Petra Kvitova

Mail aus Stuttgart: Kein Kraut gewachsen gegen „Miss Fed Cup“

Das deutsche Fed Cup-Team verpasst den Einzug ins Finale. Die Niederlage trägt einen Namen: Petra Kvitova.

Als Anke Huber vor Spielbeginn am heutigen Sonntag bei der Ehrung des siegreichen deutschen Fed Cup-Teams von 1992 das Mikrofon ergriff, hatte sie eine Bitte an das Publikum in der Stuttgarter Porsche-Arena. „Bitte seid lauter als die da drüben.“ Mit „die da drüben“ war die 300 Leute umfassende tschechische Fankolonie, ausgestattet mit Musikinstrumenten, gemeint, die am ersten Fed Cup-Tag für ordentlich Stimmung gesorgt hatte. Die tschechischen Fans sind bekannt dafür, dass sie ihre Mannschaften nach vorne peitschen und zu Höchstleistungen antreiben.

Wunderstimmung in der Porsche-Arena

Die deutschen Fans gaben sich alle Mühe, um ihr Team bei der Mission „Wunder“ zu unterstützen. Sie klatschten, sie brüllten, sie skandierten die Namen der Spielerinnen. Die Stimmung in der mit 4.500 Zuschauern ausverkauften Porsche-Arena war exzellent. Als Julia Görges dank eines Sahnetages gegen Karolina Pliskova (6:4, 6:2) zum 1:2 verkürzte, („das Publikum hat mich zu dieser Vorstellung getrieben.“) roch es ein wenig nach Wunder. Knapp 90 Minuten später die Ernüchterung: Petra Kvitova überrollte in nur 58 Minuten Spielzeit Angelique Kerber mit 6:2, 6:2. Der Traum von einem Finale daheim am 10./11. November (wahrscheinlich wieder in der Porsche-Arena) war geplatzt. Seit dem Jahr 1995 wird der Fed Cup im Best-of-five-Format ausgetragen. Keiner deutschen Mannschaft gelang es bislang, eine Partie nach einem 0:2-Rückstand am ersten Tag noch in einen 3:2-Sieg zu drehen.

Die große historische Chance auf den dritten Titel im Fed Cup, den ersten seit 1992: Sie ist mal wieder dahin. „Es wird noch ein paar Stunden dauern, darüber hinwegzukommen. Wir wissen alle, dass es eine Chance war, aber wir haben gegen eine starke Mannschaft verloren. Wir versuchen es nächstes Jahr wieder“, kommentierte Kerber das für sie persönlich ernüchternd verlaufende Halbfinalwochenende. „Ich bin wahnsinnig stolz, wie die Mädels heute rausgekommen sind und Moral gezeigt haben. Jule hat von Anfang bis Ende top durchgespielt. Das war beeindruckend. Die Zuschauer in der Halle haben gespürt, dass wir unbedingt wollten. Letztendlich haben die Tschechinnen aber verdient gewonnen“, fasste Kapitän Jens Gerlach den Sonntag zusammen.

Gerlach: „Das war sowas von gut”

Der Hauptgrund für die Niederlage trägt einen Namen: Petra Kvitova. Die 28-jährige Tschechin bestätigte ihren Ruf als „Miss Fed Cup“. Kvitova präsentierte sich in ihren beiden Einzeln in Galaform und baute ihre Einzelbilanz im Wettbewerb auf 30:10 aus. Besonders für die deutschen Spielerinnen ist die zweimalige Wimbledonsiegerin immer wieder die große Spielverderberin. Kvitova gewann sieben von acht Einzeln gegen deutsche Damen (jeweils zweimal gegen Görges, Kerber und Andrea Petkovic sowie einmal gegen Sabine Lisicki). Nur Anna-Lena Grönefeld konnte „Miss Fed Cup“ bezwingen. Und damals stand die knapp 20-Jährige erst am Anfang ihrer Karriere. Kvitova spielt so, als ginge es um ihren Premierentitel in diesem Wettbewerb. Dabei hat sie den Fed Cup bereits fünfmal gewonnen. Von Titelmüdigkeit ist bei ihr nichts zu spüren.

„Man kann die Fed Cup-Begegnung so zusammenfassen: Petra Kvitova spielt in diesem Mannschaftswettbewerb Wahnsinnstennis. Das haben alle in der Halle in den zwei Tagen gesehen. Das war sowas von gut. Jede Mannschaft dieser Welt würde gerne so eine Petra Kvitova haben“, schwärmte Gerlach von der langjährigen tschechischen Nummer eins. Vielleicht liegt es auch an der fröhlichen und besonnenen Art von Petr Pala, dass Kvitova im Fed Cup stets zur Hochform aufläuft. Der Prager ist seit 2008 für das tschechische Fed Cup-Team verantwortlich und steht mit seinen Mädels nun zum sechsten Mal innerhalb von acht Jahren im Finale. Beeindruckende Zahlen. Das deutsche Fed Cup-Team unternimmt 2019 den nächsten Anlauf auf den Titel, der wohl wieder über Tschechien führt.