Die WTA-Finals in Indian Wells starten am 8. November. Mit dabei: Jessica Pegula. Sie gewann 2026 genau 50 Matches und hat damit die zweitmeisten Siege dieses Jahr auf der Tour. Doch über sie wird oft vor allem wegen des Familienvermögens gesprochen. Gelingt der 32-Jährigen nun der große Titel?
Im Format „Die Saison von …“ findet Ihr alle Infos über die besten acht Spielerinnen der Saison: Gemeinsam mit Coco Gauff qualifizierte sich Jessica Pegula als fünfte und sechste Spielerin. Die Saison der US-Amerikanerin könnte man als Mischung aus Beständigkeit, Titeln und Debatten ums Geld bezeichnen.
Starker Start in Melbourne und Dubai
Pegula begann die Saison mit dem Halbfinale der Australian Open. Auf dem Weg dorthin schlug sie Titelverteidigerin Madison Keys und Amanda Anisimova, erst die spätere Siegerin Elena Rybakina stoppte sie. Im Februar gewann sie in Dubai mit 6:2 und 6:4 gegen Elina Svitolina ihren größten Titel des Jahres.
Titel auf Sand, Finale auf Rasen
Im Frühjahr holte sich die US-Amerikanerin auch den Titel in Charleston. Auf Rasen stand sie im Finale von Berlin und in Wimbledon im Viertelfinale, ihrem besten Ergebnis dort seit 2023. Dort war gegen Coco Gauff Schluss. Im Sommer folgten zwei weitere Endspiele: in Washington und in Cincinnati, wo sie erneut Gauff unterlag.
Wieder Halbfinale in New York
Bei den US Open erreichte Pegula zum dritten Mal in Folge das Halbfinale, dort scheiterte sie erneut an Aryna Sabalenka. Der Sieg gegen Emma Navarro im Viertelfinale war ihr 50. Erfolg des Jahres, damals der Bestwert auf der Tour. Mit 32 Jahren wartet sie aber weiter auf den ersten Grand-Slam-Titel.
Kein Ausruhen auf den Milliarden
Das Vermögen stammt von ihrem Vater. Terry Pegula gründete 1983 mit 7500 Dollar Startkapital die Öl- und Gasfirma East Resources und verkaufte den Großteil 2010 für 4,7 Milliarden Dollar an Shell. Danach kaufte er das NHL-Team Buffalo Sabres und 2014 für 1,4 Milliarden Dollar das NFL-Team Buffalo Bills. Gemeinsam mit Ehefrau Kim kommt er laut „Fortune“ auf rund 9,3 Milliarden Dollar.
Doch Jessica Pegula verdient längst selbst Millionen: Allein an Preisgeld kam sie bis September auf mehr als 26 Millionen Dollar. 2017 gründete sie die Hautpflegelinie Ready 24, außerdem betreibt sie die gemeinnützige Organisation A Lending Paw, die ausgebildete Assistenzhunde vermittelt.
Wirbel um das Wimbledon-Hotel
Wie schnell aus ihrem Hintergrund ein Thema wird, zeigte sich vor Wimbledon 2026. Medien griffen auf, dass die „reichste Tennisspielerin der Welt“ nicht im offiziellen Spielerhotel wohnt. Schnell hieß es, die Unterkunft sei ihr angeblich nicht gut genug.
Ihre eigene Begründung klingt anders und stammt schon aus dem Vorjahr. Mit 30 werde ein gutes Hotel und ein besseres Kissen eben wichtiger, sagte sie. Vor allem aber sei das Spielerhotel „mental auslaugend“, weil man den Konkurrentinnen vom Frühstück bis zum Aufzug ständig begegne. Seit 2025 ist sie zudem Markenbotschafterin von World of Hyatt.
„Ich persönlich habe dieses Geld nicht“
Das Etikett begleitet sie seit Jahren. „Ich weiß, was die Hater sagen: Sie ist nur gut, weil sie Geld hat“, sagte sie 2023 der „Vogue“. Im selben Jahr wehrte sie sich gegen eine Schlagzeile der „Sunday Times“, die ihre Viertelfinal-Niederlagen mit den Familien-Milliarden verknüpfte. Das Vermögen gehöre ihren Eltern, betont sie: „Ich persönlich habe dieses Geld nicht.“
Ihre Privilegien bestreitet Pegula nicht. Sie sei sich ihrer guten Chancen bewusst und habe sie nicht verschwenden wollen, sagte sie der „Times“. Reich sei die Familie aber erst geworden, als sie schon Teenager war. Mit Mitte 20 habe sie ihren Eltern zudem klargemacht, dass sie sich aus ihrer Karriere heraushalten sollen: „Ich treffe ab jetzt jede Entscheidung.“
Der Rest ist für sie Arbeit: 2017 warf sie eine Hüftoperation aus den Top 800, erst danach begann ihr Aufstieg. Oder wie sie es schon früher sagte: „Ich bin nicht nur die Tochter eines reichen Vaters.“
Erster Coup in Indian Wells?
Der Herbst verlief holprig. Nach den US Open sagte Pegula wegen Erschöpfung für Singapur ab, auch in Peking fehlte sie mit einer nicht näher benannten Verletzung. Erst in Wuhan kehrte sie auf die Tour zurück.
Vor dem Auftakt der WTA Finals sorgte sie ungewollt für Schlagzeilen. Sie sprach auf dem Trainingsplatz in Indian Wells mit ihrem Trainer über Mirra Andreeva und deren Trainerin Conchita Martinez, ohne zu ahnen, dass der WTA-Livestream mitlief. Andreeva sei ein nettes Mädchen, aber eine „Diva“, die geerdet werden müsse, sagte Pegula. Vor Martinez habe sie „ein wenig Respekt verloren“, weil diese das Verhalten noch anstachle. Zugleich lobte sie Andreevas Spiel: Mit Coco Gauffs Mentalität wäre die 19-Jährige „besser als Coco“.
Der Clip verbreitete sich rasend schnell in den sozialen Medien, die WTA entfernte daraufhin die Trainingsvideos von ihrem YouTube-Kanal. Eine Reaktion von Pegula oder Andreeva gab es zunächst nicht.
Ihre Erfahrung beim Saisonfinale ist groß: Es ist ihre fünfte Teilnahme in Folge, 2023 stand sie im Finale, 2025 im Halbfinale. Die 32-Jährige spielt in Gruppe eins. Ebenfalls in Gruppe eins sind: Elena Rybakina, Coco Gauff und Linda Noskova.