Daniel Masur

Daniel Masur: „Ich würde das Grölen erlauben“

Der 24-jährige Daniel Masur, derzeit die Nummer 256 im ATP-Ranking, spricht im Interview mit spox.com über das schwere Leben als Tennisprofi in der zweiten Reihe, Hassnachrichten und Regeländerungen.

Dass das Leben als Tennisprofi ein ständiges Auf und Ab sein kann, bekommt auch Daniel Masur zu spüren. Der 24-Jährige, der 2016 in der Davis-Cup-Relegation gegen Polen im Doppel zum Einsatz kam, ist derzeit die Nummer 256 im ATP-Ranking. Das Jahr 2019 läuft für den Münchner bislang äußerst bescheiden. Von zwölf Matches konnte Masur nur zwei gewinnen. Im Interview mit spox.com sprach Masur über die Erschwernisse, die ein Tennisprofi in der zweiten Reihe hat, Hassnachrichten und Regeländerungen.

Masur: „Tennis ist ein Nullsummenspiel für mich“

„Ich bin 24 Jahre alt, selbstständig und muss wie viele andere am Anfang der beruflichen Laufbahn unglaublich viel investieren. An einem normalen Tag gehe ich um 8 Uhr aus dem Haus und komme um 19.30 Uhr zurück. Ich investiere extrem viel, aber am Ende des Tages steht relativ wenig Ertrag auf der Habenseite“, erzählt Masur. Von den erspielten Preisgeldern bleibt nicht allzu viel übrig, manchmal gar nichts. „In der Ranglistenregion, in der ich mich aktuell bewege, ist es so, dass sich das System gerade so trägt. Tennis ist ein Nullsummenspiel für mich. Ich kann meinen Trainer, meine Reisen und meine Unterkünfte bezahlen und wenn es gut läuft, ist manchmal noch ein schöner Urlaub drin.“

Kontakte zu Matchfixern habe Masur zwar nie gehabt, aber auch er bekommt auf seinen Social-Media-Kanälen den Hass von frustrierenden Wettern zu spüren. „Ich bekomme üble Nachrichten. Das ist echt brutal. Nach jeder Niederlage kann ich mir sicher sein, dass ich drei oder vier Hassnachrichten im Postfach habe. Und du kannst nichts dagegen machen. Klar, ich kann sie blocken, aber dann kommen beim nächsten Mal fünf andere.“

Masur: „Du wird als Matchfixer beschimpft“

Zum Inhalt solcher Hassnachrichten sagt der 24-Jährige: „Ich wünsche dir den Tod. Ich hoffe, deine ganze Familie verreckt an Krebs. Hör‘ auf mit Tennis ist noch das harmloseste. Es ist bodenlos. Du wirst als Matchfixer beschimpft, weil du vielleicht bei 5:4 zum Match serviert hast und es ja völlig klar ist, dass es geschoben sein muss, wenn du es dann nicht gewinnst. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.“

Zum Thema Regeländerungen findet Masur, dass Tennis mehr mit der Zeit gehen sollte und sich anderen Sportarten anpassen müsste. Er zieht den Vergleich zum Darts. „Ich würde das Grölen erlauben. Beim Darts feiern die Fans eine große Party und die Spieler schaffen es trotzdem, unter Druck auf den Millimeter genau ihre Pfeile zu werfen und die Felder zu treffen. Weil sie daran gewöhnt sind. Auch beim Basketball ist es ja zum Beispiel laut. Warum soll das im Tennis nicht möglich sein? Tennisfans sollten auch grölen dürfen und kommen und gehen, wann sie wollen.“

Masur: „Tennis muss zeitgemäßer werden“

Geht es nach Masur, sollte das berühmte „Quiet please“ im Tennis der Vergangenheit angehören. „Im Moment ist es so, dass es so still ist, dass du eine Stecknadel fallen hörst. Sobald eine Flasche umfällt, denkst du, es ist eine Bombe eingeschlagen. Tennis muss zeitgemäßer werden. Offener, nicht so verklemmt. Ich glaube nicht, dass eine Schulklasse, die zum Tennis geht, so viel Bock hat, zwei Stunden keinen Mucks zu machen. Sobald wir Spieler uns daran gewöhnt haben und die einzelnen Geräusche nicht mehr so wahrnehmen, würde das niemanden stressen.“

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen und auch dem Großteil der Tennisfans zeigt sich Masur offen dafür, kürzere Sätze zu spielen. „Klar ist es gegen die Tradition des Tennis. Wenn ich mir die Ergebnisse bei den Next Gen Finals anschaue und sehe so was wie 4:3, 1:4, 4:2, 4:3, dann ist das komisch. Aber auf der anderen Seite muss ich mich fragen, wie viele Matches ich mir in diesem Jahr bis jetzt in voller Länge angeschaut habe? Zwei vielleicht. Und ich bin Tennisprofi. Es dauert einfach zu lang. Tradition ist wichtig, aber Tennis darf auch nicht auf seiner Tradition sitzen bleiben und muss mit der Zeit gehen.“