Aryna Sabalenka

Aryna Sabalenka, 28, mit dem US Open-Pokal von 2025. Bild: Imago

Preisgeld: Sabalenka hat den Schuss nicht gehört

Die Diskussion um die Preisgelder ist so alt wie die Tour. Vor Beginn des WTA-Turniers in Rom äußerte sich die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka und spricht sogar von einem Boykott. Mit Verlaub: Sie hat den Schuss nicht gehört.

Als ich vor Jahren mit Ion Tiriac über das Thema Preisgeld sprach, sagte der frühere Manager von Boris Becker und wahrscheinlich reichste Mann Rumäniens: „Die Preisgelder sind obszön hoch.“ Da sprach man längst nicht von den Beträgen, die heute auf dem Tisch liegen. Das Preisgeld in Rom wird auf etwa 16 Millionen Euro für ATP und WTA beziffert. In diesem Jahr werden bei den French Open in Paris 61,7 Millionen Euro Preisgeld ausgeschüttet. Die Siegerin und der Sieger im Einzel erhalten jeweils 2,8 Millionen Euro.

In der Diskussion um die Preisgelder zieht Sabalenka auch einen Boykott in Betracht. Sie ist nicht die einzige. Aktuell verklagt die PTPA, die Professional Tennis Players Association, die Verbände ITF (Weltverband), ATP, WTA und drei der vier Grand Slam-Turniere unter anderem in diesem Punkt. Nur die Australian Open sind keine Zielscheibe – Melbourne kooperiert mit der PTPA.

Sabalenka sagt: „Wir sorgen für die Show. Ohne uns gäbe es keine Turniere, ohne uns gäbe es keine Unterhaltung. Ich habe das Gefühl, dass wir definitiv einen größeren Anteil verdienen.“

Hintergrund ist ein Schreiben nach Veröffentlichung des Preisgeldes in Paris, das auch Jannik Sinner und Alexander Zverev unterschrieben haben. Sie äußern ihre „tiefe Enttäuschung“ über den Teil am Kuchen, den die Spieler bekommen.

Sind 2,8 Millionen für den Titel nicht genug?

Mit Verlaub: Mir kommen die Tränen. 22 Prozent Beteiligung an den Einnahmen der Grand Slams fordert die PTPA. Aktuell sind es weniger als 15 Prozent. Die Kritiker der Grand Slams sehen sich ungerecht behandelt, weil Footballer, Basketballer und Golfer mehr verdienen. Mag sein, aber sind 2,8 Millionen für einen Grand Slam-Titel nicht genug? Sabalenka hat in ihrer Karriere knapp 50 Millionen Preisgeld verdient. Sie wird in ihrem Leben nicht mehr am Hungertuch nagen. Das ist kein Vorwurf. Sie hat jeden Cent verdient, weil sie die Beste in einem weltumspannenden Sport ist.

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Belarussin mit ihren Forderungen und der absurden Boykott-Drohung in sozialer Mission unterwegs ist. Tennisprofis sind Egoisten, was okay ist. Fakt ist, dass die 128 Spieler, die es in ein Grand Slam-Turnier schaffen, keinen Grund zum Klagen haben. Wer in der ersten Runde verliert, bekommt 87.000 Euro. Wer das viermal im Jahr tut, hat knapp 350.000 Euro. Da kann man locker Reisen und Coaches bezahlen.

Bei Challengern und Futures muss man etwas tun

Nein, der erlauchte Kreis bei den Grand Slams ist nicht bedürftig. Und noch einmal: Sie haben sich das hart erarbeitet. Genauso wie die Grand Slams ihre Position – und sei es nur wegen der Tradition – verdient haben. Melbourne, Paris, Wimbledon und New York pumpen Millionen in den Nachwuchs und in Kaderschmieden. Sie tun etwas für das Tennis, auch wenn man beklagen kann, dass auch sie keine Grand Slam-Sieger hervorbringen können. Der letzte Franzose, der in Paris siegte, war – genau – Yannick Noah 1983.

Wo aber in jedem Fall zu wenig Geld fließt, ist die Future- und Challengerszene. Die Spieler dort kämpfen ums Überleben. Dafür braucht es Initiativen. Die Top-Profis haben mehr als genug. Porsche-Fahrerin Sabalenka verdiente 2025 15 Millionen. Zieht man die Hälfte für Steuern und Kosten ab, könnte sie sich davon pro Jahr 30 ihrer Lieblingsautos im Wert von einer Viertel-Million kaufen. Die zu boykottieren, die sie reich machen, die ihr die Bühne für all ihre Sponsoren bieten, ist absurd.