2020 Australian Open – Day 10

Anastasia Pavlyuchenkova: „Viele Trainer haben ein riesiges Ego“

Vor einigen Tagen wurde die Trennung zwischen Anastasia Pavlyuchenkova und ihrem Trainer Sam Sumyk bekannt. In einem Interview sprach die Russin über die Stimmung im Team und die Gründe der Trennung. 

Eigentlich wurde Anastasia Pavlyuchenkova von der WTA gebeten, die Trennung von Coach Sumyk vorerst nicht öffentlich zu verkünden. Grund dafür sei die aktuelle komplizierte Lage weltweit, die natürlich auch Auswirkungen auf die Tennis-Tour hat. Nachdem der Franzose jedoch eigenständig die Trennung veröffentlichte, sah sich die 28-Jährige gezwungen, ein Statement abzugeben. Der russischen Tageszeitung „Kommersant“ erzählte sie, dass sie die Trennung allein beschlossen hätte: „Nachdem Sam beschlossen hat, dies eigenständig bekannt zu geben, muss ich etwas klarstellen. Es war alleine meine Entscheidung.“

Pavlyuchenkova vermutete, dass der eigenständige Schachzug ihres ehemaligen Trainers mit seiner neuen Jobsuche zusammenhing: „Ich denke, meine Entscheidung kam für ihn unerwartet und durch die Veröffentlichung der ganzen Sache wollte er mitteilen, dass er wieder als Coach wieder frei auf dem Markt ist.“

„Er war ein guter Coach“

Nach Wimbledon 2019 beendeten Sumyk und Garbine Muguruza ihre Zusammenarbeit. Nach den US Open wurde Sumyk als Coach ins Team Pavlyuchenkova aufgenommen. Die Russin stand zu dieser Zeit an Position 45 der Weltrangliste und kassierte zuvor einige Erstrunden-Niederlagen, unteranderem in Rom, Paris und Wimbledon. Auch in Flushing Meadows war in Runde zwei Schluss. Bereits bei dem ersten gemeinsamen Turnier in Osaka erzielte das Team einen Erfolg: Pavlyuchenkova erreichte auf Anhieb das Finale und besiegte Dayana Yastremska, Kiki Bertens, Misaki Doi und Angelique Kerber. Erst gegen Lokalmatadorin Naomi Osaka war sie im Endspiel unterlegen.

Eine starke Turnierwoche für Pavlyuchenkova in Osaka.

„Beim Turnier in Osaka habe ich ein gutes Ergebnis gezeigt. Ich stand im Finale, obwohl ich nicht sagen kann, dass Sam daran einen großen Anteil hat. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als eine Woche zusammen gearbeitet. Man muss bedenken, dass ich vor der Arbeit mit Sam eine schwierige Phase in meiner Karriere durchlaufen habe“, sagte die Russin nun nachträglich. „Damals dachte ich, dass ein harter Trainer, der Disziplin liebt, gut zu mir passen würde.“ Auch der Finaleinzug in Moskau sowie das Erreichen des Viertelfinals in Melbourne bestätigten anfänglich ihre Vermutungen.

„Ich mochte die Atmosphäre im Team nicht“

Doch trotz des guten Ergebnisses bei den Australian Open stellte die Weltranglisten-30. fest, dass etwas nicht stimmte: „Wir haben gut zusammengearbeitet, aber dennoch hatte ich schon bei den Australian Open das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Mir gefiel die Atmosphäre im Team nicht. Ich konnte mich weder auf dem Platz noch darüber hinaus öffnen.“ Außerdem fügte sie ebenfalls an, dass die guten Ergebnisse von den Spielern auf dem Platz erzeugt werden und nicht zwingend auf den Coach zurückzuführen sind.

Sam Sumyk betreute zuvor Spielerinnen wie Victoria Azarenka, Genie Bouchard und Garbine Muguruza und führte sie zu einigen Erfolgen. Diese Verdienste hatten für Pavlyuchenkova aber keine große Bedeutung: „Ich beurteile Trainer nicht nach ihrem Namen oder ihren Verdiensten. Für mich ist das Wichtigste der Austausch von Energie, der zwischen Menschen stattfindet, nicht nur im Sport, sondern auch im privaten Leben.“ Zudem störte sich die Russin an vorherrschendem Egoismus der Trainer: „Leider haben viele Trainer ein riesiges Ego und und sprechen zu oft vom Ich. Deshalb entstehen oft Probleme.“

„Ich lasse mich von meinen Gefühlen leiten“

Aus den Aussagen der Russin wird deutlich, dass sie positiver Stimmung im Team höchste Priorität einräumt. Zudem möchte sie ihren Siegeshunger ausleben und bestmögliche Ergebnisse mit ihrem Team erreichen: „Für mich ist es wichtig, die Beziehungen zum Trainer, zur Mannschaft zu maximieren – das ist der Schlüssel zum Erfolg, ohne den Fortschritte nicht möglich sind. In solchen Angelegenheiten lasse ich mich von meinen Gefühlen leiten. Jetzt habe ich die Motivation, zu gewinnen. Ich möchte noch viel gewinnen und erreichen. Ich spüre einen Siegeshunger in mir und bin bereit, hart zu arbeiten. Alles andere – der Name, das Alter, die Herkunft des Trainers, wen er vor mir trainiert hat und wie viele Titel er gewonnen hat – spielt keine Rolle.“


  1. Richard Schönborn

    Ich stimme Anastasia voll zu, es handelt sich immer grundsätzlich um den Spieler und nicht um den Trainer, die Leistungen auf dem Platz muss der Spieler bringen, der Trainer kann und muss in gewissen Trainingsphasen behilflich sein und das war´s.


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