Roger Federer

Mensch Roger – Federer privat

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Was zeichnet Roger Federer aus? Für unseren Kolumnisten Alexander Waske ist es vor allem das Verhalten abseits des Platzes, was den 40-Jährigen besonders macht.

Wenn Novak Djokovic der Beste aller Zeiten ist, dann ist Roger Federer für mich der Größte aller Zeiten. In meinen Augen ist man der Größte, wenn man nicht nur erfolgreich ist, sondern das gesamte Spiel verändert hat. Das hat er eindrucksvoll geschafft. Seine Eleganz und Spielweise gab es vorher nicht, dazu diese Bodenständigkeit. Ich habe den größten Respekt vor Roger: nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch. Roger ist es egal, ob die Kamera an ist oder nicht. Er ist so, wie er ist: freundlich und nicht nur zu den Leuten nett, die in wichtigen Ämtern sind. 

Erlebnisse mit Federer in Wimbledon und Melbourne

Ich erinnere mich gerne an eine Episode mit ihm beim Wimbledonturnier 2015, als ich Tommy Haas coachte. Wir saßen zusammen in einem sehr großen und edlen Haus, das Tommys Management gemietet hat. Eine Woche später sollte Fürst Albert von Monaco dort wohnen. Im Haus selbst durften keine Schuhe getragen werden. Das Kindergeschrei war riesig, weil die beiden Federer-Zwillingsmädchen und Tommys Tochter Fangen spielten. Roger kam in Socken die Treppe herunter und sagte im ruhigen Ton: „Mädels, bitte seid nicht so laut. Spielt, habt Spaß, aber man muss euch im ersten Stock nicht unbedingt hören.“ Das hätte jeder andere Papa genauso gesagt. Das war nicht der mehrfache Grand Slam-Champion und Multimillionär, der das sagte, sondern ein ganz normaler Papa von zwei Töchtern, der das laute Geschrei freundlich, aber klar unterbunden hat. Nebenbei tranken wir mit ihm einen Espresso und redeten über einen belanglosen Quatsch. Das war für mich wieder ein Zeichen, dass der Erfolg Roger überhaupt nicht verändert hat. Dass er immer so ruhig, entspannt und menschlich ist, obwohl er überall erkannt und belagert wird, kann man nicht hoch genug bewerten.

Was mir besonders hängengeblieben ist – ein kurzes Gespräch mit ihm bei den Australian Open. Als wir im Spielerrestaurant gemeinsam auf unsere Bestellung warteten, fragte ich ihn: „Roger, ich verkrampfe häufig, wenn ich als Favorit ins Match gehe. Wie gehst du damit um?“ Er entgegnete: „Ich brauche das Gefühl, Favorit zu sein.“ Und dann sagte er einen der interessantesten Sätze, die ich je gehört habe. „Ich gehe immer mit dem gleichen Gefühl auf den Platz, denn ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn ich gut spiele.“ Das hat mich überrascht, denn kein Mensch fühlt sich immer gleich. Jeder Tag ist anders. Er erzählte, dass die Leichtigkeit auf dem Platz eine Gefühlssache sei und in dieses Gefühl schlüpft er hinein. Dies schaffe er durch seine Routinen vor dem Match: Aufwärmen, Einschlagen, Duschen, Essen, Fußgelenke tapen, Griffbänder wickeln etc. Man kann das mit Schauspielern vergleichen, die ebenfalls in Gefühle reingehen und nicht nur so tun, sondern diese Gefühle auch spüren. Roger hat etwas von der Schauspielkunst übernommen, indem er einen Weg gefunden hat, in diese Gefühlswelt einzutauchen und sich dieser zu bemächtigen.

Nie überheblich und respektlos

In all den Jahren habe ich Roger nie überheblich und respektlos gegenüber anderen Spielern erlebt. Während der French Open 2006, bei denen ich im Doppel das Halbfinale mit Andrei Pavel erreichte, gab es eine Szene, in der wir im Massageraum ein Match eines Spielers anschauten, der vor dem größten Sieg seiner Karriere stand und plötzlich keinen Ball mehr traf. Roger sagte: „Mein Gott, ist der ‚tight‘.“ In der Sekunde, als wir dachten, dass er als Überspieler gut reden kann und über den Dingen schwebt, drehte er sich in die Runde und sagte: „Wissen wir nicht alle, wie sich das anfühlt?“ Das war auch ein Punkt, in der ich Roger von der verletzlichen und ehrlichen Seite erlebt habe.

Im Ausblick auf den Rest seiner Karriere hoffe ich, dass er seine Karriere nicht aus dem Krankenstand beendet. Das wäre für ihn sicherlich eine Niederlage. Ich wünsche mir, dass er noch mal hochfährt und seine ganze Magie aufblitzt. Für ihn geht es darum, würdig und spielend den Tennisplatz zu verlassen.