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Wirbel um Rafael Nadal: Doch kein neuer Titel-Rekord auf Sand

Nachdem Rafael Nadal gestern im Finale von Buenos Aires Juan Monaco ungefährdet mit 6:4, 6:1 besiegte, poppten in aller Welt sofort die Schlagzeilen auf: „Nadal schreibt Tennis-Geschichte“ (Zeit Online), „Tennisstar Nadal stellt Rekord auf“ (Spiegel Online) und „Nadal bester Sandmann aller Zeiten“ (Sportnet.at) lauteten einige Überschriften. Endlich, so der allgemeine Tenor, hatte Nadal die Legende Guillermo Vilas in der Kategorie „Die meisten Turniertitel auf Sand“ eingeholt. Beide stemmten angeblich jeweils 46-mal auf der geliebten roten Asche eine Trophäe in den Himmel.

Doch die Meldungen über den eingestellten Rekord waren verfrüht. Die Organisation der Herrentour, die ATP, hatte am Wochenende noch einmal genau nachgezählt – und kam bei Vilas plötzlich auf 49 Sandplatz-Titel. Nadal muss also noch drei Titel auf Asche holen, um mit Vilas gleichzuziehen. Aber das ging gestern in dem Jubelsturm der sozialen Netzwerke und auf etlichen Websites einfach unter. Auch tennis MAGAZIN meldete auf Facebook zunächst die Einstellung des Rekords, korrigierte die Meldung aber eine Stunde später wieder.

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Doch kein Rekord: In einer mittlerweile korrigierten Meldung schrieb die ATP noch am Samstag von einem möglichen Meilenstein für Nadal. (Screenshot)

Wie kam es nun zu diesen zahllosen Falschmeldungen? Letztlich ist die ATP selbst schuld, weil sie noch am Samstag im Vorfeld des Endspiels von Buenos Aires auf ihrer Website vermeldete, dass Nadal die Chance zur „clay-court history“ hätte, weil er mit einem Finalsieg auf „record-tying 46 titles“ auf seinem Lieblingsbelag kommen würde (s. Screenshot rechts). Diese News übernahmen Agenturen in aller Welt, so dass sich nach dem Triumph von Nadal die Meldung mit dem eingestellten Rekord verbreiten konnte. Was kaum einer merkte: In der Zwischenzeit hatte die ATP, mehr oder weniger klammheimlich, die Meldung überarbeitet und präsentierte nun eine Tabelle mit jenen Spielern, die die meisten Titel auf Sand holten. Ganz oben steht Vilas mit 49 Titeln, auf Platz zwei Nadal mit 46.

Nicht Hartplatz, sondern Har-Tru

Hintergrund dieser Verwirrung: Vilas hatte in den 70er Jahren einige Turniere in Nordamerika gewonnen (zweimal Toronto, einmal Virginia-Beach), die als Hartplatz-Events eingestuft waren. Tatsächlich fanden diese Turniere aber auf Har-Tru statt. Bei diesem Belag handelt es sich um grüne Asche, der in den 70er Jahren in den USA und Kanada weit verbreitet war. Erst ab 1978, als die US Open von grüner Asche auf Hartplatz wechselten und nach Flushing Meadows ins National Tennis Center umzogen, wurden Hardcourts in Nordamerika richtig populär.

Rafael Nadal

65. Karrieretitel, davon 46 auf Sand: Rafael Nadal in Buenos Aires. (gettyimages)

Warum die ATP so lange brauchte, um die fehlerhafte Aufzählung zu korrigieren, bleibt schleierhaft. Schon länger wird von Hardcore-Fans in Tennisforen darüber debattiert, dass die ATP-Listen falsch seien. Nun liegen zwar die korrekten Zahlen offiziell vor, aber die ATP kommuniziert das – wenig überraschend – so gut wie gar nicht. Kein Wunder: Als Dachorganisation müsste sie öffentlich eingestehen, jahrelang die falschen Daten publiziert zu haben.

Keinen Streit gibt es dagegen bei der Anzahl von Nadals Karrieretiteln. Er liegt nun bei 65 Turniersiegen, womit er Pete Sampras und Björn Borg (jeweils 64 Titel) überflügelte. Nadal belegt Platz fünf in diesem Ranking. Von den aktiven Profis hat lediglich Roger Federer mehr Turniere gewonnen (84). In der ewigen Bestenliste nimmt er derzeit Platz drei ein. In Führung liegt Jimmy Connors mit 109 Titeln.