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Voll, voller, Melbourne Park. Mehr als 100.000 Menschen sind pro Tag auf der Anlage.Bild: Imago/Hasenkopf

Happy Slam? Nicht für alle!

Der Melbourne Park bei den Australian Open ist so voll wie noch nie. Gut für die Kasse, aber der Spaßfaktor leidet erheblich.

Wer dieser Tage Tennis bei den Australian Open gucken möchte, nicht vor dem Fernseher bei Channel 9, sondern live in den Stadien, kommt sich vor wie auf deutschen Autobahnen im Hochsommer Richtung Süden. Es ist voll. Unfassbar voll.

Jeden Tag sendet die Media-Abteilung neue Rekordwerte. Am Sonntag, als das Turnier begann, waren es mehr als 73.000 Menschen auf der Anlage am Yarra River. Absoluter Rekord. Wohlgemerkt in der Day Session. Kombiniert mit der Night Session pilgerten mehr als 100.000 ins australische Tennis-Heiligtum. Am Montag waren es zwar tagsüber ein bisschen weniger, aber irgendwann mischen sich die Fans mit Tages- und Abendkarten. Insgesamt waren sogar mehr Zuschauer als am Vortag da: 101.696. Zum Vergleich: So viele kamen inklusive Quali zu besten Zeiten zum damaligen Masters-Turnier von Hamburg – in neun Tagen.

Jahrelang standen die French Open in der Kritik. Zu viele Zuschauer für eine zu kleine Anlage. Melbourne toppt alle Rekorde in puncto Gedränge. Überfüllte Trams, die die Fans gratis zur Anlage bringen. Viele haben keine Chance mitzufahren. Schon am Federation Square, gefühlt einen Kilometer entfernt, stehen die Fans an. Ein Pilgerstrom mit Hüten, Rucksäcken und Sonnencreme auf der Haut.

Bis zu zwei Stunden dauert es für viele, bis sie die Security hinter sich haben und drin sind. Die vielzitierte Queue in Wimbledon, im Grunde das Symbol fürs Warten auf Tennis-Highlights, wirkt dagegen entspannt. Okay, es dauert länger. Aber die Fans im Südwesten von London haben auch noch keine Tickets. Die meisten Menschen hier in der Schlange haben bereits Groundtickets, für rund 65 australische Dollar, oder sogar Karten für Showcourts.

Gedränge überall: vor den Courts, vor den Shops

Innendrin ist es nicht viel besser. Warten, warten, warten. Vor den Courts. Vor den Shops. Vor den Ständen, wo es Drinks und Essen gibt. Kein Platz auch vor den riesigen Screens. Happy Slam hat Roger Federer die Australian Open mal getauft. Weil das Wetter so gut ist. Weil alle gut drauf sind. Weil es nach der Winterpause ein Wiedersehen der Profis gibt. Happy ist es für die, die in klimatisierten Räumen sitzen oder Tickets für Rod Laver, Margaret Court oder die John Cain Arena haben. Die anderen leiden.

Am Montag spielte etwa auf Court 5 der Aufsteiger Learner Tien gegen Marcos Giron – kaum eine Chance auch nur einen Ausschnitt des Platzes zu sehen. Es sei denn man verrenkt sich und erklimmt seitlich die Stehtribüne, hält sich dann am Gitter fest. Auf Court 8 spielt Marin Cilic gegen Daniel Altmaier – das Gros muss draußen bleiben. Die kroatischen Fans haben sich rechtzeitig die Plätze gesichert.

„Ich hätte nicht gedacht, dass wir so einen Andrang erleben werden“, sagt Turnierchef Craig Tiley und verspricht Besserung. Er kann froh sein, dass bislang nichts Nennenswertes passiert ist. Versicherungstechnisch hätte es zum Desaster werden können.

Die Australian Open sind Craigs Lebenswerk. Der Südafrikaner, der dieses Jahr 65 wird, hat neue Maßstäbe in Sachen Fan-Erlebnis gesetzt.

Er hat die Schraube überdreht. Nur ums Tennis gucken geht es längst nicht mehr. Gut möglich, dass es für Craig die letzten Australian Open sind. Die USTA, der amerikanische Verband, möchte ihn verpflichten. Wenn es so kommt, werden die US Open wahrscheinlich noch mehr Geld machen – aber viele Fans unhappy sein.