Hitze-Trick: Warum Coco Gauff ihre Tennisschläger in den Kühlschrank legt
Die Hitze in Roland Garros führt zu ungewöhnlichen Maßnahmen der Profis – Coco Gauff wandte dabei einen besonderen Trick für ihre Tennisschläger an.
Westeuropa erlebt gerade die erste Hitzewelle des Jahres. Davon betroffen ist vor allem Frankreich, in 13 westfranzösischen Departements wurde die Warnstufe „Orange“ ausgesprochen. Örtlich sind Temperaturen von 39 Grad möglich.
Ganz so heiß ist es in Paris nicht. Doch auch im Stade Roland Garros, beim zweiten Grand Slam-Turnier des Jahres, stiegen die Temperaturen auf bis zu 34 Grad an – im Schatten wohlgemerkt. In ganz Frankreich fielen am Pfingstmontag die Temperaturrekorde für den Monat Mai auf. Meteo France, der französische Wetterdienst, sprach von „einer Hitzewelle, die bemerkenswert durch ihren frühen Beginn und ihre lange Dauer“ sei.
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„Es ist wirklich sehr warm“, sagte der französische Spieler Arthur Rinderknech nach seinem Sieg am Montag. „An solche Temperaturen bei den French Open in Paris sind wir nicht gewöhnt.“ Das medizinische Personal von Roland Garros behandelte am Montag 25 Menschen und bis zum frühen Dienstagnachmittag etwa 15 weitere, sagte der Feuerwehr- und Sicherheitsbeauftragte Michel Franco Durand. „Wir hatten Schlimmeres erwartet“, fügte er hinzu.
„Lief wie ein Zombie herum“
Casper Ruud empfand die Bedingungen als besonders schwierig, als er am Montag Roman Safiullin in einem Fünf-Satz-Marathon besiegte. Er sagte, er habe sich „wie bei einem Hitzschlag“ gefühlt. „Im vierten Satz war mir zeitweise wirklich schwindelig, ich war extrem müde und lief wie ein Zombie herum“, fügte er hinzu. Ruud hatte 6:2, 7:6, 5:3 und 40:0 geführt, vergab insgesamt fünf Matchbälle und verlor elf Spiele in Serie. Erst im fünften Satz berappelte er sich wieder und gewann schließlich 6:2, 7:6, 5:7, 0:6, 6:2. Der Kanadier Gabriel Diallo gab indes wegen der extremen Hitze in der ersten Runde auf. „Es wurde schlimmer und schlimmer“, klagte er.
Um sich vor der Hitze zu schützen, suchen die Profis – wenn irgendwie möglich – schattige Stellen auf, spielen mit Kappe, legen sich beim Seitenwechsel Eis-Packs sowie gekühlte Handtücher auf die Schultern und ins Gesicht, trinken literweise aus ihren Wasserflaschen und erneuern regelmäßig ihren Sonnenschutz für die Haut. Titelverteidigerin Coco Gauff allerdings wandte einen bisher kaum gesehenen Hitze-Trick in ihrem Auftaktmatch am Dienstag gegen US-Landsfrau Taylor Townsend an: Sie lagerte ihre Schläger für die Partie im Kühlschrank, in dem sonst die Getränke und Eis-Packs aufbewahrt werden.
Coco Gauff und der Kühlschrank-Trick
Aber warum macht Gauff das? Grundsätzlich muss man wissen, dass die extreme Hitze sich nicht nur auf Tennisprofis und Fans auswirkt, sondern sie beeinflusst auch den Platz und damit das Spiel an sich. Die Bälle fliegen schneller, denn je heißer die Luft wird, desto weniger dicht ist sie – sprich: der Luftwiderstand ist geringer. Die Bälle springen auch höher ab, weil die hohen Temperaturen die Luft im Ballinneren erwärmen, wodurch sich die Luft ausdehnt und der innere Druck zunimmt. Härtere Bälle haben einen höheren Absprung. Hinzukommt, dass der Platz – oder genauer: die oben aufliegende rote Asche („terre battue“) – schneller austrocknet. Der Sandplatz wird härter und damit auch schneller.
Vorjahressiegerin Gauff passt sich diesen verändernden Parametern an, indem sich dafür sorgt, dass ihre frisch besaiteten Tennisschläger nicht die zuvor gewünschte Spannung verlieren. Genau dafür sorgt nämlich die Kälte des Kühlschranks. Denn wenn die Saiten zu viel Hitze abbekommen, werden sie weicher und elastischer – sie verlieren also ihre Ausgangsspannung.
It’s so hot in Paris that even the racquets have to be refrigerated 🌡️ pic.twitter.com/kQWqOi8Vqr
— TNT Sports (@tntsports) May 26, 2026
Weil Tennisprofis inzwischen regelmäßig bei neuen Bällen zu einem neu besaiteten Schläger greifen, sind für längere Matches mehrere Rackets erforderlich. Gauff hatte sich darauf eingestellt und lagerte ihre Rahmen in der großen Kühlbox hinter ihrer Bank. Dadurch hatte sie die Gewissheit, dass ihre Saiten genau jene Spannung besitzen würden, die Gauff benötigt, um bei der großen Hitze den optimalen Mix aus Power, Kontrolle und Touch zu spüren. Eigentlich ist das ein kluger Schachzug von Gauff – vorausgesetzt, er wird nicht zu kalt in der Kühlbox. Denn zu viel Kälte bekommt den Saiten auf Dauer nicht.
Donnerstag wird Coco Gauff zu ihrem Zweitrundenmatch gegen die Ägypterin Mayar Sherif antreten. Ob sie dann auch wieder ihren Hitze-Trick anwendet? Vermutlich schon, denn der französische Wetterdienst prognostiziert Temperaturen von weit über 30 Grad.
