Die offizielle Laureus-Website verkündete Anfang des Monats, dass die spanische Profispielerin Paula Badosa neue Botschafterin der Stiftung wird. „Laureus Sport for Good“ ist eine gemeinnützige Stiftung, die weltweit soziale Sportprojekte fördert. Über Bewegung sollen benachteiligten Kindern und Jugendlichen Werte wie Teamgeist, Respekt und FairPlay vermittelt werden, sowie die Fähigkeit, gesellschaftliche Probleme anzugehen.
Badosa: „Resilienz steht im Mittelpunkt meiner Geschichte“
Badosa sprach in der Vergangenheit in verschiedenen Interviews offen über sowohl physische als auch mentale Hindernisse während ihrer Karriere. Ihr höchstes Ranking erreichte sie im April 2022: als Nummer zwei der Welt. In den letzten Jahren wurde die 28-Jährige immer wieder durch eine Rückenverletzung ausgebremst.
„Wenn ich den Mädchen und Jungen in den Laureus-Programmen auf der Welt eine Botschaft mitgeben könnte, dann wäre es: ˋGebt niemals aufˋ. Resilienz steht im Mittelpunkt meiner eigenen Geschichte und ich möchte meine Plattform nutzen, um zu zeigen, wie Sport bei jungen Menschen Eigenschaften, wie Ausdauer und Entschlossenheit fördern kann“, sagt Badosa.
Weiter betonte die Spanierin: „Das sind Eigenschaften, die ein Leben lang Bestand haben können und ohne sie würde ich heute nicht mehr an Turnieren teilnehmen. Die Herausforderungen dieser Kinder sind weitaus größer, als die eines jeden Profisportlers und sie inspirieren mich mehr, als ich sie jemals inspirieren könnte.“
Der Durchbruch 2021
Badosa war schon als Juniorin erfolgreich. Im Alter von 17 Jahren gewann sie das Junior-Turnier der French Open. Im Finale setzte sie sich damals gegen Anna Kalinskaya durch.
Ihr endgültiger Durchbruch auf der WTA-Tour erfolgte im Jahr 2021. Im Mai gewann sie ihren ersten WTA-Titel in Belgrad. Im Oktober konnte sie als erste Spanierin das prestigeträchtigste WTA-1000-Turnier in Indian Wells gewinnen – ihr bis heute größter Titel. Im Endspiel besiegte sie damals Victoria Azarenka in drei Sätzen. Zu Saisonbeginn 2022 gewann sie einen weiteren Titel in Sydney, Australien, und kletterte im April auf Rang zwei der WTA-Weltrangliste.
Bild: ImagoGewann 2021 ihren größten Titel in Indian Wells: Paula Badosa.
Badosa: „Das hat mich stark gemacht“
Im „Tennis Insider-Club-Podcast“ der ehemaligen französischen Profispielerin Caroline Garcia sprach Badosa über den herausfordernden Übergang von den Junioren auf die WTA-Tour. „Ich sage immer, dass ich den Sport liebe, aber natürlich gibt es einen Moment im Leben, in dem er auch zum Beruf wird – und mit Druck, Verantwortung und so vielen Erwartungen einhergeht, dass es schwer ist, damit umzugehen“, sagte die Spanierin in der im Februar 2025 veröffentlichten Podcastfolge. „Mit 18, 19, nicht einmal mit 25 ist das Gehirn darauf vorbereitet, mit all diesen Dingen umzugehen“, erklärte sie. „Der Reifeprozess verläuft extrem schnell.“
Badosa spricht seit Jahren offen auf verschiedenen Plattformen, wie in Interviews, Podcasts und in den Sozialen Medien, über den mentalen Aspekt des Tennissports. So auch in der Netflix-Doku-Serie „Break Point“. Sie sprach unter anderem darüber, früh als „die nächste Maria Sharapova“ gesehen worden zu sein und über den damit einhergehenden Druck.
Im Podcast der ehemaligen Nummer vier der Welt, Caroline Garcia erklärte sie: „In meinem Fall: Ich werde mich nie schämen zu sagen, dass ich durch Depressionen und mentale Probleme gegangen bin. Ich war 18 und sehr gut bei den Juniorinnen, aber der Schritt auf die Profi-Tour ist nicht einfach, man fängt an, zu verlieren.“ In Zeiten, in denen sie noch außerhalb der Top 100 stand, habe sie oft die Frage ˋWarum steht sie noch nicht in der Top Ten? ˋ gehört. „Die Erwartungen waren extrem hoch, aber meine mentale Verfassung war dafür noch nicht bereit“, erklärte Badosa.
„Wenn ich zurückblicke, bin ich froh, dass ich das durchgemacht habe. Es hat mich zu dem Menschen beziehungsweise der Spielerin gemacht, die ich heute bin. Es hat mich stark gemacht“, reflektierte sie. In Staffel eins der Netflix-Serie sagte sie noch: „Vielleicht kann ich anderen helfen, indem ich darüber spreche.“
Melbourne 2025: Rückkehr in die Top Ten
Nach ihrem Durchbruch, 2021 und 2022, wurde die Spanierin seit 2023 immer wieder durch eine Rückenverletzung ausgebremst. Nach mehreren Comeback-Versuchen, gewann sie 2024 ihren vierten WTA-Titel in Washington D. C. und zog bei den US Open 2024 in ihrer Geburtsstadt New York ins Viertelfinale ein. Anfang der Saison 2025 kehrte sie erstmals seit 2022 in die Top Ten der Weltrangliste zurück, nachdem sie bei den Australian Open das Halbfinale erreichte.
Bild: ImagoKonnte ihren Erfolg selbst kaum fassen. 2025 erreichte sie erstmals das Halbfinale in Melbourne: Paula Badosa.
Auf dem Weg ins Halbfinale schlug Badosa unter anderem in Runde drei die Ukrainerin Marta Kostyuk in drei Sätzen. Im Viertelfinale traf sie auf Coco Gauff, gewann das Match mit 7:5 und 6:4 und schaffte es erstmals unter die letzten vier Spielerinnen in Melbourne.
Über ihren Einzug ins Halbfinale sagte sie damals im On Court Interview: „Ich war früher eine der besten Spielerinnen der Welt, aber ich glaube, jetzt bin ich eine bessere, reifere Spielerin. Ich kann besser mit meinen Emotionen umgehen, nicht immer, aber manchmal (…) Für mich ist das ein Traum, der wahr wird.“
Außerdem sagte sie: „Vor einem Jahr wusste ich mit meinem Rücken nicht, ob ich meine Karriere beenden müsste und jetzt bin ich hier, spiele gegen die Besten der Welt und stehe im Halbfinale.“ Schon vor ihrem Einzug ins Viertelfinale betonte Badosa rückblickend, dass die Verletzung ihr dabei geholfen habe, ihre Tenniskarriere, die Momente auf dem Court und vor Publikum zu spielen, mehr zu genießen.
Bild: ImagoTraten auf dem Court schon häufig gegeneinander an: Coco Gauff und Paula Badosa.
Im Halbfinale musste sie sich dann der Weltranglistenzweiten (damals Nummer eins), Aryna Sabalenka, geschlagen geben. Nach ihrem Lauf in Melbourne stand sie ein zweites Mal in ihrer Karriere in den Top Ten (Rang 10).
Badosa in Berlin: „Ich habe mich auf dem Court wiedergefunden“
Nachdem sie im Verlauf der Saison 2025 erneut mit Verletzungen gekämpft hatte, erlebte die Spanierin in der laufenden Saison bei dem WTA-500-Turnier in Berlin einen Lichtblick: Nach mehreren Niederlagen in Folge setzte sie sich 2026 im Achtelfinale gegen die favorisierte Coco Gauff durch. Nachdem sie zunächst deutlich mit 1:6 zurücklag, drehte sie das Match in Satz zwei und drei und gewann mit 1:6, 6:3 und 6:2.
Im Steffi-Graf-Stadion sagte Badosa: „Ich bin gerade sehr emotional. Es war eine harte Zeit. Vor einem Jahr habe ich mich hier verletzt und konnte seitdem nicht regelmäßig spielen.“ und: „Jetzt wieder auf diesem Niveau zu spielen, bedeutet mir sehr viel. Ich weiß, es sind nur ein paar Matches, aber für mich zählt vor allem das Niveau, auf dem ich heute gegen Coco gespielt habe.“ „Ich glaube ich habe mich heute endlich auf dem Platz wiedergefunden.“
Zum Zeitpunkt der Berlin Open befand sich Badosa außerhalb der Top 100 (Rang 142) und kam nur per Wildcard ins Hauptfeld. Im „Tennis Insider Club“-Podcast, in dem sie Anfang des Jahres (April) erneut zu Gast war, hatte sie darüber gesprochen, dass es schwer sei, ihr Ranking zu sehen, mit dem Wissen, was sie eigentlich könne. Aktuell steht sie auf Rang 61 der Weltrangliste.
Durch den Sieg des 125-Sandplatz-Turniers in Båstad, Schweden, und das Finale der Iasi Open in Rumänien erspielte die 28-Jährige genug Punkte, um in die Top 100 zurückzukehren. Bei den MSC Hamburg Ladies Open erreichte sie kurze Zeit später das Viertelfinale.
Badosa in New York: „Aufgeben ist keine Option“
Bei den US Open traf Badosa in New York, wo sie bis zu ihrem siebten Lebensjahr gelebt hat, in der zweiten Runde erneut auf die US Open-Siegerin von 2023, Coco Gauff. Die US-Amerikanerin sicherte sich mit 6:4 und 7:6 den Sieg im Arthur Ashe Stadium.
Im Anschluss an das Match schrieb Badosa auf X: „Ich gebe mein Bestes, um wieder dorthin zu kommen, wo ich hin möchte. Schritt für Schritt. Wie ich schon oft gesagt habe: ˋAufgeben ist keine Optionˋ.“
Dieses Mindset will sie als Botschafterin der Laureus-Stiftung weitergeben.
Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.