Boris Becker – Australian Open 1996

Boris Becker gewann bei den Australian Open 1996 seinen sechsten und letzten Grand-Slam-Titel. Bild: Imago/Jürgen Hasenkopf

Australian Open: Boris Becker und sein letzter Grand-Slam-Titel

Vor 30 Jahren gewann Boris Becker bei den Australian Open 1996 als letzter deutscher Spieler einen Titel bei einem Grand-Slam-Turnier.

Der 28. Januar hat besondere Bedeutung in der Karriere von Boris Becker. Am 28. Januar 1991 führte er erstmals die Weltrangliste auf der ATP-Tour an, fünf Jahre später gewann er bei den Australian Open 1996 seinen letzten Grand-Slam-Titel.

Als Nummer vier der Setzliste ging Becker ins Turnier in Melbourne. Und wie so oft war es ein Stotterstart für den Deutschen in ein Grand-Slam-Turnier. In der ersten Runde gegen den noch eher unbekannten Briten Greg Rusdeski brauchte er fünf Sätze fürs Weiterkommen.

Boris Becker, der Überlebenskünstler

Auch in der zweiten Runde wurde Becker seinem Ruf als Überlebenskünstler gerecht. Gegen den Schweden Thomas Johannson (späterer Australian-Open-Sieger im Jahr 2002) verlor er die ersten beiden Sätze mit 4:6, 3:6. Als er im dritten Satz beim Stand von 2:2 ein 0:40 bei eigenem Aufschlag gegen sich hatte, kam es zur spielentscheidenden Szene. Becker spielte beim ersten Breakball einen Volley hauchzart auf die Linie, den Johansson im Aus klar im Aus sah.

Johansson diskutierte daraufhin mit dem Schiedsrichter. Der Schwede verlor völlig die Konzentration, was Becker eiskalt ausnutzte. Er brachte sein Aufschlagspiel durch und siegte schließlich mit 4:6, 3:6, 6:2, 6:1, 6:4. „Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Ich bin nur froh, dass ich es überlebt habe“, sagte Becker nach seinem Zittersieg und prophezeite: „Hier passiert noch was, ich spüre das. Bei mir geht es wieder los.“

Und wie es losging! Becker steigerte sich im Turnierverlauf immer mehr, profitierte auch von dem frühen Aus von Pete Sampras und der Halbfinalniederlage von Titelverteidiger Andre Agassi. So stand ihm im Endspiel ein Spieler gegenüber, gegen den er gerne spielte: Michael Chang aus den USA.

Der Finalsieg in vier Sätzen (6:2, 6:4, 2:6, 6:2) war schließlich nur Formsache für Becker. Umso verhalten fiel auch sein Siegesjubel über seinen zweiten Australian-Open-Titel und dem sechsten Grand-Slam-Triumph aus.

Boris Becker: „Meine Tage sind gezählt”

„Um ehrlich zu sein, ich habe nicht gedacht, dass ich noch einen Grand­-Slam­-Titel in mir habe“, überraschte Becker mit ehrlichen Worten in seiner Siegerrede. „Meine Tage sind gezählt, deine nicht“, sagte Becker gegenüber seinem Finalgegner Chang. Es blieb tatsächlich der letzte Grand-Slam-Titel von Becker, der allerdings fünf Monate später weiterhin in starker Form war und sehr gute Chancen auf einen weiteren Wimbledontitel gehabt hätte, wenn er sich nicht in der dritten Runde am Handgelenk verletzt hätte und aufgeben musste.

Angelique Kerber: Mit Beule zum Titel bei den Australian Open

Beckers Australian-Open-Titel ist bis heute der letzte deutsche Grand-Slam-Titel im Herren-Einzel. Zwei weitere Deutsche spielten seitdem noch um einen Grand-Slam-Pokal: Rainer Schüttler (Australian Open 2003) sowie Alexander Zverev (US Open 2020, French Open 2024 und Australian Open 2025).