Preisgeld: Grand Slams müssen fairer werden
Mehr Preisgeld für die Profis, eine gerechtere Verteilung. Vor allem: ein Mitspracherecht der Aktiven. Dieses Thema bewegt die Tennisprofis.
Führende Tennisspieler wie Carlos Alcaraz, Iga Swiatek, Aryna Sabalenka und Jannik Sinner haben 2025 in einem offenen Brief an die Organisatoren der vier Grand Slam-Turniere – Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open – eine gerechtere Verteilung der Einnahmen gefordert. Sie kritisieren, dass der Anteil des Preisgeldes an den Gesamteinnahmen der Grand Slams derzeit nur etwa 16 Prozent beträgt, während bei ATP- und WTA-Turnieren dieser Anteil bei rund 22 Prozent liegt.
Die Spieler verlangen, den Anteil des Preisgeldes an den Gesamteinnahmen bis 2030 auf 22 Prozent anzuheben und jährlich zwölf Millionen US-Dollar für Renten-, Gesundheits- und Mutterschaftsleistungen bereitzustellen. Außerdem fordern sie die Einrichtung eines Spielerrats, der in Entscheidungen zu Wettbewerb, Spielplan und Gesundheit eingebunden wird.
Alcaraz zur Preisgeld-Debatte: „Wir kämpfen alle dafür, etwas Besseres für uns zu erreichen”
Carlos Alcaraz brachte es auf den Punkt: „Wir kämpfen alle dafür, etwas Besseres für uns zu erreichen.“ Iga Swiatek betonte, dass es um die Interessen aller im Tennis gehe – nicht nur um die der Topstars. Die Reaktionen der Grand Slam-Organisationen fielen unterschiedlich aus, blieben aber weitgehend defensiv. Die US Open wiesen auf ein für 2025 angekündigtes Rekordpreisgeld von 90 Millionen US-Dollar hin, eine Steigerung um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Trotz dieses Rekords äußerten Spieler weiter Kritik an der Verteilung der Einnahmen. Die Verantwortlichen der French Open bestätigten den Eingang des Briefes und kündigten eine Erhöhung des Preisgeldes um 5,21 Prozent auf insgesamt 64,2 Millionen US-Dollar an. Eine sofortige Anhebung des Preisgeldanteils am Gesamterlös lehnten sie jedoch ab.
Preisgeld: Gerechtere Verteilung, mehr Mitspracherecht
Wimbledon nahm die Forderungen zur Kenntnis, wies aber darauf hin, dass eine reine Erhöhung des Preisgeldes die strukturellen Probleme im Tennis nicht löse. Gespräche über den Turnierkalender und die Gesundheit der Athleten seien geplant. Die Australian Open signalisierten Gesprächsbereitschaft, gaben aber bislang keine konkreten Zusagen.
Mehr Preisgeld für die Profis, eine gerechtere Verteilung. Vor allem: ein Mitspracherecht der Aktiven. Bei den Australian Open könnte wieder Bewegung in das Thema kommen.
Ein Blick auf andere Spitzensportarten macht die Dimension des Konflikts deutlich. In Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball werden Einnahmen zentral über Ligen verteilt. Spieler erhalten feste Gehälter und sind über Spielervertretungen in Verhandlungen eingebunden. Hinzu kommen etablierte Regelungen zu Renten- und Sozialleistungen. Golf ähnelt dem Tennis durch seine Turnierstruktur, doch große Golfturniere und die PGA Tour bieten oft höhere Anteile an Preisgeldern und stärkere kollektive Verhandlungsstrukturen.
Es geht nicht nur um höhere Preisgelder
Motorsportserien wie die Formel-1 arbeiten mit Revenue-Sharing-Modellen zwischen Veranstaltern, Teams und Fahrern, auch wenn die Fahrervertretung weniger institutionalisiert ist als in Teamsportarten. Diese Vergleiche zeigen, dass stärkere kollektive Verhandlungsstrukturen und transparente Revenue-Sharing-Regeln in anderen Sportarten Spielern bessere Einkommen und eine soziale Absicherung sichern – genau das, worauf die Forderungen der Topspieler abzielen.
Es geht längst nicht nur um höhere Preisgelder, sondern um eine grundlegende Neuordnung von Vergütung, sozialer Absicherung und Mitbestimmung im Profitennis. Immerhin: Die Veranstalter signalisieren Gesprächsbereitschaft. Konkrete strukturelle Zusagen stehen jedoch noch aus. Sollte es zu einer Einigung kommen, könnte es die Finanz- und Machtverhältnisse im Tennissport nachhaltig verändern. Die nächste große Verhandlungsrunde wird wohl während der Australian Open in Melbourne sein. Ich bin gespannt.
