Alexander Zverev

Boris Becker über Zverev: „Spiel nicht weiterentwickelt“

Für viele Tennislegenden, darunter Boris Becker, John McEnroe und Tommy Haas, ist die Spielweise von Alexander Zverev zu passiv.

Alexander Zverev geht mit leichten Fragezeichen in sein fünftes Wimbledonturnier. In Halle/Westfalen war der 22-Jährige im Viertelfinale knapp an David Goffin gescheitert, nachdem er sich in seinem Auftaktmatch am Knie verletzt hatte. In Stuttgart verlor er zum Auftakt gegen Landsmann Dustin Brown. Hat Zverev das Rüstzeug für den Titel in Wimbledon? Viele ehemalige Tennislegenden kritisieren vor allem Zverevs Spielweise, die ihn auch auf anderen Belägen daran hindern, noch erfolgreicher zu sein.

John McEnroe, dreifacher Wimbledonsieger, glaubt nicht an den großen Coup. Gegenüber der Sport Bild sagt der 60-Jährige: „Zverev spielt zu defensiv. Ich würde ihn lieber weiter vorn und fast im Feld stehen sehen. Das muss er besser machen. Den Ball eher zu nehmen und ins Feld zu gehen ist der Schlüsselpunkt.“

Ähnlich sieht es Tommy Haas: „Zverev ist stark in der Defensive. Aber es passiert zu wenig, wenn er die Möglichkeit zum Angreifen hätte. Oft ist er zu passiv. Er könnte schneller von der Defensive auf Offensive umstellen. Das ist der Unterschied zu Djokovic, Federer und Nadal. Die können beides.“

Becker über Zverev: „Irgendwann wurde sein Spiel von den Gegnern erkannt”

Boris Becker formuliert es in der Sport Bild noch drastischer. „Mit seinem Kampfgeist und seiner Einstellung will er die Gegner niederringen, was gut ist. Die Frage ist nur: Wie lange gelingt das und gegen wen? Irgendwann wurde sein Spiel von den Gegnern erkannt. Er hat es nicht weiterentwickelt. Federer spielt heute auch anders als vor fünf Jahren. Man muss sich ständig weiterentwickeln. Das wäre in seinem Fall, dass er etwas offensiver von der Grundlinie wird. Da muss er noch nicht mal ans Netz.“

Zverev will an seiner Spielweise weiter festhalten. „Ich sehe das nicht so, mein Vater sieht es nicht so, Ivan Lendl sieht es nicht so. Schwachsinn. Boris und McEnroe sind ihr Leben lang ans Netz gerannt. Das werde ich nicht tun. Jeder ist anders.“ Der 22-Jährige ist derzeit die Nummer fünf im ATP-Ranking. Trotz einiger früher Niederlagen ist der Deutsche auf Kurs in Richtung Teilnahme am Saisonfinale der acht besten Spieler. Im Jahresranking belegt Zverev vor Beginn in Wimbledon Platz Acht.