Stille Stärke: Warum Naomi Osaka meine Lieblingsspielerin ist
Naomi Osaka ist im Damentennis weiterhin einer der größten Namen überhaupt. Für unsere Praktikantin ist sie aber noch viel mehr – eine Verneigung.
Ich bewundere Naomi Osaka nicht nur für ihren explosiven Spielstil, sondern auch für das, was sie abseits des Tennisplatzes verkörpert. Während viele Athleten womöglich versuchen, den wachsenden Druck zu überspielen, bleibt Osaka transparent. Sie scheut sich nicht davor, Verletzlichkeit zu offenbaren und darüber zu sprechen. Dadurch macht sie deutlich: Auch Profisportler können offen mit ihren mentalen Belastungen umgehen.
Ihre Authentizität zeigt sich auch in Interviews, in denen sie öffentlich über ihre Unsicherheiten oder auch den Umgang mit ihrer mentalen Gesundheit spricht. Hierbei wendet sich die 28-Jährige gelegentlich auch direkt an ihre Fans und zeigt ihre Gefühle ganz konkret, wie bei ihrem Comeback im Jahr 2024.
Naomi Osaka: Die Wiedergeburt eines Champions
PR-Experte über Naomi Osaka: „Ihre Echtheit verkauft sich gut“
Nach ihrer Babypause tut sie sich teilweise schwer damit, ihre vorgenommenen Ziele zu erreichen und musste viele enttäuschende Niederlagen einstecken. Danach wand sie sich in einem nahbaren Instagram-Post an ihre Follower. ,,Ich fühle mich, als wäre ich nicht in meinem eigenen Körper“, schrieb sie dort und versucht anschließend die richtigen Worte zu finden, um ihre Gefühlslage zu beschreiben.
Das ist aber nicht das erste Mal, dass sich die ehemalige Nummer eins so offen zeigt. Bereits vor ihrer Babypause sprach sie öffentlich darüber, dass sie an Depressionen leide. So betont sie erneut: Stärke beweist sie nicht nur auf dem Tennisplatz, sondern auch im Privaten. Denn Rückzüge, Pausen oder schlechte Phasen dürfen auch Teil einer Karriere sein.
Naomi Osaka: eine Stärke, die nicht jeder hat
Gerade das, macht sie für mich zu einer bewundernswerten Person und auch zu einem Vorbild. Ich denke, es braucht große Stärke, um sich der Öffentlichkeit so verletzlich zu zeigen. Stärke, die nicht jeder hat. Denn Osaka setzt so auch ein Zeichen. Ein Zeichen für all jene, die vielleicht mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, aber bisher nicht den Mut hatten, darüber zu reden.
Aber auch wenn es um das Wohlbefinden anderer geht, zeigt sich die Japanerin von einer sehr menschlichen Seite. Ich erinnere mich gut an ihren Einsatz gegen Polizeigewalt bei den US Open 2020. Ohne viel Zirkus und mit unmissverständlicher Message verließ sie den Platz nach jedem gewonnenen Match mit einem Mundschutz, der die Namen von Opfern von Polizeigewalt trug. Ein klares Statement.
𝐖𝐔𝐍 𝐎𝐅 𝐎𝐍𝐄 pic.twitter.com/EZ5NckgnW8
— NaomiOsaka大坂なおみ (@naomiosaka) January 20, 2026
Naomi Osaka: stets authentisch
Naomi Osaka wirkt auf mich daher stets authentisch. Sie verändert sich nicht und bleibt sich selbst treu. Dies machte sie bei den Australian Open 2026 erneut deutlich, bei denen sie – wieder einmal – durch ihre extravaganten Outfits auffiel. Sie nutzt den Tennisplatz als Laufsteg und unterstreicht damit ihre besondere Persönlichkeit. Dabei ist ihr völlig egal, wie andere das vielleicht finden. Klar strukturiert und kompromisslos offensiv – wie immer eben.

Was für ein Einmarsch: Naomi Osaka begeisterte in ihrem Outfit die Fans bei den Australian Open 2026.Bild: IMAGO
Diese Eigenschaft wird auch in ihrer Art zu spielen schnell deutlich. Vor allem ihre Vorhand ist eine echte Waffe. Geprägt von klarer Offensive und Durchschlagskraft verschafft sie sich, auch durch ihren enorm starken Aufschlag, früh Vorteile. Durch diese Effizienz und Präzision setzt sie die Gegner schnell unter Zeitdruck.
Naomi Osakas kraftvolles, entschlossenes Spiel steht aber nicht im Gegensatz zu ihrer Offenheit. Im Gegenteil. Meiner Meinung nach ist es eine logische Schlussfolgerung. Die gleiche Kraft, mit der sie auf dem Tennisplatz agiert und dort ihre Entscheidungen trifft, hilft ihr auch abseits des Courts mit Druck, Ängsten und Erwartungen umzugehen.
Ihre innere Stärke besteht nicht aus Verdrängung, sondern in einem bewussten Umgang mit Belastung. Das macht sie für mich zu meiner persönlichen Nummer 1, denn sie verdeutlicht, dass sportliche Stärke und mentale Offenheit kein Widerspruch sind. Vielmehr ist dies ein notwendiger Kompromiss, der vielleicht sogar eine neue Form der Stärke hervorbringt.
Stella Papadopoulos ist 22 Jahre alt und studiert an der Hochschule für angewandtes Management Journalismus. 15 Jahre lang spielte sie außerdem leidenschaftlich gerne Tennis beim TC Grün-Weiß Rotenburg. Um ihre beruflichen und privaten Interessen zu kombinieren, absolviert sie hier nun ein achtwöchiges Praktikum beim tennis MAGAZIN.
