Maximilian Marterer

Maximilian Marterer exklusiv: „Ich habe mir das vor dem Turnier erträumt“

Maximilian Marterer ist aus deutscher Sicht die Überraschung dieser Australian Open. Für das tennis MAGAZIN hat sich der Youngster aus der Nähe von Nürnberg exklusiv Zeit genommen, um das verrückte Spiel gegen Fernando Verdasco Revue passieren zu lassen. Ein Gespräch über Ähnlichkeiten zum Spanier, Schlafprobleme in Melbourne, einen ungewöhnlichen nächsten Gegner und das große Ziel Davis Cup.

tennis MAGAZIN: Herr Marterer, nach dem Fünfsatz-Krimi in der zweiten Runde gegen Fernando Verdasco: Kann ein Spieler danach überhaupt einschlafen?

Maximilian Marterer: Das Einschlafen war gar nicht das Problem, der Zeitpunkt schon eher. Bei mir war es da schon Freitag 2:30 Uhr morgens, bis ich eingeschlafen bin. Früh aufgewacht bin ich dann ebenfalls, weil ich meine Beine ganz gut gespürt habe mit Muskelkater beim Aufstehen. (schmunzelt)

tennis MAGAZIN: Trotz Regeneration mit allem, was da so dazugehört?

Marterer: Ja, trotzdem. Ich hatte mehr als eine Stunde Physiotherapie, von Massage über Stretching bis hin zu speziellen Punkten. Danach musste ich noch etwas Essen in der Cafeteria der Spieler und gegen 1 Uhr nachts ging es ins Hotel.

tennis MAGAZIN: Fühlen sich diese Tage von Melbourne etwas unwirklich an, oder sind die Erfolge hier schlichtweg das Resultat harter Arbeit?

Marterer: Ich würde sagen von beidem ein bisschen. Ich habe mir vor dem Turnier natürlich erträumt, dass ich zwei, vielleicht drei Runden gewinnen kann und zugetraut ebenfalls. In mir drinnen wusste ich, dass ich dieses Niveau habe. Dass die Umsetzung so hervorragend geklappt hat, erfüllt mich natürlich mit Stolz.

tennis MAGAZIN: Sie haben in der Vergangenheit bereits Matches in der Qualifikation von Grand Slams gewonnen. Schwirrte diese Serie von 14 Erstrundenniederlagen in Serie auf ATP-Ebene dennoch auch hier im Hinterkopf?

Marterer: So richtig war der Bann nach dem Erstrundenerfolg gegen Cedric-Marcel Stebe gebrochen. Diesen Sieg habe ich einfach mal benötigt. Dadurch war ich in der zweiten Runde gegen Verdasco recht entspannt und ausgeglichen und konnte das Spielerische abrufen. Vor allem habe ich mich in den engen Situationen nicht zurückgezogen, sondern bin offensiv geblieben. Das war letztlich der Schlüssel zu Erfolg.

tennis MAGAZIN: Apropos Verdasco: Ist der erfahrene Spanier, wie Sie Linkshänder, jemand, an dem Sie sich spielerisch orientieren können?

Marterer: Generell haben wir auf jeden Fall spielerische Ähnlichkeiten – vor allem mit der Vorhand. Mit der können wir beide Druck entwickeln, Spinvariationen abrufen, aber auch flache, schnelle Bälle spielen. Insofern war das ein sehr variables und ähnliches Spiel von uns beiden.

tennis MAGAZIN: Ist Ihr Handy nach dem Überraschungssieg von den vielen Glückwünschen explodiert?

Marterer: (lacht). Kann man so sagen. Da sind natürlich viele, viele Nachrichten eingegangen, über die ich mich sehr, sehr freue und die mich natürlich auch motivieren.

tennis MAGAZIN: Unter normalen Umständen könnten Sie sich jetzt zurücklehnen als krasser Außenseiter in Runde drei. Doch Ihr nächster Gegner lautet nicht Stan Wawrinka, sondern der ähnlich in der Weltrangliste notierte amerikanische Qualifikant, Tennys Sandgren.

Marterer: Ja, das ist schon verrückt.

tennis MAGAZIN: Erhöht das nicht den Druck ein bisschen?

Marterer: Ich verspüre im Moment gar kein Druck. Die Siege haben mir viel Selbstvertrauen gegeben.

tennis MAGAZIN: Ihm aber sicher auch.

Marterer: Ja, bestimmt. Er hat toll gespielt, wir hatten eine gute Auslosung. Für uns beide tut sich da natürlich eine Riesenchance auf, in die zweite Runde eines Grand Slams einzuziehen. Er hat jahrelang nur Future und Challenger gespielt, aber im vergangenen Jahr hat er sich extrem verbessert.

tennis MAGAZIN: Und wie sah und sieht der Zeitplan bis zum Spiel am Samstag aus?

Marterer: Dass ich lange geschlafen habe, wissen Sie ja jetzt. (schmunzelt). Danach ging es auf die Anlage, wo ich mich noch mal habe behandeln lassen. Dann ging es zum Training, aber bei der Hitze haben wir lediglich 40 Minuten absolviert. Danach lasse ich es hier ruhig angehen. Ich bin auch kein abergläubischer Mensch, der einem bestimmten Ablauf nachgehen muss.

tennis MAGAZIN: Sie werden seit dieser Saison ausgerechnet von Davis Cup-Teamchef Michael Kohlmann betreut. Sprechen Sie nach diesen Leistungen über eine Nominierung?

Marterer: Gespräche gab es konkret noch keine. Natürlich mache ich mir Gedanken, ob ich eine generelle Option für das Team sein kann.

tennis MAGAZIN: Würden Sie denn aufschlagen, wenn Sie gefragt würden?

Marterer: Ja, ich würde auf jeden Fall spielen und alles dafür geben, erfolgreich zu sein. Das ist eines meiner gesteckten Ziele, Davis Cup-Spieler zu werden und für Deutschland zu spielen. Sparringspartner war ich bereits, aber jetzt gilt es, einfach abzuwarten.

Jannik Schneider traf Maximilian Marterer (links) vor dem Drittrundenmatch bei den Australian Open.

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