbild mit einem wechselnden Tennismotiv. Der letztjährige Sieger, der Schwede Mikael Ymer, schien jedoch, anders als die vorherigen Sieger, nicht allzu begeistert zu sein von seiner besonderen Trophäe. 

ATP-Challenger Orleans - Pokal

Künstlerisch: Ein Fischreiher auf Bällejagd war das letzte Motiv für den Titelträger beim ATP-Challenger-Turnier in Orleans (Frankreich).

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