Zverev am Ziel seiner Träume: So gewann er das Roland Garros-Finale

Tennis -Internationaux de France – Roland Garros 2026 – ITF – 07/06/2026 – Bild: IMAGO

Da ist das Ding: Alexander Zverev ist endlich ein Grand Slam-Champion.

Alexander Zverev hat seinen lang ersehnten Grand Slam-Titel errungen. Im Finale von Roland Garros bezwang er Flavio Cobolli in fünf Sätzen.

Alexander Zverev geht als großer Favorit in das Finale, keine Frage. Er hat die Gunst der Stunde genutzt, weil viele Konkurrenten nicht antraten oder früh rausflogen. Gegner Cobolli ist noch nie so weit bei einem Major gekommen. Entsprechend nervös ging der Italiener Cobolli in die Partie und machte zu viele leichte Fehler. In Summe waren es 16. Zverev stürmte ungefährdet zum Satzgewinn – 6:1 für den Deutschen nach 35 Minuten.

Cobolli muss sich von dieser Abfuhr erstmal erholen und verlässt den Platz. Danach findet er er besser ins Spiel und es entwickelt sich ein echtes Match. Er ist nun auf Augenhöhe mit Zverev und zeigt, warum er im Finale steht: Er erläuft die unmöglichsten Bälle, spielt einfach viel zurück und vor allem kommt er nun erstaunlich gut mit dem Aufschlag von Zverev klar.

Seine Returnposition, die sich bis zu sieben Meter hinter der Grundlinie befindet, ermöglicht es ihm, viele erste Aufschläge des Deutschen zurückzuspielen. Bei 3:3 im zweiten Satz hat Cobolli seine ersten Breakchance der Partie, auch weil Zverev in seinem Aufschlagspiel zwei Dopppelfehler serviert. Mehr als acht Minuten ringt Zverev um sein bislang mit Abstand umkämpftestes Aufschlagspiel, das er am Ende zum 3:4 abgibt. Danach serviert Cobolli den Satz sicher nach Hause – 6:4 für den Italiener.

Vorentscheidung im dritten Satz?

Im dritten Satz hat Zverev die ersten Breakchancen zum 3:1, kann sie aber nicht nutzen. Bis zum 5:4 für Zverev passiert nicht viel, aber dann macht Cobolli bei 30:30 zwei leichte Fehler. Plötzlich liegt der Deutsche mit 2:1 Sätzen vorne. Ist das schon die Vorentscheidung?

Nun ja, Zverev verliert aber gleich zu Beginn des vierten Satzes sein Aufschlagspiel, auch weil ihm zwei Doppelfehler unterlaufen. Cobolli baut die Führung auf 3:1 aus. Dann gibt er aber sein Aufschlagspiel zum 3:3 ab. Danach folgt ein wildes Service-Game von Zverev, der zweimal Serve-and-Volley spielt und beide Male den Punkt nicht macht. Cobolli ging im Anschluss mit 5:3 in Führung. Beiden Akteuren war nun anzumerken, was hier auf dem Spiel stand. Auf beiden Seiten häuften sich die Fehler. Zu diesem Zeitpunkt hatte Zverev 38 Winner erzielt – aber auch 40 leichte Fehler gemacht. Die meisten davon mit der Vorhand.

Bei 5:4 serviert Cobolli zum Satz – so gut wie ohne ersten Aufschlag. Der Italiener hat bei 30:40 Breakball gegen sich und musst wie so oft über den Zweiten gehen. Zverev nutzt die Chance mit einem Rückhand-Brett die Linie runter – 5:5. Zwischendurch dehnt der Deutsche seine Beine, fasst sich an die Oberschenkel. Irgendetwas fühlt sich nicht gut an. Sein Kumpel Marcelo Melo reicht ihm Salz- oder Magnesiumtabletten. Weil es keine Seitenwechsel-Pause gibt, kassiert er eine Zeitstrafe. Egal, Zverev spielt nun plötzlich viel offensiver, geht mehr ins Risiko. Seine Bewegungen sind nicht mehr ganz rund, aber er beißt sich durch. Obwohl er einen Schmetterball verschlägt, macht er das Spiel zur 6:5-Führung.

Beste Grand Slam-Stimmung in Roland Garros

Zverev nahm eine kurze Behandlungspause. Danach bringt Cobolli seinen Aufschlag zu null durch – Tiebreak, Zverevs Paradedisziplin in Paris. Denn bei seinen insgesamt elf Auftritten in Roland Garros hat er von 28 gespielten Tiebreaks unfassbare 26 gewonnen. Cobolli geht mit einem fantastischen Winner 1:0 in Führung. Beide werfen nun alles rein, was sie noch in sich tragen. Dann drei Punkte in Serie für Zverev.

Bei 3:3 werden die Seiten gewechselt. Beste Grand Slam-Stimmung nun, im Stadion skandieren die Fans die Namen beider Spieler. Cobolli dann mit einer brutalen Vorhand zum 4:3. Es folgt ein Doppelfehler von Zverev – 5:3 für den Italiener. Zverev verkürzt zum 4:5. Danach ein Traum-Stopp von Cobolli – 6:4 vorne, zwei Satzbälle. Plötzlich eine unerklärliche Szene: Cobolli legt tatsächlich einen eher einfachen hohen Volley neben die Linie – ungläubiges Staunen im weiten Rund. Aber dann, bei Aufschlag von Zverev, gelingt Cobolli ein glatter Durchschuss mit der Vorhand die Linie runter. Er holt sich tatsächlich den Tiebreak – als dritter Spieler in Paris nach Rafael Nadal und John Millman.

Nun also der fünfte Satz. Auch da ist Zverev in Paris ziemlich unantastbar: von zwölf Five-Settern in Roland Garros hat er zehn gewonnen. 2026 musste er aber bislang noch nie über die volle Distanz gehen. Zverev holt sich gleich zu Beginn des finalen Durchgangs ein Break. Sein erstes Aufschlagspiel im fünften Satz beginnt er aber mit zwei Doppelfehlern, Cobolli kann jedoch seine Chancen zum Rebreak nicht nutzen – 2:0 Zverev, der zwar nicht mehr ganz so angeschlagen wirkt, aber auch längst nicht mehr die Allerfitteste ist. Dann macht Zverev das nächste Break perfekt – 3:0 vorne.

„Warum macht er das?“

Zverev bleibt äußerlich extrem cool und wehrt bei eigenem Aufschlag drei Breakchancen ab – eine davon auf spektakuläre Weise: Cobolli ist am Drücker, schickt den Deutschen hin und her, bis er schließlich einen Schmetterball ins Netz drischt. Er hält seinen Aufschlag zum 4:0 und kämpft weiter um jeden Ball, läuft noch zu allen Stopps. „Warum macht er das?“, fragen sich die Eurosport-Kommentatoren Matthias Stach und Boris Becker.

Wenig später hat der 29-Jährige drei Matchbälle; den zweiten nutzt er – Alexander Zverev ist Grand Slam-Sieger, Wahnsinn!!!! Er liegt rücklings auf dem Boden, Tränen schießen ihm in den Augen. Es ist die Erfüllung eines Lebenstraums. Er wälzt sich einmal in der roten Asche. Dann kommt Verlierer Cobolli auf seine Platzhälfte, umarmt ihn lang und innig. Was für Szenen. Jeder wird sich erinnern, wie Zverev hier auf dem Court Philippe-Chatrier 2022 ebenfalls auf der „terre battue“ lag – weil er sich im Halbfinale gegen Rafael Nadal so schwer am Knöchel verletzt hatte. Vier Jahre später hält er endlich den Coupe des Mousquetaires in seinen Händen. „Niemand hat den Titel mehr verdient als du, Sascha“, gratuliert Cobolli bei der Siegerehrung.

Zverev: „Wir jetzt Grand Slam-Champions“

Dann wird Alexander Zverev geehrt. Im Stade Roland Garros erklingt die deutsche Nationalhymne. Einen deutschen Sieger im Herreneinzel von Paris gab es mit Henner Henkel zuletzt 1937– ein Gänsehautmoment. Danach greift Zverev zum Mikrofon und lobt zunächst seinen Gegner: „Ganz ehrlich, aus tiefstem Herzen: Ich hoffe, dass du auch bald solch eine Trophäe in den Händen hältst.“ Er bedankt sich bei Turnierdirektorin Amelie Mauresmo, beim französischen Tennisverband und natürlich beim Publikum: „Vielen Dank an euch alle, ich habe wirklich gefühlt, wie ihr mich die ganze Zeit unterstützt habt. Ohne euch hätte ich das Turnier nicht gewonnen.“

Zum Abschluss folgt eine Dankesrede an sein Team: „Danke an euch alle, weil wir haben zusammen so viel erlebt. Wir sind durch Verletzungen und bittere Pleiten gegangen, aber am Ende sind wir jetzt Grand Slam-Champions – und das zählt.“