Davis Cup – Deutschland

Davis Cup: Wirbel um deutsches Heimrecht gegen Weißrussland

Ob Deutschland tatsächlich im März in der Qualifikationsrunde für das Davis-Cup-Finalturnier in Madrid ein Heimspiel gegen Weißrussland hat, ist noch nicht endgültig sicher.

Das deutsche Davis-Cup-Team trifft am 6./7. März 2020 in der Qualifikationsrunde für das Finalturnier in Madrid (23. bis 29. November 2020) in einem Heimspiel auf Weißrussland. Weißrussland, da war doch was? Ja, richtig! 2003 verlor das deutsche Davis-Cup-Team in der Relegationspartie in Sundern überraschend mit 2:3 gegen Weißrussland und stieg nach 20 Jahren aus der Weltgruppe im Davis Cup ab.

Da es seitdem kein weiteres Spiel zwischen den beiden Nationen im Davis Cup gab, hätte Weißrussland das Heimrecht für die Partie im März normalerweise zugestanden. „Die Situation ist etwas eigenartig. Wir haben Heimrecht. Weißrussland hat derzeit noch Einspruchsrecht, weil sie eigentlich Heimrecht hätten, aber dieses verloren haben. Die Weißrussen spielten im September gegen Portugal auf einem zu schnellen Belag und bekamen deswegen die Strafe von Tennis-Weltverband, dass sie ihr nächstes Heimspiel nicht wahrnehmen dürfen“, klärt Klaus Eberhard, Sportdirektor im Deutschen Tennis Bund (DTB), die Situation auf.

Davis Cup: Weißrussland kassiert Strafe durch die ITF

Weißrussland hatte sich im September 2019 mit einem 3:2-Sieg gegen Portugal zu Hause in Minsk die Teilnahme für die Qualifikationsrunde im März 2020 erspielt. Die Weißrussen hatten dabei allerdings einen Hartplatz gewählt, der nicht den Regularien der ITF entsprach. Es wurde gegen die „Court Pace Rating Rule“ verstoßen, die es seit 2008 im Davis Cup und Fed Cup gibt. Als Strafe verlor Weißrussland 41 Punkte im Nationen-Ranking im Davis Cup sowie das Heimrecht für das nächste Heimspiel. Die Strafe wurde am 22. November ausgesprochen. Ein Tag später wurde in Madrid die Qualifikationspartie zwischen Deutschland und Weißrussland ausgelost.

Der weißrussische Verband hat seit dem Beschluss 21 Tage Zeit, um gegen die Entscheidung Einspruch vor einem unabhängigen Gericht zu erheben. Der DTB steht nun gleich vor zwei Problemen: Es ist sowieso schon schwer genug, für den März-Termin noch eine geeignete Halle zu finden. Gleichzeitig könnte aber auch einem möglichen Einspruch der Weißrussen stattgegeben werden – dann würde Deutschland plötzlich sein Heimrecht verlieren. Ihr Einspruchsrecht haben die Weißrussen bislang noch nicht wahrgenommen; bis Ende der kommenden Woche hätten sie dafür  Zeit.

Davis Cup: Hoffnung auf Alexander Zverev

„Wir vermuten, dass die Weißrussen die 21 Tage Einspruchsfrist voll ausnutzen, weil sie sauer über die Entscheidung sind. Und wir sind nicht glücklich, weil wir nicht planen können. Erst Mitte Dezember wissen wir endgültig Bescheid, ob wir ein Heimspiel haben. Wir gehen fest davon aus, dass wir das Heimrecht behalten“, sagte Eberhard.

Ob Alexander „Sascha“ Zverev beim Duell gegen Weißrussland zur Verfügung steht, ist noch offen. Im Februar 2019 war Zverev bei der Qualifikationspartie gegen Ungarn für das Davis-Cup-Finalturnier dabei. Allerdings liegt der Termin der Qualifikationsrunde 2020 anders – nämlich zwischen den ATP-Turnieren in Acapulco/Dubai und Indian Wells/USA. Große Reisestrapazen für die Spieler sind programmiert.

Der deutsche Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann ist guter Dinge, dass Zverev nicht nur für die Partie gegen Weißrussland, sondern auch für die nächste Finalrunde in Madrid zu Verfügung steht. Die deutsche Nummer eins hatte seinen Verzicht auf das Finalturnier im Davis Cup langfristig angekündigt mit der Begründung des späten Termins und des veränderten Formats.

„Wir haben die Hoffnung nicht verloren, dass er nächstes Jahr nicht spielt. Sascha hatte immer das Ziel, den Davis Cup mal zu gewinnen. Er hat sicherlich gesehen, dass wir, wenn wir mit der besten Mannschaft antreten, zum Favoritenkreis gehören. Dass der Davis Cup nächstes Jahr zum gleichen Termin stattfindet, spricht allerdings nicht für eine Teilnahme von Sascha. Es wird aber Gespräche geben“, sagte Kohlmann bei einem Pressegespräch in Hamburg.

Kohlmann: „Es ist leichter, den Davis Cup zu gewinnen”

Kohlmann sieht gute Chancen, den Davis Cup in Madrid zu gewinnen, wenn Zverev dabei sein sollte. „Der Bodenbelag und die Bedingungen in Madrid, wie sie dieses Jahr waren, sind gut für uns. Unser Doppel Krawietz/Mies hat in zwei Matches kein Break kassiert. Jan-Lennard Struff kann auf dem Boden an einem guten Tag jeden Gegner schlagen. Sascha ist, wenn er gut serviert, eigentlich nicht zu breaken. Wir müssen aber erst einmal unsere Hausaufgabe Weißrussland erledigen, damit wir nächstes Jahr in Madrid wieder dabei sind“, blickte Kohlmann voraus.

Der 45-Jährige, seit 2015 das Kapitän, zog zudem ein Fazit zur Premiere der Finalrunde im Davis Cup.  „Der Begriff Nationalmannschaft hat eine große Bedeutung für die Spieler. Das konnte man in Madrid sehen. Die Spieler haben alles für ihr Land gegeben und haben teilweise bis 4 Uhr in der Nacht gespielt. Ob man es mit dem Davis Cup aus der Vergangenheit vergleichen kann, würde ich bezweifeln. Die Nationen sind näher herangerückt. Es ist leichter, den Davis Cup zu gewinnen, weil es nicht mehr fünf Matches innerhalb einer Partie gibt, sondern nur drei.“