Dubai Duty Free Tennis Championships – Day Fourteen

Roger Federer: Der 100-Titel-Champion

Roger Federer hat seiner Rekordliste eine weitere Bestleistung hinzugefügt. In Dubai gewann der 37-jährige Schweizer seinen 100. Titel. Nur der Amerikaner Jimmy Connors hat mit 109 Turniersiegen mehr gewonnen.

Man muss sich das einmal vorstellen. 100. In Worten: Einhundert. Schafft es ein Mensch 20 Jahre Profitennis zu spielen, ist das schon beeindruckend. Und nimmt man dann an, dass dieser Profi jedes Jahr im Schnitt fünf Turniere gewinnt, ist das angesichts der Konkurrenz, möglicher Verletzungen, der Schnelllebigkeit der Zeit eigentlich unvorstellbar.

„That is insane“, sprach Stefanos Tsitsipas bei der Siegerehrung in Dubai grinsend – völlig krank, völlig irre. Und ein weiterer O-Ton des Griechen: „Ich wäre schon froh, wenn ich 100 Matches gewinnen würde.“ Der Himmelsstürmer, der mit seinem Finaleinzug bei einem 500er-Turnier ab Montag erstmals in den Top Ten steht, meinte das als Scherz. 35 Siege fehlen ihm noch. Das sollte machbar sein.

Eine Mondlandung des Tennissports

Der 20-jährige Grieche, der sich als Kind permanent Federer-Videos zum Nachahmen reinzog, hatte 4:6, 4:6 in einem hochklassigen Finale verloren, war somit hautnah an Federers magischer Zahl 100 beteiligt. Genau wie Jan-Lennard Struff. Der Deutsche verlor das Doppelfinale und durfte bei der historischen Siegerehrung mit auf dem Centre Court stehen. Vielleicht sollte man ihn bei Gelegenheit mal fragen, wie das war, dabei zu sein. Bei einer dieser „Mondlandungen“ im Tennis.

Für Federer jedenfalls wurde „ein Traum wahr“. Im Grunde war es ja bei allen Rekorden Federers so. Man spricht im Vorfeld darüber, der bescheidene Baselbieter sagt, dass das doch alles nicht so wild sei. Aber wenn es dann so weit ist, dann strahlt er so breit wie der Rhein, der durch seine Heimatstadt fließt. So war es ja auch, als Federer vor rund einem Jahr in Rotterdam mit 36 Jahren und 195 Tagen zur ältesten Nummer eins der Historie wurde.

Indes: Gentleman Federer räumt auch ein, es gehe ihm nicht darum, alle Rekorde zu brechen. „Jimmy soll stolz auf seinen Rekord sein – so wie ich stolz auf meine bin“, antwortete er auf die Frage vom brillanten Kommentator, dem BBC-Urgestein David Mercer, ob er denn jetzt bereit sei, die 109 Turniersiege von Jimmy Connors zu knacken.

Zwischen 1972 und 1996 absolvierte der Amerikaner seine Siegesserie. Federers Titeljagd begann 2001 in Mailand auf einem ziemlich schnellen Teppichboden. Lange ist es her: Goran Ivanisevic war in dem Jahr Wimbledonsieger. Michael Schumacher Formel1-Weltmeister. Der FC Bayern war Deutscher Meister. Bill Clinton war amerikanischer Präsident und Gerhard Schröder Bundeskanzler. Und am 11. September fand der wohl tiefschürfendste Terroranschlag der Geschichte auf das World Trade Center in New York statt.

Wo alles begann: Federers Titel bei der Orange Bowl 1998

Aber eigentlich, so sieht Federer das selbst, begann alles 1998. In dem Jahr, als er offiziell seine Profikarriere startete. Das Jahr, das er als Weltranglistenerster bei den Junioren abschloss. Für Federer schloss sich in Dubai, bei einem seiner Lieblingsturniere, das er jetzt zum achten Mal gewonnen hat (die 8 ist seine Lieblingszahl), ein Kreis. Und bei aller Bescheidenheit darf dies der Schreiber dieser Zeilen auch sagen.

Eine seiner ersten Dienstreisen führte ihn zur Orange Bowl nach Miami, genauer gesagt nach Key Biscayne. Der 17-jährige Federer, damals mit blondiertem Schopf, hatte im Finale der inoffiziellen Junioren-WM den Argentinier Guillermo Coria geschlagen. Der Beginn einer Weltkarriere, die kein Mensch in dieser Form vorausgesehen hätte.

100. Ein Kreis schließt sich. Oder anders formuliert: Er ist dabei, sich zu schließen. Denn noch hat Federer einiges „im Tank“, wie das immer so schön heißt. Der Rekord von Connors scheint tatsächlich noch möglich. Entscheidender aber ist: Federer, die Nummer vier der Welt, der 20-fache Grand Slam-Sieger (noch so ein Rekord) ist zumindest Stand 2. März 2019 immer noch auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Er kann den Ansturm der Jugend immer noch abwehren.

Ach ja: Als Federer 1998 die Orange Bowl gewann, war Tsitsipas vier Monate alt.


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