Sabine Lisicki

Sabine Lisicki im Interview: „Mein Ziel ist die große Bühne”

Was macht eigentlich Sabine Lisicki? Wir sprachen mit der früheren Nummer zwölf über ihre schwere Krankheit, ihren Paradeschlag und ihre große Liebe – Wimbledon.

Erschienen in der tennis MAGAZIN-Ausgabe 8/2020

Sabine Lisicki lädt uns zu sich nach Hause nach Florida ein. Nur virtuell versteht sich. In Corona-Zeiten ist das Reisen auch für tennis MAGAZIN auf ein Miniumum begrenzt. Also reden wir über die Plattform Zoom,  was wunderbar funktioniert. Man sieht sogar das Strahlen in ihren Augen, wenn sie von ihren Fortschritten auf dem Trainingsplatz erzählt. Die Leitung in den Süden der USA steht. Und los geht‘s!

Frau Lisicki, es ist bei Ihnen jetzt 12 Uhr in Florida. Wie sah Ihr Tag bisher aus?

Ich habe trainiert. Wie dürfen erst seit Anfang Juni in der IMG Academy in Bradenton wieder Bälle schlagen. Endlich muss man sagen. Die Zeit ohne Tennis war lang. Momentan haben wir noch sehr limitierten Zugang zur Anlage, das heißt, wir dürfen zwischen 9 und 12 Uhr in die Academy. Nur Profis dürfen rein. Es ist immer noch sehr leer und ungewohnt. Aber wir freuen uns, dass wir endlich wieder auf den Platz und ins Gym dürfen. 

Wer sind Ihre Trainingspartner?

Ein paar Junioren, die sozusagen hängengeblieben sind. Während der Isolationszeit sind sie hier in die Schule gegangen. Mit Madison Brengle habe ich auch trainiert.

Wie fühlt es sich auf dem Platz an?

Anfangs war es schon schwierig, wieder reinzukommen. Mittlerweile läuft es gut. Es waren fast drei Monate ohne Tennis, das ist schon hart und macht keinen Spaß. Aber es war für jeden eine sehr ungewöhnliche Situation. Deshalb will ich mich nicht beschweren. Wir waren alle zusammen, meine Familie, also meine Eltern und ich. In so einer Pandemie ist es das Wichtigste, dass man gesund bleibt. 

Was haben Sie heute noch auf dem Zettel?

Mittag essen, dann versuche ich, einen kurzen Mittagsschlaf zu machen und dann gibt es zuhause eine Stabilisations- und Fitnesseinheit. Oft fahre ich nachmittags auch Fahrrad, das ich mir vor ein paar Jahren angeschafft habe.

Sabine Lisicki

Paradedisziplin: Auf ihren Aufschlag-Weltrekord – 210,82 km/h, serviert 2014 in Stanford, Kalifornien – ist Sabine Lisicki auch heute noch stolz.

Bei IMG, der früheren Nick Bollettieri Academy, liegen ihre sportlichen Wurzeln. Ist der Ort bewusst gewählt, um sich wieder in Form zu bringen?

Hier sind die besten Trainingsbedingungen. Es gibt mittlerweile 60 Hartplätze. Man kann das ganze Jahr draußen trainieren, selbst im Dezember und Januar. Deshalb kann ich mich einfach gut vorbereiten. Man hat alle Möglichkeiten, findet jede Art von Spieler: Linkshänder, Rechtshänder, einer der wie eine Ballwand hinten steht, einer der aggressiv ist. Da kann man sich optimal vorbereiten. 

Treffen Sie Ihren alten Mentor Nick Bollettieri noch?

Ja. Jetzt gerade aktuell ist er nicht da, aber vor der Pandemie fast jeden Tag. Er macht dann seine Runden, schaut kurz vorbei, gibt mir Tipps. Es ist super, Nick halt. Ich treffe jeden Tag bekannte Gesichter. Tommy Haas war da, Kei Nishikori, Micheal Mmoh, Sebastian Korda trainieren hier fest. Man trifft sich im Gym. Es ist eine gute Stimmung.

Zuletzt hat man in Deutschland von Ihnen gehört, weil sie Online-Fitnesskurse gaben. Wie kamen Sie darauf?

Ich habe während der Corona-Zeit, als in Deutschland alles zugemacht hatte, versucht, etwas zurückzugeben. Ich hatte von so vielen Menschen gehört, dass sie zuhause sind, nicht nach draußen können, keinen Sport machen dürfen. Nach 15 Jahren hat man einfach ein gutes Grundwissen. Dann habe ich mir die Mühe gemacht, die Videos für YouTube aufzunehmen, schneiden zu lassen und sie dann reinzustellen, um Menschen zu helfen, aktiv zu bleiben und sie zu motivieren. 

Wie war das Feedback?

Sehr positiv. Deshalb habe ich sechs oder sieben Videos für verschiedene Körperpartien reingestellt. Ich war überrascht, dass die Leute immer mehr Videos haben wollten. Eigentlich wollte ich nur zwei machen. 

Wie viele Leute haben zugeschaut?

Auf Instagram hatte ich Klickzahlen von 70.000. Bei YouTube waren es 7.000. Man erreicht schon viele Leute.

Sabine Lisicki

Wieder mit Feuer im Blick: Sabine Lisicki bei der Vorbereitung auf ihre Matches bei der World Tennis Tour (WTT), einer beliebten Turnierserie in den USA.

Vor sieben Jahren standen Sie im Wimbledon-Finale. Inzwischen ist es still um Sie geworden.  Wo befinden Sie sich aktuell in Ihrer Karriere?

Das ist schwer zu sagen. 2018 habe ich zum Abschluss der Saison in Taipei das Finale gespielt. Im Dezember hatte ich eine super Vorbereitung auf die neue Saison. Dann bekam ich kurz vor Australien eine Bronchitis, von der ich mich lange nicht erholt habe. Dann litt ich letztes Jahr an Pfeifferschem Drüsenfieber. Das ging ineinander über. Ich wusste nicht, warum es mir schlecht geht. Ich habe sehr gut gespielt, aber ich konnte oft nicht länger als einen halben Satz durchhalten. Das war einfach ein ganz schlimmes Gefühl, weil der Kopf wollte und die Schläge klappten. Aber irgendwas hat nicht gestimmt. 

Was haben Sie unternommen?

Wir waren zwischen April und August bei etlichen Ärzten. Vor Wimbledon war ich sogar im Krankenhaus, weil es mir so schlecht ging. Eine Herzmuskelentzündung wurde unter anderem ausgeschlossen. Wie ich überhaupt, drei gute Matches in der Quali spielen konnte, ist mir ein Rätsel. Es war purer Wille. Aber dann habe ich den Stecker gezogen und gesagt: ‘Ne Leute, irgendwas stimmt nicht. Ich kann und will nicht.’ Dann hat ein Professor der Immunologie Tests gemacht. Ich wusste nicht, dass es so viele Tests gibt. Als das Ergebnis feststand, habe ich mir natürlich Sorgen gemacht. Man denkt an Robin Söderling oder Mario Ancic, die deswegen ihre Karriere beenden mussten. Das macht einem wirklich Angst. Ich bin nicht der Typ, der zuhause auf dem Sofa sitzen kann, aber ich war so fertig, dass jeder Spaziergang anstrengend war. Es hat gedauert, aber am Ende bin ich aus dem Ganzen wieder rausgekommen. Am Anfang habe ich zweimal in der Woche 15 Minuten trainiert, was schon brutal anstrengend war. Das war die härteste Phase überhaupt. Die anderen Verletzungen und die OP waren nichts dagegen. Ich habe mich selbst nicht wiedererkannt. Du kannst nicht tun, was du liebst. Auf der anderen Seite bin ich ein Mensch mit so viel Energie. 

Kann man die Krankheit besiegen oder muss man mir ihr leben?

Es heißt, 90 bis 95 Prozent der Menschen haben irgendwann Pfeiffersches Drüsenfieber, auch EBV genannt. Man kennt es auch unter Kissing Deasese. Jugendliche haben es oft. Was ich nicht wusste: Es gehört zur Gruppe der Herpes-Viren. Ich habe noch zum Arzt gesagt: ‘Ich habe kein Herpes. Ich glaube, Sie irren sich.’ Viele Menschen tragen es mit sich, wissen teilweise nicht, dass sie es jemals hatten. Normalerweise bricht es auch nicht mehr aus. Aber wenn das Immunsystem arg geschwächt wird, besteht die Chance.  

Sind Sie wieder bei 100 Prozent?

Ich fühle mich wieder gut, aber ich will nicht mehr über meine Grenzen gehen. Ich will nicht mehr fünf Tage am Stück trainieren, tot ins Bett fallen und schlafen wie ein Bär, weil ich so kaputt bin. Ich achte heute eher auf Qualität.  

Kam Ihnen der Lockdown entgegen? Haben Sie Zeit gewonnen? 

Für mich war es eher schwierig. Ich habe mich gefragt. „Muss ich härter und noch mehr arbeiten?“ Alles war ungewiss. Vor dem Lockdown wollten wir nach Monterrey zum Challenger fliegen. Dann haben wir gehört, dass man bei der Rückreise in die USA neun Stunden bei der Immigration in der Schlange steht. Darauf haben wir verzichtet. Man kann bei der WTA nur ein Turnier melden. Sonst hätten wir eventuell noch versucht, das Challenger in Indian Wells zu spielen. Dann kam der Lockdown. 

Wenn Sie von „wir“ sprechen, meinen Sie sich und Ihren Vater Richard, der wieder Ihr Coach ist?

Ja. Back to the roots. 

Wie sieht die aktuelle Planung aus?

Ich spiele World Team Tennis. Ich bin sehr froh darüber. Man spielt zweieinhalb bis drei Wochen Matches – Einzel und Doppel in einem Teamformat. Das wird in den USA im Fernsehen ausgestrahlt. Es ist ein cooles Format, eine eigene Liga, die in neun Städten mit Heim- und Auswärtsspielen stattfindet. Man muss jeden zweiten Tag fliegen – normalerweise. Dieses Jahr findet es in West Virginia statt, wo es die wenigsten Corona-Fälle in den USA überhaupt gab. Leider kollidiert es mit den Exhibition-Showmatches in Berlin, in meinem Heimatverein. Die sollten eigentlich im Juni stattfinden. Dann wäre ich dabei gewesen, aber den Vertrag mit World Team Tennis hatte ich schon vorher unterschrieben.

Gibt es schon einen Plan für die Rückkehr auf die WTA-Tour?

Ich war bei den wöchentlichen WTA-Meetings immer dabei. Ich bin gespannt, was passiert, auch wenn der vorläufige Plan feststeht. Ein Grand Slam-Turnier ohne Quali, wie bei den US Open, sollte nicht stattfinden. Das ist auch die Meinung von vielen Spielern und Trainern. Wenn die Quali wegfällt, nimmt man jungen Spielern so viel weg. Wovon lebt das Tennis? Von Spielern, die durch die Qualifikation kommen, vielleicht ein, zwei Runden schaffen und irgendeinen Prominenten rauskegeln. 

Wie ist die Vorstellung, ohne Zuschauer zu spielen?

Ich stelle es mir schwer vor, in einer Arena ohne Zuschauer zu spielen. Da fehlt die Energie. Die Frage ist auch, wer mitspielt. Viele Profis wollen gar nicht reisen. Ich selbst weiß es noch nicht.

Haben Sie in Ihrer langen Leidenszeit an ein Karriereende gedacht?

Nein. Beim Pfeifferschen Drüsenfieber lag es nicht in meiner Hand. Ich habe alles getan, um gesund zu werden. Solange das Spielerische und die Leidenschaft da ist, will ich raus auf den Platz. Da steckt so viel Arbeit und Mühe drin. Wenn ich nicht mehr bereit bin, das zu investieren, dann höre ich auf. Aber das Feuer ist da. 

Stört Sie Ihr Weltranglistenplatz – 595? 

Immerhin: Ich habe noch ein Ranking, obwohl ich fast ein Jahr nicht gespielt habe (lacht). Nein, auf die Zahlen gucke ich schon lange nicht mehr. Auch wegen des Protected Rankings. Ich bin davon überzeugt, dass es schnell nach oben geht, wenn man gut vorbereitet ist und gut spielt. Der Weg ist hart, aber ich will einfach nochmal sehen, was möglich ist. 

Eine weitere Zahl lautet 30, Ihr Alter. Nur eine Zahl?

Ja, für mich ist es nur eine Zahl. Früher war es tatsächlich anders, weil uns vermittelt wurde, dass man früh gut spielen muss und Karrieren mit 25 schon vorbei sein können. Eine Serena, eine Roberta Vinci, eine  Flavia Pennetta, eine Angie, eine Venus haben gezeigt: Man kann lange spielen, wenn man den Willen hat. Das gilt auch für die Herren – alles ist möglich. 

Was wäre noch mal ein Traum für Sie? Das neue Rasenturnier in Berlin? Oder in Wimbledon mitzumischen?

Auf jeden Fall! Sonst würde ich die Arbeit nicht reinlegen. Ich möchte einfach sehen, was noch möglich ist, ohne mir Druck zu machen. Ich habe schon vieles in meiner Karriere erreicht. Ich brauchte auch Zeit, um das zu realisieren.  

Was hätten Sie aus heutiger Sicht anders gemacht?

Ich bin ein bis zwei Mal zu früh von einer Verletzung oder von meiner Weisheitszahn-OP zurückgekommen und habe mich dann wieder verletzt. Es ist einfach zu sagen, das hätte man besser machen können. Man muss auch verstehen: Es gibt so viel viel Druck von der WTA-Tour mit den Pflichtturnieren. Man ist in einer Art Spirale gefangen.  

Bei keinem Turnier waren Sie so erfolgreich wie in Wimbledon. Was bedeutet es für Sie?

Jede Menge. Wenn man schon die Anlage betritt, merkt man die Tradition an jeder Ecke. Es gibt kaum Sponsoren, wir spielen in Weiß. Es gab so viele besondere Momente.

Erzählen Sie gerne einen.

Ich habe 2011 das Halbfinale per Wildcard gespielt, nach einer Verletzung. Damals stand ich auch drei Monate vorher jenseits der 200. Ich habe das Halbfinale gegen Sharapova verloren, auf dem Centre Court. Dann musste ich nur wenige Stunden später Doppelhalbfinale spielen – auf Showcourt zwei. Der war rappelvoll. Kein Platz frei, das war Wahnsinn. Sam Stosur und ich gewannen und zogen ins Finale ein. Die Fans haben einen Tunnel gebildet, von Platz zwei bis zum Centre Court, und das ist schon ein gutes Stück. Fünf Securitys hielten uns den Weg frei. Die Fans freuten sich für uns und trösteten mich nach meinem verlorenen Einzel. Diese Liebe zu spüren, ist mir viel wert. 

Zwei Jahre später verloren Sie das Finale gegen Bartoli. Haben Sie sich im Nachhinein gefragt, wieso habe ich nicht gewonnen?

Ich kann mir wirklich nichts vorwerfen, weil ich keine Kraft mehr hatte. Ich habe schon mit den letzten Kräften gegen Radwanska im Halbfinale gewonnen. Ich hatte Krämpfe im ersten Spiel im dritten Satz. Das ging 9:7 aus. Ich bin in die Kabine runtergekommen und alle haben mich geschüttelt vor Begeisterung. Ich konnte mich nicht einmal mehr freuen, weil ich so fertig war. Ich kann mir nichts vorzuwerfen, weil ich weiß, dass ich jedes Quäntchen Energie, das in meinem Körper steckte, gegeben habe. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, ich hätte mehr geben können, wäre diese Niederlage unerträglich für mich gewesen. 

Sabine Lisicki, Marion Bartoli

Geplatzter Traum: Sabine Lisicki nach dem verlorenen Wimbledonfinale 2013. Die Berlinerin unterlag der Französin Marion Bartoli 1:6, 4:6. 14 Jahre nach dem letzten Grand Slam-Sieg einer Deutschen – Steffi Graf in Paris – war die Hoffnung groß.

Damals redeten alle von Bum-Bum-Bine. Gefiel Ihnen der Spitzname?

Ja, hat was (lacht). Es ist mir auch irgendwie eine Ehre. Ich habe mir den Spitznamen ja hart erarbeitet. Und den Vergleich mit Boris bekommen zu haben, ist natürlich noch mal etwas ganz Besonderes. Und: Ich habe den Weltrekord im Aufschlag. Von daher passt es. 

Da sind wir schon beim nächsten Thema. 2014 servierten Sie in Stanford, Kalifornien, mit 210,8 km/h. 

Es war immer ein Ziel von mir – das ich aber nie ausgesprochen habe – , den Rekord zu knacken. Schon als ich 14 oder 15 Jahre alt war, bei DTB-Lehrgängen, wurde der Aufschlag gemessen. Damals bei Hans-Peter Born in Hannover. Ich wollte den Rekord knacken. 2009 gab es auf Bali das sogeannte B-Finale der WTA-Tour, das jetzt in Zhuhai stattfindet. Da hatte ich den Rekord schon einmal geknackt. Aber es war nicht die offizielle Maschine. Die Enttäuschung war wirklich groß bei mir. Dann kam 2014. Ich spielte in Stanford und hörte ein Raunen nach meinem Aufschlag. Nach dem Punkt war Seitenwechsel. Ein Raunen ging durchs ganze Publikum. Ich wusste gar nicht, was los war. Dann habe ich auf die Anzeigetafel geguckt und da stand 131 Meilen pro Stunde. Ich dachte aber, das zählt sicher wieder nicht. Ich verlor das Match. Normalerweise wirst du nicht zur Pressekonferenz gebeten, es sei denn, es ist ein Grand Slam-Turnier. Aber ich wurde angefragt und wusste nicht, wieso ich dort hingehen soll. Aus Deutschland war keine Presse da, sondern nur aus den USA. Auf dem Weg zu den Journalisten sagte man mir, dass ich den Rekord gebrochen habe. Aber ich war noch immer der Überzeugung, dass es nicht zählt. ‘Doch, doch. Es ist eine offizielle Maschine.’ Anschließend ging es nach New York zu den US Open. Da kamen die Leute vom Guinness-Buch der Rekorde. Ich bekam eine Medaille, eine Urkunde. Das war echt cool und ich wusste gar nicht, dass das dazu gehört. 

Ihr Aufschlag sieht leicht aus: hochwerfen, draufknallen. Was macht Ihren Aufschlag aus? Wieso ist er so gut?

Da muss ich einen großen Dank an meinen Papa aussprechen. Er hat seine Doktorarbeit über Tennistechnik und Biomechanik  geschrieben und ich war das Testkaninchen. Ich habe einen schnellen Arm und ich glaube, da ist auch sehr viel Technik dahinter. Technik und Rhythmus sind ein sehr großer Teil von dem Aufschlaggeheimnis.

Häufig ist es so, dass sich die Spieler selbst nicht erklären können, weshalb sie etwas gut beherrschen. Sie wissen es. Denn Technik heißt ja, dass die Abläufe alle stimmen. Wie oft haben Sie mit Ihrem Vater über diese Dinge gesprochen? 

Wir reden ständig. Mein Vater hat immer darauf geachtet, mir sein Wissen zu vermitteln und mir nicht zu sagen: Jetzt spielst du 50 Mal cross. Mir wurde immer erklärt, warum ich gewisse Dinge machen sollte. Das weiß ich auch sehr zu schätzen, weil ich mir dadurch ein großes Wissen angeeignet habe und viele Elemente in der Technik verstehe und weiß worauf es ankommt. Nicht nur beim Aufschlag, bei der Vorhand oder Rückhand auch. Das kann einem letzten Endes auf dem Platz helfen, wenn man nicht zurechtkommt. Wenn man einen Fehler immer wieder macht, weiß man was man falsch macht. 

Wimbledon oder US Open bedeuten Glamour. Können Sie einen Sieg bei einem kleinen Turnier genauso genießen?

Ja klar, Trophäe ist Trophäe. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil man weiß, dass man fünf Matches gewonnen hat oder vier, wenn man im Finale verliert, was auch gut ist. Und genau das hilft für die nächsten Turniere. Man muss eine gute Mischung finden. Wenn man keine WTA-Turniere spielt, verliert man das Gefühl, gegen solche Spielerinnen zu spielen. Aber ich will wieder gegen die Guten spielen. Ich will wieder zu den großen Turnieren!

Virtuelles Wiedersehen: Das letzte lange Interview mit Sabine Lisicki hatte tennis MAGAZIN-Chefredakteur Andrej Antic 2014 in Melbourne geführt. Ein halbes Jahr zuvor stand sie im Wimbledonfinale.

Vita Sabine Lisicki

Die gebürtige Troisdorferin (Jg. 1989)begann ihre Karriere beim LTTC Rot-Weiß Berlin. Als 15-Jährige feierte sie Premiere beim WTA-Turnier in der Hauptstadt. Als sie 2009 das Turnier in Charleston gewann, galt sie als künftiger Star. In Wimbledon erreichte sie 2011 das Halbfinale, zwei Jahre später galt sie bei ihrem Lieblingsturnier im Finale als Favoritin. Immerhin: Der zweite Platz brachte ihr Werbeverträge und Dauerpräsenz in den Medien. Bestes Ranking: Platz 12. WTA-Titel: 4. Preisgeld: 7.093.923 US-Dollar. Lisicki lebt in Florida und Berlin.