Match-Tiebreak

Pro und Kontra: Streitpunkt Match-Tiebreak

Auch in unserer Redaktion wird in Sachen Match-Tiebreak heftig debattiert. Vier tennis MAGAZIN-Mitarbeiter über ihre Erfahrungen mit dem Match-Tiebreak.

 “Sollte schnellst­möglich abgeschafft werden“

Schulpraktikant Raul Mahler, 14 Jahre, LK 20, ETV Hamburg, Junioren-Verbandsklasse

Match-Tiebreak

Ich bin mit dem Match-Tiebreak aufgewachsen. Dass man den dritten Satz nicht mehr ausspielt, sondern nur noch einen langen Tiebreak zu bewältigen hat, kenne ich eigentlich nicht anders. Dennoch: Ich mag den Match-Tiebreak nicht und finde, dass man ihn schnellstmöglich wieder abschaffen sollte. Für mich sind die Gründe dafür offensichtlich.

Zum einen bevorzugt der Match-Tiebreak schwächere Spieler. Es zählt eben jeder Punkt und wenn man als schlechterer Spieler etwas Glück hat, weil der stärkere Gegner zwei Doppelfehler macht und einen leichten Volley verschlägt, gewinnt er plötzlich ein Match, das er in einem regulären dritten Satz mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht gewonnen hätte. Das finde ich unfair.

Zum anderen ist die Begründung der Verbände zur Einführung des Match-Tiebreaks absurd: Es soll damit Zeit eingespart werden. Warum? Jeder, der Punktspiele macht, weiß doch, dass dafür mindestens ein halber Tag draufgeht. Und außerdem: Was gibt es Schöneres, als bei gutem Wetter mit den Tenniskumpels einen Tag im Club zu verbringen? Mein Vorschlag: In höheren Altersklassen und meinetwegen auch im Doppel kann der Match-Tiebreak bleiben. Aber bei uns Junioren und auch bei den Herren will ihn niemand.

„Finde ihn besser als einen dritten Satz“

Praktikantin Marlene Meinecke, 20 Jahre, LK 9,  TC Stelle, Niedersachsen, Damen-Landesliga

Match-Tiebreak

Mir war zunächst nicht klar, wie negativ die meisten Spieler auf den Match-Tiebreak zu sprechen sind. Für mich war das eigentlich nie ein Thema. Der Match-Tiebreak stellt mich nicht vor große Probleme – ganz im Gegenteil. Ich finde ihn besser als einen regulären dritten Satz. Für mich ist die Aussage „Ach, wenn wir den dritten Satz ausgespielt hätten, dann hätte ich gewonnen“ nur eine billige Ausrede. So wie: „Es ist zu windig heute.“ Oder: „Die Sonne steht zu tief.“

Es ist doch so: Beide Spieler müssen mit den gleichen Gegebenheiten klarkommen. Also, jammert nicht rum, sondern stellt euch der Herausforderung. Letztlich wurde der Match-Tiebreak aus Zeitgründen eingeführt. Und das finde ich nachvollziehbar. Allerdings nicht deswegen, weil sich dadurch der gesamte Spieltag etwas verkürzt und die konditionelle Komponente nicht mehr so im Vordergrund steht. Kondition sollte eh jeder ambitionierte Spieler mitbringen. Nein, mir gefällt, dass man sich für den Match-Tiebreak noch einmal voll konzentrieren muss – und nach ein paar Minuten ist alles vorbei.

Jeder Tennisspieler weiß: Unser Sport spielt sich vor allem im Kopf ab. Elemente wie mentale Stärke, Selbstvertrauen und Körpersprache sind dem spielerischen Vermögen mindestens ebenbürtig. Das alles über einen langen dritten Satz auf hohem Level aufrechtzuhalten, finde ich viel fordernder, als sich mit allem, was man hat, in einen Match-Tiebreak zu stürzen, dessen Dauer überschaubar ist. Ich bin dankbar dafür, wenn die Zeit, in der ich mich extrem konzentrieren muss, verkürzt wird. Für mich bedeutet der Match-Tiebreak: noch einmal komplett fokussieren und Punkt für Punkt versuchen, mein bestes Tennis zu spielen.

Ach ja: Für all jene, die nach einer Niederlage im Match-Tiebreak behaupten, sie hätten in einem regulären dritten Durchgang sicher gewonnen: „Leute, dann gewinnt doch einfach schon in zwei Sätzen!“

„Die Wettkampfhärte geht so verloren“

Redakteur Christian Albrecht Barschel, 38 Jahre, LK 13, TK Mölln, Schleswig-Holstein, Herren 30-Bezirksliga

Match-Tiebreak

Seitdem der Match-Tiebreak 2012 bei mir in Schleswig-Holstein eingeführt wurde, habe ich noch keinen Spieler sagen hören: „Hurra, der dritte Satz wird im Match-Tiebreak gespielt. Das erhöht den Reiz des Spiels.“ Bei fast jedem Punktspiel wird über die Einführung geschimpft. Vielleicht ist die Lage in den älteren Spielklassen anders, aber in meiner Generation stößt der Match-Tiebreak auf große Ablehnung.

Der Grund für die Einführung des Match-Tiebreaks war vor allem, die Spielzeit der Punktspiele zu verkürzen. Die Erfahrung zeigt, dass die Partien fast genauso lange gehen wie vorher. Wer den Tennissport liebt, dem ist es egal, ob er an einem Samstag um 20 Uhr oder 22 Uhr zu Hause ist. Im Einzel ist durch den Match-Tiebreak eine Spielform entstanden, die nicht mehr zu hundert Prozent mit Tennis zu tun hat. Zwar macht es die Einzel spannender, aber es bevorzugt den schwächeren Spieler.

Gute Kondition, Steherqualitäten und der unbedingte Siegeswille im dritten Satz sind vor allem auf Sand nicht mehr gefragt. Der Match-Tiebreak verkommt fast zur Lotterie, wo unabhängig von der Spielstärke oft der Glücklichere und nicht der Bessere gewinnt. Ein bis zwei schlechte Minuten im Match-Tiebreak können ausreichen, um ein sonst gut gespieltes Match zu verlieren.

Ein weiterer Haken beim Match-Tiebreak ist, dass ein falsches Signal an die Zukunft des Tennissports, nämlich die Jugend, ausgesendet wird. Warum müssen die Jugendlichen, von denen einige Profiambitionen hegen, anders spielen, als sie es im Fernsehen vorgelebt bekommen? Die Wettkampfhärte bleibt hierbei auf der Strecke. Ein guter Jugendlicher kann mit der Situation überfordert sein, wenn er auf internationaler Ebene einen normalen dritten Satz spielen muss und er es nicht gewohnt ist, für eine längere Spielzeit zu trainieren. Es wird Zeit, dass dem Wunsch der meisten Punktspieler entsprochen und der Match-Tiebreak wieder abgeschafft wird.

„Krönung eines engen Matches“

Redakteur Tim Böseler, 44 Jahre, LK 13, SC Union, Hamburg, Herren 30-Verbandsklasse

Als der Match-Tiebreak nach fast 30 Jahren Punktspielen plötzlich auch mich betraf, war ich strikt dagegen. Damals, 2012, war es für mich einfach nicht vorstellbar, keinen kompletten dritten Satz mehr zu spielen. Jetzt, sieben Jahre später, kann ich dem Match-Tiebreak auch positive Aspekte abgewinnen. Klar, ich bin älter geworden und meine sportlichen Ambitionen sind nicht mehr so groß wie früher. Der springende Punkt aber ist ein anderer: Mir machen Match-Tiebreaks inzwischen Spaß!

Zu Beginn hatte ich – wie viele andere auch – regelrecht Angst vor ihnen: „Oh Gott, jeder Punkt zählt, mach bloß keine blöden Fehler jetzt, halt erstmal den Ball im Spiel!“ Die Folge war: pure Verkrampfung, gruselige Leistungen und viele Niederlagen. In den letzten zwei, drei Jahren begann ich aber, den Match-Tiebreak anders zu sehen: als finalen Sprint, als Krönung eines engen Matches, als größtmögliche Herausforderung.

Natürlich ist die Anspannung immer noch da, aber ich habe mit der Zeit gelernt, sie positiv wahrzunehmen. Das heißt nicht, dass ich jeden Match-Tiebreak gewinne. Schön wäre es! Ich sehe den Match-Tiebreak aber nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance – das hilft mir, ihn zu akzepetieren, auch wenn ich mir manchmal noch die guten alten Drei-Satz-Schlachten zurückwünsche.

Aber dann kommt bei mir die Zeitfrage mit ins Spiel. Als Vater von zwei kleinen Kindern ist es ein Unterschied, ob man abends am Wochenende nach einem Punktspiel um 21 Uhr oder um 19.30 zu Hause ist. Ja, das hättte ich früher, als ich noch keine Kinder hatte, auch nicht für möglich gehalten. Ich weiß: Die Kinder werden älter, in wenigen Jahren spielt die Zeitfrage also keine große Rolle mehr. Oder vielleicht doch? Ich werde nämlich auch älter. Und mir gefällt der Gedanke, mit meiner Tennistruppe nach einem Punktspiel schon etwas früher an der Theke sitzen zu können.

Wie gewinnt man den Match-Tiebreak? Hier finden Sie Tipps von Mentaltrainer Thomas Baschab!