Day Nine: The Championships – Wimbledon 2017

Besser spielen mit Milos Raonic: Hüne mit Händchen

Er lebt vor allem von seinem starken Aufschlag, aber Milos Raonic hat längst auch andere Qualitäten entwickelt – etwa sein Netzspiel. Experte Patrick Mouratoglou analysiert den gefühlvoll gespielten tiefen Volley des Kanadiers.

Experte: Patrick Mouratoglou, Fotos: Mike Frey

1) Kein Anflug von Hektik in der Vorbereitung

Ein typischer Spielzug von Milos Raonic endet häufig damit, dass er vorne am Netz den Abschluss sucht. Dabei ist die Vorbereitung äußerst wichtig, weil die ­meisten seiner Gegner Verteidigungskünstler sind und ihn aus allen Lagen passieren ­können. In diesem Fall bekommt der heran­stürmende Zwei-Meter-Mann den Passierball im Halbfeld tief vor die Füße. Vorteil von Raonic: Er hat die Zeit, sich optimal auf den schweren Volley vorzubereiten. Er gerät nicht in Hektik, sondern bleibt ganz ruhig.

2) Mit einem Schritt Körper hinter den Ball bringen

Für einen so großen und kräftigen Profi wie Raonic gilt eine alte Tennis-Weisheit noch mehr als für gewöhnliche Spieler: Gute Volleys spielt man mit den Beinen – und weniger mit dem Arm. Gerade Hobby­spieler vergessen beim Flugballspiel oft die Beinarbeit – ein schwerwiegender Fehler. Raonic bringt mit einem Schritt seines ­linken Beins den Körper hinter den ankommenden Ball, während sich die Position des Schlägers nur marginal verändert. Er positioniert ihn auf eine Linie mit dem Ball.

3) Stabile Beinstellung als Fundament für die Balance

Mitten im Treffpunkt zeigt sich, wie ­stabil die Position von Raonic ist. Achten Sie auf seine linke Ferse: Mit ihr berührt er nach dem langen Schritt des linken Beins zuerst den Boden. Dadurch bildet er einerseits ein festes Funda­ment für den Schlag. Anderer­seits unterstützt die Fußstellung den zum Ball gerichteten Bewegungsfluss ideal. Arme und Oberkörper haben kaum ihre Stellung im Vergleich zum vorherigen Bild verändert. Ein weiteres Zeichen dafür, wie gut Raonic die Balance hält.