Zverevs

Mail aus New York: Zverevs im Zweierpack

Das letzte Grand Slam-Turnier des Jahres läuft seit Montag. tM-Reporter Florian Vonholdt berichtet in seiner täglichen Kolumne von den US Open aus New York.



87 Matches an einem Tag – Tennisherz was willst du mehr? Nach dem Regen wurde es wieder heiß auf den 17 Matchcourts in Flushing Meadows. Die wurden nahezu ohne Pause bis in die Dunkelheit bespielt. Beschlossen haben den „Super Wednesday“ aus deutscher Sicht die beiden Zverevs, die nahezu parallel in der Nightsession „on Court“ waren. Alexander auf dem Grandstand, Mischa auf Court 4, in Hörweite.

Kollegen und Experten waren sich vorher ziemlich einig. Alexander Zverev? Der wird lange im Turnier bleiben, vielleicht sogar bis zum Finalwochenende. Der 20-Jährige war nach seinen Doppelpack in Washington und Montreal längst kein Geheimfavorit mehr auf den Titelgewinn. Doch dann das jähe Ende kam gegen Borna Coric, einen aus seiner Generation. Und genau das störte den Youngster massiv. „Ich habe gegen einen 20-Jährigen verloren. Nicht gegen Federer oder Nadal“,  sagte der schwer Gefrustete auf der späten Pressekonferenz.

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PROTAGONISTEN DER „NEXT GEN“: Coric (li.) und Zverev 2016 beim Turnier in Indian Wells.

„Habe überragend schlecht returniert“

Nach Murrays Absage war er der höchstgesetzte Spieler in der unteren Hälfe der Auslosung. Mit einem entsprechenden Selbstverständnis war er in das letzte Major des Jahres gegangen. „Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich einer von vier, fünf Spielern bin, die sehr weit kommen können, vielleicht sogar das Turnier gewinnen können“, sagte er am Samstag vor Turnierbeginn. „Ich fühle mich so gut wie noch nie vor einem Grand Slam.“  Dann folgte das ziemlich überraschende Aus in vier Sätzen. Zverev ging nach der Pleite dann auch hart mit sich ins Gericht: „Ich habe überragend schlecht returniert, mein Level war ziemlich katastrophal.“

Ferrero war guter Dinge

Coach Juan-Carlos Ferrero war noch am Dienstag im Gespräch mit tennis MAGAZIN auf der großen Anlage von Flushing Meadows äußerst zuversichtlich: „Sascha ist fit, bestens in Form und fühlt sich gut.“ All das nutzte nichts.  Zverev fehlte der Punch und er nutzte seine Breakchancen nicht – etwa im vierten Satz, als er 6:5 führte und bei Aufschlag Coric drei Satzbälle in Folge vergab.

Fliegender – und was die Gemütslage angeht – kontrastreicher Wechsel in Pressekonferenzraum 1, dem größten im Arthur Ashe Stadium. Alexander ging geknickt, wenige Augenblicke später saß Mischa nach seinem Fünfsatzsieg gegen Benoit Paire auf dem Podium und war in Plauderlaune. Die beiden aktuell besten deutschen Profis  gaben sich die Klinke in die Hand. Der trotzige Junge, dem Niederlagen wie diese derart zusetzen, dass das sein Umfeld schonungslos zu spüren bekommt, machte gegen 22:30 Uhr Platz für den selbstreflektierten Mischa, der das große Ganze  treffend einzuschätzen wusste. Und relativierte: „Der Grad zwischen sensationell und katastrophal ist oftmals ziemlich schmal.“

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ZWEIMAL FÜNF SÄTZE: Mischa Zverev steht in Runde drei der US Open.

Was er meinte: die Sätze, die Sascha verlor, verlor er knapp (5:7, 6:7, 6:7). Am Ende hatte sein jüngerer Bruder drei Punkte weniger gewonnen als Coric. Viel fehlt dann nicht und so ein Match kann auch anders ausgehen. Außerdem erinnerte Mischa daran, dass bei den zwei US-Hardcourt-Titeln seines Bruders auch sehr enge Partien dabei waren: „Da hätte für ihn auch früher Schluss sein können.“ Etwa als Sascha in Montreal einen Matchball in Runde eins gegen Richard Gasquet spektakulär (49-Schläge-Rally!) abwehrte. Oder in Washington, als er gegen Jordan Thompson  im Tiebreak des dritten Satzes mit 4:5 zurücklag und zwei Punkte vom Aus entfernt war.

Das letzte Wort hatte also Mischa. Das hatten die wenigsten vermutet. Zwei Fünfsatzsiege liegen hinter und das Duell mit John Isner vor ihm. „Ich will noch gar nicht daran denken. Das wird wieder eine aufregende Sache.“ Er weiß auch schon worauf es ankommen wird gegen die amerikanische Assmaschine: „Returns ins Feld spielen.“

Der beste 18-Jährige der Welt

Und dann machte an diesem Tag, der sich anfühlte wie eine einzige Rush Hour, noch ein anderer der sogenannten „Young Guns“ erneut auf sich aufmerksam. Wenn Sie es nicht bereits getan haben, liebe Leser, merken Sie sich den Namen Denis Shapovalov.

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GESCHAFFT: Denis Shapovalov, 18-järhiger Qualifikant aus Kanada, gewann gegen Jo-Wilfried Tsonga.

Der beste 18-Jährige der Welt eliminierte heute mal eben Jo-Wilfried Tsonga in drei Sätzen. Der Linkshänder, geboren in Russland und über Israel mit seinen Eltern nach Kanada gekommen, spielt eine einhändige Rückhand zum Verlieben. Das Besondere: Er wird von seiner Mutter Tessa trainiert. Ganz sicher: Der jüngste der „NextGen“ ist einer, der die Zukunft prägen wird, wenn er gesund bleibt.

Genau wie Zverev – auch wenn dem Deutschen das am heutigen Tag wenig interessieren wird.

 

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