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Mail aus Rom: Stiller und heimlicher Beobachter bei den Internazionali BNL d’Italia

Die finale Action findet an diesem Wochenende noch in Madrid statt. Doch bei den Internazionali BNL d’Italia, dem nächsten Masters-Turnier auf Sand in Rom, ist der Touralltag wieder voll im Gang. Dementsprechend lohnt sich ein Reporterausflug schon vor dem eigentlichen Turnier  – für Gespräche mit Spielern, Trainern und Verantwortlichen.

Der szenische Einstieg, der Hauptteil und das szenische Ende dieser Kolumne könnten sich ausschließich um das wunderschöne Ambiente der 73. d’Italia Open in Rom drehen. Der Schönheit dieser Anlage am Foro Italico nach zu urteilen, müsste es sogar so sein. Es bleibt nicht all zu viel Zeit für generelles Sightseeing in der „Ewigen Stadt”. Aber alleine die Tennisanlage des fünften Masters-Turniers des Jahres lässt erahnen, wie schön dieser römische Stil ist, der Touristen immer und immer wieder nach Rom verführt.

Beim Masters in der italienischen Hauptstadt lässt sich aber das Schwärmen und das Sportliche gut miteinander verknüpfen. Sehr gut, sogar.

Centre Court-Action mit angeschlagenem Kyrgios

Der Centre Court zum Beispiel erinnert nicht nur an ein Kolosseum. Die abartig steilen Tribünen vermitteln tatsächlich ein Hauch von großen Gladiatorenkämpfen – alleine ohne die Action. Am Freitag trainierten dort aber immerhin schon Spieler wie Nick Kyrgios und Jack Sock. Der Australier weilt aber nur zu Trainingszwecken in Rom. Sein Arm lässt Wettkamptennis noch nicht zu. Am Nachmittag zog das Toptalent der Tour aus dem Hauptfeld zurück.

Dabei sah sein Training schon ganz geschmeidig aus. Aber Geduld, gerade beim Aussie, ist bestimmt keine schlechte Eigenschaft.  Ringsum den Centre Court stehen antike Statuen. Eine schöner als die andere. Besonders ist auch der zweitgrößte Court der Anlage, der zum Hinuntersteigen und Eintauchen wie in ein Schwimmbecken einlädt. So etwas gibt es wohl kein zweites Mal auf der Tour. Ein Court sozusagen im Untergeschoss.

Trainingsbeobachtung: Wie weit ist Wawrinka?

Dort trainierten am späten Vormittag Kei Nishikori mit Stan Wawrinka, der hier in Rom sein Wettkampfcomeback geben will und Erfolgscoach Magnus Norman mit dabei hat. Mit dem Schweden hatte der Schweizer ja alle drei Grand Slam-Titel errungen. Nachdem sich der Coach der Familie widmete, überredete ihn sein ehemaliger Schützling kürzlich, wieder einzuspringen. Für wie lange steht noch nicht fest. Am Freitag lief noch nicht alles rund. Auf Stan zu setzen scheint wohl noch keine gute Idee, das Knie beschäftigt weiterhin die Gemüter. Aber mit Norman an seiner Seite steigen automatisch die Hoffnungen auf bessere Zeiten.

Masters in Rom: Intime Momente mit den Stars

Mit dem Schweizer sprechen ist im Übrigen in diesen Tagen hier nicht möglich. Sein Management ließ freundlich ausrichten, dass sich der Spieler nach seiner Verletzung voll und ganz auf das Training konzentrieren möchte – verständlich.  Doch die Tage vor dem Hauptfeldstadt sind für Fans und Journalisten gleichermaßen interessant.

Es ist noch wenig los auf der Anlage, die Spieler trainieren in aller Ruhe. Es entstehen mehrmals am Tag fast intime Momente mit den Spielern. Trainingsbeobachtungen, Gespräche mit Trainern, Späße. All das läuft, wenn das Turnier erstmal startet, nicht mehr ganz so locker ab.

Robin Haase hat etwas zu erzählen

Nicht nur, aber auch deshalb nahm sich Robin Haase fast dreißig Minuten für ein Interview im Rahmen einer Diadora-Veranstaltung Zeit. Die niederländische Nummer eins repräsentiert die Marke schon lange. Der durchaus extrovertierte 30-Jährige gab sich vor dem Turnier entspannt und hatte wirklich etwas zu sagen. „Manche Spieler sind wirklich asozial.”  Und: „Zverev ist die Nummer drei und hat wie viele Turniere schon gewonnen? Und Deutschland redet darüber, wie viel Schläger er zertrümmert? Wenn er so Erfolg hat, soll er bitte 365 Tage im Jahr Schläger zertrümmern.” Zwei Kostproben, die Lust auf mehr machen.

Spontan-Interview mit Florian Mayer

Das ausführliche Gespräch gibt es demnächst im tennis MAGAZIN zu lesen. Apropos ausführlich: Mittagessen gab es anschließend exakt zwischen zwei Courts. Auf einem der beiden gab es einen eingesprungenen Rückhandstopp. einen, den es so kein zweites Mal auf der Tour zu beobachten gibt. Florian Mayer trainierte mit Joao Sousa, dem frischgebackenen Estoril-Sieger. „Dem sieht man sein Selbstvertrauen auch an. Er spielt zurzeit richtig gut”, sagte Mayer nach einer spontanen Interviewanfrage.

Und so nahm sich Mayer, der nach den US Open zurücktreten will, ausführlich Zeit zum Gespräch. Sogar das Thema Olympische Spiele stand auf der Tagesordnung. Auch ein Gespräch auf das Sie, liebe Leser, sich freuen dürfen. Und ein Gespräch, das im hektischen Spielbetrieb nicht zu Stande gekommen wäre. Dank Mayer gab es auch noch einen kleinen Abstecher in die Player’s Lounge: Mäusschen spielen.

Frauenpower: Fokus auf Azarenka, Kasatkina und Siegemund

In die Heimat, das Pressezentrum mit Hauptsitz im Inneren des Centre Courts, ging es erst anschließend. Dies war auch deshalb alles andere als leicht zu finden, weil so ziemlich kein Volunteer wusste, wo denn diese Journalisten arbeiten. Schließlich wurde doch noch vor der Auslosung am Abend im schönen Ambiente ein Platz für den einzigen nicht italienischen Journalisten gefunden.

Nach der Auslosung ging es noch zu Trainingsbesichtigungen von Victoria Azarenka (ja, es war laut), Laura Siegemund, Daria Kasatkina und erneut Joao Sousa, der in der Dämmerung an seinem Kickaufschlag arbeitete. Die Weitläufigkeit der Anlage endet übrigens am Stadio Olimpico. Hier wurde Deutschland 1990 dank Andy Brehme Weltmeister und Franz Beckenbauer schlich anschließend geheimnissvoll über den Rasen.

Nachmachen ging leider nicht. Für Tennisreporter kein Einlass – was nicht weiter schlimm war. Der Weg zurück entschädigte ganz schnell. Am Samstag startet die Qualifikation. Dann wird es etwas hektischer, Interviews sind aber immer noch möglich.

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