Tennis – Fuß

Tennis: Mit dem Fuß umgeknickt – was nun?

Tennis ist ein schneller Sport, mit vielen Richtungswechseln und ­markanten Stopps. Da läuft man leicht Gefahr, mit dem Fuß ­umzuknicken. Aber das „Umknicktrauma“, eine Verstauchung also, sollte nicht bagatellisiert werden. Denn nur eine richtige Behandlung beugt einer dauerhaften Instabilität des Sprunggelenks vor.

Erschienen in der tennis MAGAZIN-Ausgabe 4/2019

Text: Gabriele Hellwig
Foto: iStock

Alexander Zverev verpasst das ATP-Turnier in Rotterdam. Eine Fußverletzung zwingt Deutschlands besten ­Tennisprofi zur Absage – diese Nachricht schreckte im Februar die Tenniswelt auf. Was war passiert? Der Weltranglistendritte war beim Training in Melbourne zu Beginn des Jahres umgeknickt. Zum Glück fühlte sich Alexander Zverev schon bald wieder fit.

Weitaus schwerwiegender war die Umknick-Verletzung von Michael Stich beim ATP-Turnier in Wien 1995: Stich spielte im Viertelfinale gegen den Australier Todd Woodbridge. Bei einem Sprint zum Ball knickte Stich so böse um, dass er laut aufschrie und sich vor Schmerzen krümmte. 

Alexander Zverev und Michael Stich sind keine Einzelfälle. Im Gegenteil: Der „umgeknickte Fuß“ zählt zu den häufigsten Sportverletzungen. Täglich knicken in Deutschland etwa 10.000 Menschen mit dem Sprunggelenk um. Tennis gehört zu den Hochrisikosportarten. 

Das oft als Lappalie abgetane „Fuß verstaucht“ darf nicht unterschätzt werden. Denn jedes Umknicken verursacht mehr oder weniger starke Verletzungen. Vor allem die Bänder im Sprunggelenk werden beim Umknicktrauma in Mitleidenschaft gezogen: die Außenbänder, das Innenband sowie die Syndesmosebänder (s. Infokasten rechts). 

Dr. Johannes Holz, Orthopäde und Sportmediziner im OrthoCentrum Hamburg und Chefarzt der Klinik Manhagen: „In bis zu 85 Prozent der Fälle knickt der Knöchel nach innen um und das Außenband reißt. Das Verhältnis Außenbandriss zu Innenbandriss liegt bei 10:1.“ 

Das Ausmaß der Schädigung hängt davon ab, wie stark der Sportler umknickt. Dr. Holz: „Bei leichteren Umknicktraumen werden die kollagenen Fasern eines Bandes des Sprunggelenks lediglich überdehnt. Im Idealfall kehren die Gelenkstrukturen anschließend in ihren Ausgangszustand zurück. Bei starker Überdehnung kann es zum teilweisen oder gar kompletten Riss der Bänder kommen.“ Auch die Gelenkkapsel sowie der Gelenkknorpel können beim Umknicken geschädigt werden. Manchmal bricht zusätzlich der Außenknöchel.

Besonders bei geringen Schmerzen sieht der Betroffene oft nicht die Notwendigkeit, zum Arzt zu gehen. Häufig brechen Patienten mit einem Umknicktrauma auch vorschnell die Behandlung ab, weil sie sich wieder fit genug fühlen. Ein klarer Fehler, wie Untersuchungen zeigen: Bis zu 40 Prozent der Patienten mit Sprunggelenksverletzungen klagen auch drei Jahre nach der Verletzung noch über chronische Beschwerden. Sie haben Schmerzen, fühlen sich unsicher oder knicken nach dem ersten Trauma immer wieder um. 

Im Idealfall sieht die Behandlung folgendermaßen aus:

PECH-Schema
Im Akutfall wird die PECH-Regel (P=Pause, E=Eis, C= C(K)ompression, H= Hochlagerung) angewendet. Das Sprunggelenk sollte geschont, gekühlt und hochgeleht werden. Ein Verband stützt die verletzten Strukturen.

Ruhigstellung
Unmittelbar im Anschlusssollte das Sprunggelenk mit einem funktionellen Tape-Verband oder einer Schiene ruhiggestellt werden.

Kältereiztherapie
Neu ist die „Cryofos-Therapie“. Dr. Holz: „Das Cryofos-Gerät versprüht unter Druck ein CO2-Gemisch auf die Haut. Der Bereich wird so bis auf zwei bis vier Grad herabgekühlt. Dies lindert Schmerzen und Schwellung. Die anschließende Erwärmung der Haut führt dazu, dass Entzündungsstoffe schneller abtransportiert werden.“

Physiotherapie Mit speziellen Bewegungs­übungen wird das Sprunggelenk aktiv stabilisiert. Meistens trägt der Sportler in der übungsfreien Zeit weiter die Bandage oder Orthese.

Eigenblut-Plasmatherapie 
Bei der ACP-Therapie (ACP = Autologous Conditioned Plasma) nutzt man die körpereigenen Wachstumsfaktoren im menschlichen Blut. „Die Heilungs- und Aufbauprozesse im geschädigten Gewebe werden angeregt, der Patient ist schneller wieder fit“, sagt Dr. Holz.

Injektionen  Oft hilft eine Infiltration (Umspritzung) des Gewebes. Dr. Holz: „Bewährt haben sich bei Bänderrissen vor allem Injektionen mit Hyaluronsäure, ACP oder Enzymen.“ 

Neue OP-Methode beim Syndesmoseriss

Eine Operation ist vor allem notwendig, wenn mehrere Bänder verletzt sind oder das Syndesmose­band vollständig gerissen ist. Zur Therapie des Syndesmoserisses gibt es jetzt eine neue, schonende Operationsmethode: ein dynamisches Plättchen-Faden-System („Tight Rope“). 

Bisher war es üblich, das Band einfach zusammenzunähen und mit einer Stellschraube zu stabilisieren. Dr. Holz: „Nachteil dieser Behandlung ist eine sehr lange Heilungsphase, denn das Band wird kaum durchblutet. Der Sportler muss lange pausieren. Außerdem ist die genähte Syndesmose anfangs nicht stabil. Bei starker Belastung droht ein neuer Riss. Mitunter bricht bei Überlastung sogar die Schraube.“ Weiterer Nachteil: Ein zweiter Eingriff zur Entfernung der Schraube ist notwendig. Das neue „Tight Rope“-System sorgt dagegen für eine große, dauerhafte Stabilität. Außerdem braucht man nur einen Eingriff. Dr. Holz erläutert: „Mit einem speziellen Doppelfaden werden beide Knochen zusammengezogen und festgehalten. Damit die Fäden nicht verrutschen, werden Mini-Metallplättchen an Schien- und Wadenbein verankert. Die Titan-Plättchen und Fäden können im Körper verbleiben. Es ist somit kein zweiter Eingriff zur Entfernung der Plättchen oder Fäden notwendig.“ 

Vorbeugen ist möglich

Vor dem Sport immer gründlich aufwärmen und die Wadenmuskeln dehnen. Achten Sie auf gut sitzende Tennisschuhe. Nur sie bieten optimalen Halt. Wer bereits einen Bänderriss hatte, kann beim Training und auch bei Turnieren stützende Bandagen tragen. Langfristig stärken zum Beispiel Balance-Übungen auf einem Kippbrett die Muskeln rund um das Sprunggelenk und verbessern ihr Zusammenspiel. 

Infos Sprunggelenk

Das Sprunggelenk verbindet die Unterschenkel- mit den Fußknochen. Es besteht aus zwei Teilen: dem oberen und dem unteren Sprunggelenk. Das obere Sprunggelenk ermöglicht es, den Fuß nach oben und unten sowie ein wenig auch zur Seite zu bewegen. Das untere Sprunggelenk ist weniger beweglich als das obere Sprunggelenk. Es ermöglicht, den Fuß leicht seitlich zu kippen. Die Bänder des Sprunggelenks verbinden die Knochen fest miteinander. Sie sind robust und elastisch zugleich, da sie sowohl die Stabilität des Gelenkes als auch die Beweglichkeit unterstützen müssen. An der Außenseite des Knöchels verlaufen drei Außenbänder und an der Innenseite das Innenband, das aus vier Strängen besteht. Dann gibt es noch zwei Syndesmosebänder: ein vorderes und hinteres. Vor allem das vordere Syndesmoseband trägt wesentlich zur Stabilität des gesamten Beines bei. Es liegt wenige Zentimeter oberhalb der Knöchel und hält das untere Schienbein und das Wadenbein zusammen.