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Der "Palacio de deportes" in Málaga war während der Davis Cup Finals 2022 täglich gut besucht. Getty Images)

Der neue Davis Cup: endlich angekommen?

Seit 2019 veranstaltet die Agentur Kosmos den Davis Cup. Es gab reichlich Kritik an der Reform. Aber wie sieht die Bilanz nach drei Jahren aus?

Die Traditionen wurden gebrochen, der finanzielle Aspekt steht im Vordergrund, der Modus ist nicht attraktiv – so lautete die Kritik, als die Agentur Kosmos 2019 den Davis Cup-Wettbewerb übernahm und ihn in ein komplett neues Format zwängte. Der Hauptgrund für den großen Aufschrei in der Szene: Fortan wurden auf klassische Heim- und Auswärtsspiele verzichtet. Stattdessen kamen alle Teams in einer Stadt zusammen und spielten ihren „World Champion“ aus. Die Parallelen zum Fußball sind dabei nicht zufällig, schließlich ist der Kosmos-Gründer Gerard Pique, Fußball-Superstar beim FC Barcelona.

2019 spielten 18 Nationen parallel in Madrid. 2021 wurde die Turnierwoche dann mit einer Gruppenphase in drei weiteren Ländern ausgeweitet. Erst ab dem Halbfinale mussten die Teams  nach Madrid reisen, allerdings in der gleichen Woche, in der auch die Gruppen- und Viertelfinalbegegnungen gespielt wurden. Die deutsche Mannschaft zum Beispiel musste erst in Innsbruck ran und qualifizierte sich dann für das Halbfinale in Madrid.

Davis Cup: Verbesserungsbedarf in Hamburg

2022 wurde eine zusätzliche Qualifikationsrunde im März eingeführt, die in gewohnter Manier als Heim- bzw. Auswärtsspiel ausgetragen wird. Zehn Wochen vor den Finals 2022 in Málaga fand eine Gruppenphase in Bologna, Glasgow, Valencia und Hamburg statt. Reisestress vor den Davis Cup-Finals hatte so kein Team mehr.

Man muss es den Verantwortlichen von Kosmos immerhin hoch anrechnen, dass sie sich auf diese feinen Anpassungen eingelassen haben und nun – zumindest in Teilen – wieder die alte Davis Cup-Atmosphäre spürbar ist. Allerdings wurde der Gegenwind für die Veranstalter auch immer größer, Kosmos musste nachbessern, um ihrem Hauptziel näher zu kommen: mehr Top-Stars für den Davis Cup zu gewinnen.

Möglicherweise kommt 2023 nun die nächste Änderung. Denn obwohl die vier Austragungsorte der Gruppenphase im September für drei Jahre ausgewählt wurden, wackelt der deutsche Standort in Hamburg. 2022 waren an den sechs Spieltagen die Ränge am Rothenbaum nur spärlich gefüllt – insbesondere bei den Matches ohne die deutsche Mannschaft. Lediglich die Partie am Sonntag, als Deutschland gegen Australien siegte, war gut besucht. Das Problem: die viel zu hohen Ticketpreise. 65 Euro kosteten die günstigsten Tageskarten für die Partien ohne deutsche Beteiligung. Die anderen drei Standorte waren hingegen gut besucht, auch weil dort die Ticketpreise wesentlich niedriger waren. Nun erwägt Kosmos, sich nach einer Alternative für Hamburg umzusehen.

Davis Cup, Hamburg

Bei den Davis Cup-Gruppenspielen in Hamburg blieb das Stadion verhältnismäßig leer. 📸: Getty ImagesBild: Getty Images

Volle Hütte in Málaga

2022 wurde der Davis Cup zum im dritten Mal von Kosmos ausgetragen. (2020 fiel der Mannschaftswettbewerb aufgrund der Coronapandemie aus.) Zum ersten Mal spielten die acht Mannschaften, die sich über die Gruppenphase qualifiziert hatten, in einer Finalwoche den Champion aus – und zwar im spanischen Málaga. Was die Atmosphäre und die Leidenschaft der Spieler angeht, ist das Event angekommen.

Am ersten Spieltag, als Australien gegen Niederlande spielte, waren 82 Prozent der Tickets verkauft. Eintrittskarten für die günstigste Kategorie waren online nicht mehr erhältlich. Insgesamt kamen 7.956 Zuschauer ins Stadion (Gesamt-Kapazität: 9.800), darunter mindestens 400 holländische Fans mit orangenen T-Shirts. Am Mittwoch, als Spanien gegen Kroatien spielte, waren knapp 9.500 Tennisfans vor Ort. Und obwohl Spanien an den Kroaten scheiterte, waren auch die nächsten Spieltage gut besucht.

8.786 Zuschauer kamen am Donnerstag-Vormittag zum Match Italien gegen die USA, 8.243 Menschen am Nachmittag zur Partie Deutschland gegen Kanada. Es mag sicherlich auch an der Marketing-Strategie der Veranstalter liegen, dass alle Partien so gut besucht waren. Am Donnerstagvormittag beispielsweise reihte sich ein Reisebus an Reisebus vor der Arena. Der Grund: zahlreiche Schulklassen machten einen Tagesausflug zu den Davis Cup Finals. Aber auch ohne die Schüler blieben die Ränge am Abend nicht leer. Klar, mit Felix Auger-Aliassime (#ATP 6) und Denis Shapovalov (#ATP 18) trat das kanadische Team mit den am höchsten in der Weltrangliste platzierten Einzelspielern auf, die will man als Tennisfan nicht entgehen lassen.

Davis Cup: Wie sieht die Zukunft aus?

Überhaupt: Die Spanier sind mitfiebernde Tennisfans, lieben gute Matches und lassen das die Spieler auch wissen. Egal, ob ihre eigene Nation spielt oder nicht, sind sie mit Herzblut bei den Matches dabei. Die laute Party-Musik bei den Seitenwechseln, die Scheinwerfer-Show in den Pausen und die Spiele mit der Bongo- oder Kiss-Cam, die die Zuschauer während der Seitenwechsel auf der Leinwand zeigt, geben den Fans einigen Anlass zum Feiern. Steht man vor den Türen zum Court, kann man kaum unterscheiden, ob sich innen ein Fußballstadion oder doch ein Tennisplatz befindet.

Davis Cup, Málaga

Die Stimmung in Málaga war ausgelassen, die Fanclubs groß und einfallsreich. 📸: Getty Images

Doch nicht nur die Fans scheinen sich mit dem neuen Format anzufreunden. Immer mehr Spieler, darunter auch Alexander Zverev, sprechen sich mittlerweile für den neuartigen Teamwettbewerb aus. Die deutsche Nummer eins wehrte sich zwei Jahre lang dagegen, beim neuen Format anzutreten. Spätestens seit er aber der Qualifikationsrunde 2022 in Río de Janeiro am Start war, hat der 25-Jährige Gefallen an dem geschichtsträchtigen Wettbewerb gefunden. Er sorgte mit seinem Bruder Mischa dafür, dass die Gruppenphase in Hamburg ausgerichtet wurde – auch wenn er verletzungsbedingt nicht mitspielen konnte. Zverev aber  feuerte das Team vor Ort an und versorgte die Tennisfans mit etlichen Autogrammen.

Auch der deutsche Teamkapitän Michael Kohlmann befand den Modus in diesem Jahr als recht angenehm. „Die Plätze sind zwar etwas schneller als in Hamburg, aber es ist ein schöner Platz, eine schöne Arena und eine schöne Anlage“, sagte er zu Beginn der Finalwoche in Malaga. Gleichzeitig betonte er, dass die häufigen Veränderungen über die vergangenen Jahren weder ihm noch den Spielern die Möglichkeit geben würden, sich an etwas zu gewöhnen. „Ich weiß ja nicht, wie es die nächsten Jahre weitergeht“, sagte auch Struff.

Heim- und Auswärtsspiele sind wichtig

Dass die Gruppenphase in diesem Jahr in Hamburg gespielt wurde, spielte den Deutschen natürlich in die Karten. „Die Gruppenphase, auch weil sie in Hamburg, in Deutschland, war, habe ich als sehr positiv wahrgenommen“, sagte Kohlmann. Nun sei es viel fairer, dass alle Mannschaften mit der gleichen Vorbereitung antreten. Struff erwähnte zudem: „Es ist sehr spät im Jahr, aber ich finde, es hat sich sehr viel verbessert. Das Event hier in Malaga finde ich richtig gut.“

Durch die Reduktion der Matches von fünf (4 Einzel, 1 Doppel) auf drei (2 Einzel, 1 Doppel) ist der Wettbewerb mittlerweile so schlank geworden, dass auch schwächer besetzten Mannschaften Überraschungen gelingen können. Dadurch ist gleichzeitig die Wertigkeit der Doppel gestiegen, die beim Stand von 1:1 über Sieg oder Niederlage entscheiden.

„Man wird keine Lösung finden, mit der alle Spieler zufrieden sind“

Was weiterhin fehlt, ist der Heimspiel-Charakter bei den meisten Begegnungen. Als Deutschland und Kanada im Viertelfinale am Donnerstag um 22 Uhr mit ihrem entscheidenden Doppel starteten, hatte sich das Stadion bereits nach dem Ende des zweiten Einzels rapide geleert. Das Doppel schauten sich kaum mehr als 1.000 Fans. Hätte eine der beiden Nationen Heimrecht gehabt, wäre die Hütte voll geblieben – davon kann man ausgehen.

Dennoch: Die Bemühungen von Kosmos, das Event weiterzuentwickeln, kommen an. Von Jahr zu Jahr etablieren sich die Davis Cup-Finals. Wann aber der Punkt erreicht ist, von einer rundum gelungenen Veranstaltung zu sprechen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Luft nach oben gibt es.

Klar ist aber auch: alle Nationen wollen und brauchen Heimspiele. Eben auch, um ein Stück Tradition zu wahren. „Die Heim- und Auswärtsspiele waren immer etwas Besonderes, vielleicht auch, weil ich es so kenne und so aufgewachsen bin“, sagte Tim Pütz mit einem Blick auf das neue Format. Aber auch dieser Kritik wirkte Kosmos entgegen, denn die Qualifikationsspiele 2022 und auch 2023 fanden bzw. finden im traditionellen Modus statt mit Heim- bzw. Auswärtsspiel und fünf Matches (vier Einzel und ein Doppel). Deutschland trifft 2023 vom 3. bis 5. Februar in Trier auf die Schweiz.

Welche weiteren Anpassungen in den kommenden Jahren vorgenommen werden, bleibt abzuwarten. Ob das neue Format mit dem alten Traditionsmodus irgendwann mithalten kann, ist ebenfalls eine Antwort, die nur die Zeit geben wird. Klar ist auch, dass es – wie auch beim alten Format – immer Kritikpunkte geben wird. Das weiß auch Tim Pütz: „Man wird nie eine Lösung finden, mit der alle Spieler zufrieden sind und sagen ‚So ist es perfekt‘.“

Was für 2023 sicher ist: Die Davis Cup-Finals bleiben in Málaga.Sneakers Draked Viola | Atelier-lumieresShops | Sneakers search engine | nike factory outlet dallas tx