2017 Australian Open – Previews

Besser spielen mit Agnieszka Radwanska: Gerader Punch

Mit ihrem variablen Spiel ist ­die Polin Agnieszka Radwanska der Gegenpol zum ­Powertennis im Damencircuit. Aber sie kann auch selbst das Tempo anziehen – mit ihrer geraden Vorhand. Williams-Trainer Patrick Mouratoglou analysiert diesen Schlag für uns.

Experte: Patrick Mouratoglou, Fotos: Mike Frey

1) Viel Zeit für die Vorbereitung

Radwanska bereitet sich früh auf ihre ­Vorhand vor: Den Schläger hat sie schon weit nach hinten genommen; durch den  Einsatz des linken Arms bleibt sie in Balance, während sie in die Knie geht und das Körpergewicht auf dem hinteren rechten Bein lastet. Wenn die Polin so viel Zeit für die Vorbereitung hat, liebt sie es, eine flache Vorhand zu spielen, die fast ohne Topspin auskommt. Insbesondere auf schnellen Hallenböden und auf Rasen ist diese Vorhand-Variante effektiv.

2) Gut ausbalancierte und weite Schlagstellung

Jetzt befindet sich Radwanska in der Vorwärtsbewegung: Der zuvor eingedrehte Oberkörper rotiert zurück, der Körperschwerpunkt verlagert sich leicht nach vorne. Auffällig ist hier, dass sich an der Position der Beine kaum etwas verändert hat. Sie geht nicht noch tiefer herunter, um besser unter den Ball zu kommen. Aber das ist für ihren geraden Schuss, den sie spielen will, auch nicht nötig. ­Wichtiger ist ihre weite und gut ausbalancierte Schlagstellung.

3) Gebeugter Arm mindert Racketspeed

Unmittelbar vor dem Treffpunkt wird ­deutlich, dass Radwanska ihren Schwung fast parallel zum Boden ausführt – noch ein Indiz für einen Schlag ohne Spineinsatz. Sie bringt jetzt ihr Körpergewicht hinter den Schlag, um Power auf den Ball zu bekommen. Ihr Schlagarm ist gebeugt, nicht gestreckt. Bei einem flachen Schlag wie diesem hier wird dadurch die Kraftübertragung und der Racketspeed gemindert. Lehrbuchmäßig ist dagegen, wie sie weiter den Ball fokussiert.