Tennisarm

Schmerzen adé: Endlich Hilfe beim Tennisarm

Schmerzen im Ellenbogen, die in den Arm ausstrahlen – meistens verursachen Überlastungen einen Tennisarm. Die gute Nachricht: Es gibt inzwischen zahlreiche gute Therapien. 

Text: Gabriele Hellwig

Der Weltranglistenerste Novak Djokovic (31) plagte sich immer wieder mit Problemen am rechten Ellenbogen. Im australischen Melbourne schied er Anfang 2018 schon im Achtelfinale gegen den Südkoreaner Chung Hyeon aus. Noch schlimmer die Situation beim Wimbledon-Viertelfinale 2017: Die Schmerzen im Ellenbogen waren so stark, dass Novak Djokovic verletzungsbedingt aufgab: „Es ist nicht die Schulter, es ist der Ellenbogen, der mich schon seit anderthalb Jahren beschäftigt“, erklärte Djokovic nach dem Match: „Ich habe alles versucht, aber leider war es heute am Schlimmsten. Das muss ich akzeptieren.“ Inzwischen hat sich der serbische Tennisspieler am Ellenbogen operieren lassen und gehört wieder zu den besten Spielern der Welt. 

Schmerzen im Ellenbogen sind bei Tennisspielern keine Seltenheit. Im Gegenteil: Die häufigste Erkrankung am Ellenbogen wurde sogar nach diesem Sport benannt. Der Begriff „Tennisellenbogen“ geht auf den englischen Arzt Henry Morris zurück, der ihn im Jahr 1883 einführte („lawn tennis arm“).

Tatsächlich entwickeln rund 50 Prozent der Tennisspieler im Verlauf ihres Sportlerlebens Symptome einer sogenannten Epikondylitis, wie der Tennisellenbogen oder Tennisarm medizinisch genannt wird. Ab dem 45. Lebensjahr tritt die Erkrankung gehäuft auf. Sie betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. 

Typische Symptome sind Schmerzen im Ellenbogen, die in den Unter- und Oberarm ausstrahlen können. Hierzu kommt ein Druckschmerz am Ellenbogen. Oft ist der Ellenbogenbereich geschwollen. Die Kraft der Hand- und Fingermuskeln lässt ebenfalls nach. Leichte Gegenstände wie eine Kaffeetasse können nicht mehr ohne Schwierigkeiten angehoben werden, selbst kleine Gesten wie ein Händeschütteln tun weh. Später können die Schmerzen auch ganz ohne Belastung des Arms auftreten. Manchmal kommen weitere Symptome wie ein Kribbelgefühl in der Hand dazu.

Was ist ein Tennis-Ellenbogen?

Nimmt man es medizinisch genau, sind die Schmerzen beim Tennisellenbogen um einen kleinen Knochenvorsprung, den sogenannten Epicondylus, an der Außenseite des Ellenbogens lokalisiert. Dort setzen über Sehnen die Unterarm- und die daumenseitige Hand- und Fingerstreckmuskulatur an. Sie sind für das Bewegen von Fingern und Handgelenk zuständig. Dr. Ansgar Ilg, Orthopäde im OrthoCentrum in Hamburg, der selbst begeistert Tennis spielt: „Beim Tennisellenbogen handelt es sich um eine Überlastungsverletzung als Folge repetitiver Mikrotraumen. Diese mikrofeinen Risse entstehen, wenn die angespannten Sehnen bei stundenlangen monotonen Bewegungen ständig über den Ellenbogenknochen reiben.“

Normalerweise werden sofort Reparaturmechanismen in Gang gesetzt, wenn eine Sehne überlastet ist und dadurch Schaden an ihrer Kollagenstruktur erlitten hat. Die Durchblutung steigt, um die Heilung einzuleiten. Doch der Sehnenstoffwechsel mit einer Zellteilungszeit von acht Wochen ist sehr langsam. „Hält die Überbelastung an, wird der Heilungsvorgang gestört“, erklärt Ilg. „Dadurch können Schäden nicht ausreichend repariert werden. Es kommt zu einer Entzündung und einer Fehlheilung mit Narbenbildung in der Sehne. Man spricht auch von einer Degeneration der Sehne.“

Solche Überlastungen kommen nicht nur durch ein übermäßiges Training zustande. Vielmehr ist häufig eine falsche Technik die Ursache. Dies erklärt vielleicht auch, warum mehr Amateure als Profis im Tennissport davon betroffen sind: Profi-Tennisspieler haben in der Regel immer einen Trainer in der Nähe, der sie gegebenenfalls sofort korrigieren kann. Freizeitsportler dagegen treffen sich oft einfach unter Freunden zum Tennisspielen. Da kann sich eher eine falsche Technik einschleichen. Dazu Ilg: „Ein wesentlich auslösender Faktor für einen Tennisellenbogen ist das Spiel über die Rückhand. Gerade bei der Rückhand werden die Streckmuskeln stark beansprucht und belastet. Ein zu hart bespannter und ein zu schwerer Tennisschläger können ebenfalls für den Tennisellenbogen verantwortlich sein.“

Auch das Alter spielt eine Rolle, denn mit zunehmendem Alter lässt die Elastizität des Sehnengewebes nach. Ein erhöhtes Risiko, einen Tennisarm zu bekommen, haben Menschen, die im Berufsleben bei gebeugtem Ellenbogen gleichförmige Bewegungen ausführen müssen. Dazu zählen Handwerker, aber auch Büromenschen, die den ganzen Tag am Computer arbeiten. Manchmal wird der Tennisarm daher auch „Maus-Arm“ genannt.  

Tennisarm – So beugen Sie am besten vor

– Vor dem Tennisspielen immer gut aufwärmen und dehnen

– Videokontrollen zum Technikstudium: Das Handgelenk sollte beim Rückhandschlag keinesfalls gebeugt werden und die Schlagbewegungen sollten mit einem durchgestreckten Handgelenk erfolgen

– Der Tennisschläger sollte optimal bespannt sein

– Der Schlägergriff sollte bestens auf die Handgröße des Tennisspielers abgestimmt sein 

– Es ist besser, leichte Bälle zu verwenden

– Trainingsintensität und -dauer langsam steigern

– Regelmäßig Pausen einlegen

Beseitigung der auslösenden Ursachen 

Weil auch andere Erkrankungen typische Beschwerden wie bei einem Tennisellenbogen verursachen können, darunter Nervenreizungen, Muskelveränderungen oder eine Arthrose im Ellenbogen, ist eine genaue Diagnostik beim Orthopäden wichtig. Basis ist eine körperliche Untersuchung, der sich jeder unterziehen sollte. Bei einem Tennisarm reagiert der Knochenvorsprung an der Außenseite des Ellenbogens auf Druck. Auch die am Ellenbogen ansetzenden Muskeln können schmerzen, wenn die Finger gestreckt werden. „Drückt der Patient das Handgelenk gegen einen Widerstand nach oben, verstärken sich die Schmerzen am deutlichsten“, erläutert Ilg. „Es erfolgen auch bestimmte Nerventests zur Untersuchung der Halswirbelsäule und der Muskulatur. Gegebenenfalls sind apparative Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall und Kernspin-Tomographie angezeigt.“

Es gibt zahlreiche gute Behandlungsmethoden. „Besonders in Frühstadien spricht die Erkrankung sehr gut auf konservative Therapien an“, betont der Hamburger Orthopäde. Im Vordergrund steht die Beseitigung der auslösenden Ursachen, wenn diese bekannt sind: die Technik beim Tennisspielen verbessern, Qualität von Schläger, Bespannung und Griffstärke optimal auf den jeweiligen Spieler abstimmen.

Im akuten Stadium sind zunächst Kühlung und Ruhigstellung für mehrere Tage empfehlenswert. „Durch die Kälte lässt die Schwellung nach und die Schmerzen verringern sich“, weiß Ilg. Bei starken Bewegungsschmerzen kann eine vorübergehende Ruhigstellung in einer Orthese sinnvoll sein. Zusätzlich erhält der Patient meistens Schmerzmittel, die regelmäßig eingenommen werden müssen.

Hat der akute Schmerz nachgelassen, sollte mit Krankengymnastik begonnen werden. Muskeln und Sehnen müssen gedehnt, gekräftigt und massiert werden. Motto: Sind die Muskeln rund um den Ellenbogen kräftig, entlasten sie die Sehnen. Ilg: „Bei der Physiotherapie ist es wichtig, dass die manuelle Therapie mit (exzentrischer) Dehnung und Kräftigung kombiniert wird. Auch die Mobilisation des Schulter- und Ellenbogengelenks sowie der Handgelenke sollte mit einbezogen werden.“

Bei sehr starken Ellenbogenschmerzen empfiehlt sich ein Mittelweg

Die Infiltration verschiedener Präparate stellt einen wichtigen Bestandteil der konservativen Therapie beim Tennisarm dar. Die Injektion von Kortison an den Ansatz der Extensorensehne galt lange als „Goldstandard“. Tatsächlich beseitigt Kortison schnell und effektiv die Schmerzen. Jedoch zeigen Untersuchungen, dass es bei Wiederaufnahme der Belastung mitunter zu spontanen Sehnenrupturen kam. Offenbar schädigt Kortison das Sehnengewebe langfristig. Eine andere Theorie geht davon aus, dass die hohe Rückfallrate nach Kortisoninjektionen dadurch zustande kam, dass die Patienten sich aufgrund der plötzlichen Schmerzfreiheit nicht lange genug schonten. Ansgar Ilg: „Leidet der Patient unter sehr starken Schmerzen im Ellenbogen, empfiehlt sich meistens ein Mittelweg: Der Patient erhält eine einmalige Kortisoninfiltration, auf wiederholte Einspritzungen sollte aber verzichtet werden.“ 

Verschiedene Studien zeigen, dass auch Botulinum Toxin die Schmerzen reduzieren kann. Das Nervengift legt Muskeln und Sehnen zwei bis drei Monate lahm, sodass sie sich erholen können. Aufgrund möglicher Komplikationen wie Nervenirritiationen  mit Störungen der Sensibilität und Motorik wird diese Therapie in der Sportmedizin kaum mehr durchgeführt.

Vielversprechender scheinen da Injektionen mit körpereigenen Wachstumsfaktoren zu sein. Bei der Behandlung mit „Platelet Rich Plasma“ (PRP) oder „Autologous Conditioned Plasma“ (ACP) werden entzündungshemmende Wachstumsfaktoren und schmerzlindernde Botenstoffe aus dem Blut des Patienten in einer Zentrifuge aufbereitet und isoliert. Anschließend können sie dann in konzentrierter Form direkt an das degenerativ veränderte Sehnengewebe gespritzt werden. „Untersuchungen zeigen, dass mithilfe dieser aufbereiteten konzentrierten Wachstumsfaktoren das geschädigte Gewebe schneller und besser ausheilt und regeneriert“, sagt Ilg.   

Stoßwellentherapie reduziert Schmerzen

Studien zeigen, dass auch die Stoßwellentherapie effektiv und sicher ist, wobei mindestens drei Therapieeinheiten im Abstand von einer Woche für ein optimales Ergebnis durchgeführt werden sollten. Bei der Stoßwellentherapie werden hochenergetische Schallwellen auf den schmerzenden Sehnenansatz geleitet. Durch die Wellen können Schmerzen reduziert und die Heilung angeregt werden. 

Eine weitere Therapieoption stellt die sogenannte Epicondylitis-Spange dar. Diese übt Druck auf die Muskulatur aus und führt zu einer leicht veränderten Zugbeanspruchung am schmerzhaften Sehnenansatz. Eine Epicondylitis-Spange sollte über mehrere Stunden täglich insbesondere bei Belastung getragen werden. Eine Handgelenksmanschette wäre eine Alternative. Diese wird nur in der Nacht getragen und soll eine übermäßige Beugung im Handgelenk während des Schlafs verhindern. 

Nur wenn alle Therapieversuche die Schmerzen und Beschwerden auch nach mehreren Monaten nicht beseitigt haben, wird der Arzt zu einer Operation raten. Es gibt verschiedene Operationsverfahren: Bei der offenen Operation nach Nirschl werden bestimmte Strecksehnen des Handgelenkes und der Finger über einen etwa drei Zentimeter langen Schnitt vom Knochenansatz am Ellenbogen gelöst, erkranktes Gewebe wird entfernt. Über kleinste Knochenbohrungen wird die Durchblutung und das Einwandern von Stammzellen stimuliert. Danach werden die Sehnen neu vernäht. Dadurch lässt die Spannung nach, die Schmerzen reduzieren sich. Außerdem werden bei dieser Methode schmerzübertragende Nerven der Knochenhaut verödet. Als Alternative gibt es einen arthroskopischen Eingriff, bei dem über winzige Schnitte operiert wird. Ilg: „Über den kleinen Zugang wird das erkrankte Gewebe eingekerbt und entfernt.“ 

Übungen beim Tennisarm – Zur Behandlung und Vorbeugung

Übung 1: Dehnen

Beim Stretching wird die Streckmuskulatur des Handgelenks am Unterarm gedehnt. Stretching verbessert die Beweglichkeit von Arm und Handgelenk. Für die Übung den betroffenen Arm ausstrecken, der Handrücken zeigt zur Decke. Das Handgelenk lockerlassen, sodass die Hand nach unten fällt. Mit der anderen Hand die Hand des betroffenen Arms zum Körper ziehen. Die Dehnung für 30 bis 45 Sekunden halten. Etwa 30 Sekunden Pause machen. Die Übung dreimal wiederholen. Dehnübungen sind etwa zweimal am Tag sinnvoll.

Dehnen

Übung 2: Exzentrisches Training 

Das sogenannte exzentrische Training eignet sich hervorragend zur Behandlung und Vorbeugung beim Tennisarm. Dafür einen Trainingsstab oder einfach ein zusammengerolltes Handtuch vor dem Körper mit beiden Händen umfassen. Die Hand der nicht betroffenen Seite dreht den Übungsstab soweit wie möglich nach vorn (wie beim Starten eines Motorrades). Das Handgelenk der erkrankten Seiten bleibt zunächst in der Ausgangsposition. Dann dreht die Hand der erkrankten Seite ebenfalls nach vorne. Am Ende stehen beide Hände wieder parallel zueinander. Beginnen Sie mit 15 Wiederholungen täglich. Später auf 2 x 15 bzw. 3 x 15 Wiederholungen pro Tag steigern.

Exzentrisches Training

Übung 3: Muskeln sanft stärken

Nehmen Sie eine Hantel in die Hand. Den betroffenen Arm auf einen Tisch legen, die Hand mit der Hantel über die Tischkante hängen lassen, sodass der Handrücken nach oben zeigt. Heben Sie die Hantel an (beziehungsweise helfen Sie gegebenenfalls mit der freien Hand, die Hantel soweit wie möglich nach oben anzuheben). Dann die Hand mit der Hantel langsam absenken. Das langsame Abbremsen der Belastung stärkt die Muskulatur. 10- bis 15-mal wiederholen. Am besten die Übung zweimal mit den entsprechenden Wiederholungen ausführen. Exzentrische Übungen macht man am besten dreimal täglich.

Muskeln sanft stärken